Dortmunds Sieg in Darmstadt Wieder im Spiel

Die Meisterschaft ist wieder spannend: Borussia Dortmund liegt nach dem Sieg in Darmstadt nur noch fünf Punkte hinter dem FC Bayern - und kann den Rückstand im Top-Spiel am Samstag weiter verkürzen.

Von , Darmstadt

AP/dpa

Es dauerte nicht lange, bis die Spieler von Borussia Dortmund erkannten, was sie da bekommen hatten: ein unverhofftes Geschenk von Mainz 05 im Kampf um die Meisterschaft. Der 2:1-Sieg der Mainzer in München setzt, zusammen mit dem 2:0-Erfolg des BVB in Darmstadt, ein kleines Fragezeichen hinter den Satz: "Bayern wird Meister." Ein Satz, der bis Mittwoch, 20 Uhr, ähnlich gesetzt schien wie "Die Erde ist rund" oder "Der Papst ist katholisch".

Vom vermeintlich unantastbaren Acht-Punkte-Vorsprung des Rekordmeisters sind nur noch fünf Punkte übrig. Und am kommenden Wochenende könnten daraus zwei Zähler werden, denn dann spielt Borussia Dortmund gegen den FC Bayern (Samstag, 18.30 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Erik Durm, der nach dem Führungstreffer von Ramos (38. Minute) das 2:0 nachgelegt hatte (54.), war schließlich der Erste, der demonstrativ die Grundrechenarten bemühte: "Die Bayern wissen natürlich auch, dass wir sie zu Hause schlagen können." Auch Trainer Thomas Tuchel ließ durchblicken, dass man sich nicht kleiner machen will als nötig. "Der Vorsprung ist geschmolzen, wir werden alles daran setzen, ihn weiter zu verkürzen", sagte er.

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Überhaupt wurde ausgerechnet in den Katakomben des Darmstädter Stadions, einer Art Museum aus der Fritz-Walter-Ära, deutlich, wie geschickt die heutige Trainergeneration kommuniziert. Noch vor 20 Jahren hätte jeder Coach, der einen vergleichsweise mittellosen Aufsteiger wie Darmstadt trainiert, nach einem Spiel von Borussia Dortmund darauf gehofft, dass der gegnerische Trainer den Rasen erwähnt - um dann die gesamte Klassenkampf-Rhetorik abzufeuern, die man als Underdog braucht wie die Luft zum Atmen.

Schuster entschuldigt sich für Platzverhältnisse

Doch Darmstadts Trainer Dirk Schuster tat das Gegenteil. Er bedankte sich bei Tuchel dafür, dass der das Thema ausgespart hatte und entschuldigte sich seinerseits für den katastrophalen Platz: "Ich schäme mich, unseren Gästen hier so einen Platz anbieten zu müssen, auf dem Fußball gespielt werden soll. Das ist peinlich. Der Verein hat da aber leider wenig Handhabe, weil wir nicht Eigentümer sind." Das Stadion am Böllenfalltor gehört der Stadt.

Und Tuchel? Mit Rehhagel, Daum oder Neururer hat er noch weniger gemeinsam als Schuster. Undenkbar, dass er Spieler über Glasscherben schicken würde, Adler in Kabinen tragen oder gar im Sportstudio herumpoltern würde. Wo die Altvorderen lärmten, bildet die Generation Tuchel-Nagelsmann-Löw-Schmidt lange geschliffene Sätze, die bescheiden klingen sollen. Dabei sind die modernen Trainer mindestens so von sich überzeugt wie die Brachial-Rhetoriker in den Achtzigerjahren.

"Ausgangslage, für die wir hart geschuftet haben"

"Ich habe allerhöchste Wertschätzung für meine Mannschaft", sagte Tuchel: "Wir haben ja auch in einer neuen Konstellation gespielt. Die Mannschaft hat große Lust ausgestrahlt auf eine Teamleistung, um über die individuelle Qualität immer wieder zu Torchancen zu kommen und die entscheidenden Zweikämpfe zu gewinnen. Insofern bin ich sehr glücklich."

Seine Botschaft: Die Mannschaft ist individuell überragend, in der Breite prima besetzt und verfügt über einen Teamgeist und einen Willen, den man so schnell kein zweites Mal findet. Das kann man durchaus als Kampfansage an die Bayern verstehen.

Natürlich wäre Tuchel auch schlecht beraten gewesen, wenn er die unverhoffte Chance, die Bayern herauszufordern, ungenutzt gelassen hätte. Und außerdem war all das, was Tuchel an Positivem über seine Elf sagte, nicht falsch. Tatsächlich hatte seine Mannschaft die Partie im Griff und es fiel gar nicht auf, dass Tuchel die Startelf auf gleich acht Positionen umgestellt hatte. Überragend oder gar glanzvoll spielte der BVB nicht, musste es aber auch nicht.

Gegen die Bayern muss Tuchels Team anders agieren, das ist dem Trainer natürlich bewusst: "Jetzt haben wir eine Ausgangslage, für die wir hart geschuftet haben", sagte er.



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insgesamt 22 Beiträge
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Tavlaret 03.03.2016
1. Ist doch schön ... :-)
Wunderbar für die Liga, Bayern zeigt sich schlagbar ... aber ist das unter Pep nicht immer so, dass die Rückrunde schwächer ist als die Vorrunde? Aber alles kann passieren, Dortmund kann am Samstag gewinnen und die Bayern brechen tatsächlich noch ein oder die Bayern reißen sich hochmotiviert zusammen und zeigen dem BVB die Grenzen auf. Schaun wir mal! Nur, es sieht fast so aus als wäre der Käse gegen Juventus noch nicht gegessen, das wäre weniger lustig.
Boesor 03.03.2016
2.
Hmmm, also derzeit ist ja irgendwie das spannende, ob das Ganze nochmal spannend wird. Wenn Bayern am Samstag gegen Dortmund gewinnt oder unentschieden spielt ist die Luft wieder raus. warten wir mal ab und beurteilen dann, ob es spannend wird.
Draco Silvano 03.03.2016
3. @ Boesor
Vollkommen richtig! Hier wird in den ganzen Beiträgen viel zu sehr versucht eine Spannung herbeizureden, die es noch gar nicht gibt. Klar, sollte Dortmund am Samstag wirklich gewinnen, dann sieht es für den Moment wieder nach einer spannenden Meisterschaft aus. Was aber wiederum auch einen Spieltag später (sollte der BVB dort verlieren und Bayer gewinnen) plötzlich wieder ganz langweilig aussehen kann. Gleiches gilt für ein Unentschieden oder gar bei einem Sieg für Bayern am Samstag. Bis dahin können sich erst mal alle auf ein hoffentlich hochkarätiges Fußballspiel freuen. Danach sieht man dann weiter.
papabvb 03.03.2016
4.
Bayern wird am Samstag ganz anders auftreten und der BVB muss eine Weltklasseleistung abliefern um eine Siegeschance zu haben. Ich gehe allerdings von einem von Taktik geprägten Spiel aus und da kann Herr Tuchel beweisen ob er auch die Finesse besitzt Pep das Wasser zu reichen. Ich freue mich auf das Spiel!
janeinistrichtig 03.03.2016
5.
Ich drücke dem BVB am Wochenende die Daumen. Nicht nur, weil ich jeder Mannschaft, die in der BL gegen die Münchner spielt, einen Sieg wünsche - als in den 70ern Fussballsozialisierter und Fan von der wahren Borussia hat es keine andere Option -, die Meisterschaft sollte (wenigstens für ein paar Spieltage) gerne noch etwas spannend werden. So sehr ich also der anderern Borussia den Sieg wünsche, so sehr, allerdings, drücke ich gegen Juve den Bayern die Daumen (naja, vielleicht nicht ganz so fest). Im eropäischen Wettbewerb bin ich ziemlich schlicht gestrickt und parteiisch: die deutsche Mannschaft möge gewinnen (selbst bei Leverkusen...). Es versteht sich von selbst, dass ich beim damaligen CL-Finale zwischen FCB und BVB zu den Westfalen gehalten habe. So, jetzt wisst ihr Bescheid.
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