BVB-Sieg gegen Hoffenheim Sicherheit statt Heavy Metal

Das Pressing war in Dortmund ein Jahrzehnt lang heilig. Peter Stöger ließ das Team gegen Hoffenheim deutlich vorsichtiger agieren. Das sah zwar nicht immer gut aus, brachte am Ende aber drei Punkte.

Von Tim Pommerenke


Kurioser Schlusspunkt: Kurz vor dem Abpfiff schien Oliver Baumann die Konzentration bereits verloren zu haben. Leichtfertig schoss er Pierre-Emerick Aubameyang den Ball an den Rücken. Der schaffte es jedoch nicht, den Ball aus vier Metern in das leere Tor zu köpfen. War aber auch nicht weiter wichtig: Sekunden zuvor hatte bereits Christian Pulisic den zweiten BVB-Sieg im zweiten Spiel unter Peter Stöger besiegelt.

Das Ergebnis: Borussia Dortmund hat vor heimischer Kulisse 2:1 (0:1) gewonnen. Stögers Heimpremiere war glanzlos - aber erfolgreich. Hier geht es zur Meldung.

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Dortmunds Sieg gegen Hoffenheim: Erst US-Fußballer des Jahres, dann Last-minute-Torschütze

Die erste Hälfte: So tief stehend wie gegen Hoffenheim hat man den BVB ewig nicht erlebt. Das Team konzentrierte sich zunächst aufs Verteidigen und kam lediglich über Konter zu Gelegenheiten. Hoffenheim wartete ab, schaute sich das veränderte Spiel des Gegners an und schlug eiskalt zu. Nadiem Amiri schickte den mitgelaufenen Pavel Kaderabek in den BVB-Strafraum, der für Uth querlegte - 1:0 für Hoffenheim (21. Minute). Danach kontrollierten die Gäste das Spiel bis zum Pausenpfiff.

Die zweite Hälfte: Lief wie der erste - nur mit anderem Ergebnis. Hoffenheim bestimmte das Spiel, Dortmund wurde den Gästen selten gefährlich. Bis Stefan Posch Shinji Kagawa im Strafraum foulte. Pierre-Emerick Aubameyang trat zum Elfmeter an und traf (63.). Danach wurde das Spiel ausgeglichener und geprägt durch Fehler auf beiden Seiten. Vieles deutete auf ein Remis hin, bis der ansonsten meist unglücklich agierende Kagawa einen genialen Moment hatte: Mit einem Pass in die Tiefe setzte er Christian Pulisic in Szene, der den späten Siegtreffer besorgte (89.).

Ende einer Ära? Etwa zehn Jahre lange war das Pressing in Dortmund Teil der DNA. Jürgen Klopp (2008 bis 2015) hatte das Konzept des Dortmunder "Heavy-Metal-Fußballs" (O-Ton Klopp) geprägt, Thomas Tuchel führte das Erbe fort. Peter Bosz knüpfte dort an, doch das Erfolgsmodell bekam deutliche Risse. Unter Stöger scheint die Marschrichtung nun eine andere: Sicherheit statt Heavy Metal, Siege statt Spektakel.

Nagelsmann und der BVB-Fluch: Noch nie hat Julian Nagelsmann als Trainer gegen den BVB gewinnen können. In Dortmund setzte es für den Hoffenheim-Coach ausschließlich Niederlagen - so auch dieses Mal. Mehr als über diese Negativstatistik wird sich Nagelsmann jedoch darüber ärgern, wie seine Mannschaft ein souverän geführtes Spiel aus der Hand gab.

Kurzpassmaschine Hoffenheim: Wie knackt man einen tief stehenden Gegner spielerisch? Hoffenheim hatte einen Plan: Kurzpässe. 42 Sekunden dauerte es, bis der Ball vor dem 1:0 von Verteidiger Benjamin Hübner bis zu Torschütze Mark Uth gelangte. Dabei spielte das Team über 21 Stationen. Das sind zwei Sekunden pro Pass, ohne dass der BVB dazwischen kam. Diese taktische Souveränität kam dem Team nach dem Gegentor abhanden.

Störfeuer aus Köln: Vor dem Spiel meldete sich Kölns neuer Geschäftsführer Armin Veh zu Wort. "Wenn man 14 Spiele hat und drei Punkte und 13 Verletzte, dann hat mit Sicherheit etwas nicht gestimmt", sagte Veh und giftete gegen Ex-Trainer Stöger. Der behielt einen ruhigen Puls: "Wenn es so bewertet wird, dann möchte ich mich entschuldigen dafür, dass ich das so übergeben habe. Ich kenne Armin ja schon lange, er wird das gut analysiert haben, in den paar Tagen, seitdem er da ist."

Ende der Spekulationen? Stöger ist noch gar nicht lang im Amt, da ist sein baldiger Abschied für viele schon beschlossene Sache. Und den Nachfolger meinen viele auch zu kennen: Julian Nagelsmann. Ob es so kommen wird, ist ungewiss. Stögers Chancen auf eine Weiterbeschäftigung könnten mit einem dritten Sieg in Serie jedenfalls steigen: Am Mittwoch im Pokal bei Bayern München (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Borussia Dortmund - TSG Hoffenheim 2:1 (0:1)
0:1 Uth (21.)
1:1 Aubameyang (63., Foulelfmeter)
2:1 Pulisic (89.)
Dortmund: Bürki - Toljan, Sokratis, Toprak, Schmelzer - Weigl - Kagawa, Guerreiro - Jarmolenko (73. Dahoud), Aubameyang, Pulisic (90.+3 Subotic)
Hoffenheim: Baumann - Posch (90. Akpoguma), Vogt, Benjamin Hübner - Kaderabek, Grillitsch, Zuber - Amiri, Demirbay - Uth (69. Szalai), Gnabry (63. Kramaric)
Schiedsrichter: Osmers
Gelbe Karten: -
Zuschauer: 81.000



insgesamt 2 Beiträge
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rocketsquirrel 17.12.2017
1. Veh hat Recht...
...nur hat Stöger nicht Modeste verkauft, der quasi im Alleingang Köln letztes Jahr nach oben geschossen hat. Leider konnte Stöger nicht selbst Tore schießen... Dortmund spielte zeitweise arg lustlos, abgesehen von den Minuten bis zur Hoffenheimer Führung und ein Remis wäre sicherlich leistungsgerechter gewesen - Pulisics Tor war aber technisch herausragend.
tomaraya 17.12.2017
2.
Herr Stöger hat die Mannschaft gerade erst übernommen, und seine erste Aufgabe ist es mit Sicherheit die Talfahrt zu stoppen. Dass man dann versucht die Abwehr zu stabilisieren (die auch die größte Baustelle in der Mannschaft ist), und somit das berühmte Gegenpressing hinten anstellt, ist wohl die logische Konsequenz. Wie die letztendliche taktische Ausrichtung aussehen wird, kann man also eigentlich noch gar nicht wissen. Das ein paar Oberschlaue anderer Meinung sind, bzw. es ihnen anscheinend wieder zu langsam geht, ist typisch für die heutige Lage des Fussballs im allgemeinen. Genauso wie die Medien es auch nicht erwarten können, wie es denn nach Ende der Saison, also nächsten Sommer weiter geht! Stöger ist wie erwähnt gerade erst angetreten, es gibt aber anscheinend nichts wichtigeres als zu erfahren, wer dann ab nächste Saison Trainer in Dortmund sein wird...
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