BVB-Remis in Leverkusen Dortmund schleppt sich durch

Immerhin ein Auswärtspunkt in Leverkusen: Bei Borussia Dortmund müssen sie im Moment nehmen, was man kriegen kann. Allerdings machte auch das Remis die Schwächen des Teams wieder mehr als deutlich.

Bongarts/Getty Images

Aus Leverkusen berichtet


An den Füßen weiße Schuhe aus Kunststoff, um das rechte Knie eine große Gelenkstütze: Maximilian Philipp ging an Krücken über den Kabinengang, als seine Kollegen vom Spielfeld kamen. Roman Bürki erkundigte sich, wie es denn gehe. Schon in der achten Minute war Philipp vom Platz getragen worden. Eine "schwere Knieverletzung" vermutete Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc, die genaue Diagnose will der Verein am Montag mitteilen.

Philipp dürfte beim Röntgen mitbekommen haben, welche Rolle Roman Bürki beim 1:1 seiner Mannschaft in der Partie bei Bayer Leverkusen gespielt hatte. Darauf deutete jedenfalls der Handschlag hin, der nach einem Dankeschön aussah. Das war angebracht. Der Torwart, in den vergangenen Wochen für einige Fehler kritisiert und dann auch noch verletzt, war der beste Spieler seines Teams. "Er hat uns vor dem Ausgleich gerettet", sagte Trainer Peter Bosz über den Reflex, der den BVB bei einem Schuss von Kevin Volland vor dem 0:2 bewahrte. Im Gegenzug schoss Andrej Jarmolenko das 1:1.

"Das 1:1 ist etwas anderes als letzte Woche das 4:4", kam Bosz auf das Revierderby gegen den FC Schalke zurück, als die Dortmunder einen 4:0-Pausenvorsprung verspielten. Der Trainer war daraufhin öffentlich von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke angehalten worden, "alles auf den Prüfstein zu stellen". Die Erkenntnisse behielt Bosz weitestgehend für sich. Eine war an der Aufstellung abzulesen, denn Neven Subotic kam zu seinem zweiten Einsatz in der Saison.

Hereinnahme von Subotic - Aktionismus?

Es wirkte wie Aktionismus, denn der bei der Borussia hochdekorierte Innenverteidiger war in vielen Szenen mit dem Tempo der Gastgeber überfordert, Vollands Tor zum 1:0 ermöglichte er mit einem Fehler. Er stand dazu, verteilte die Schuld aber auch an die Kollegen, die wiederum das gemacht hatten, was Bosz fordert: möglichst weit vorne zu stehen, um den Gegner schnell unter Druck zu setzen. Bei allen negativen Erfahrungen, die der BVB in dieser Saison schon in mit einer entblößten eigenen Hälfte machte: Der Trainer will dabeibleiben.

Der Punktgewinn gibt ihm bis auf Weiteres die Gelegenheit dazu. "Wir wollen mit Peter Bosz den Turnaround schaffen", sagte Zorc und dementierte Berichte, wonach der Verein schon andere Trainer angesprochen habe.

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Es ist ein gewagtes Bekenntnis des BVB, denn der "Schritt nach vorne", den Kapitän Marcel Schmelzer ausmachte, war ein winziger. Er war auch nur in der Phase zu erkennen, als der BVB in Überzahl spielte, also ab der 41. Minute. Bevor Wendell wegen eines Tritts auf den Knöchel von Gonzalo Castro die Rote Karte sah, war die Borussia deutlich unterlegen. "Wir haben bis dahin ein überragendes Spiel gemacht. Die Rote Karte hat uns dann schon zurückgeworfen", sagte Volland.

Dem BVB-Mittelfeld fehlt das Tempo

Bosz analysierte, dass seine Mannschaft bis zum Platzverweis "keinen Fußball gespielt" habe. Das ist von ihm stets über die schlechten Phasen zu hören, und es hört sich immer so an, als sei dies ein Problem des mangelnden Selbstbewusstseins. Es ist gewiss ein Faktor, aber das Tempo, das vielen einzelnen Spielern und auch dem Passspiel fehlt, ist der bedeutendere. Castro wurde auf der für ihn neuen Position im rechten Mittelfeld von Leon Bailey häufig überlaufen, Nuri Sahin und Julian Weigl schleppen sich und den Ball träge durch das Mittelfeld.

Der BVB benötigt dringend die Winterpause, auch wenn sie in dieser Saison so kurz ist und daher keine Möglichkeit für Grundlagentraining bietet. Allerdings stehen bis Weihnachten noch drei Bundesligaspiele an, die Partie in der Champions League bei Real Madrid am Mittwoch und das Achtelfinale im DFB-Pokal beim FC Bayern.

Mit Philipp und Castro, der wegen eines vermuteten Bänderrisses auch länger ausfallen wird, stehen weitere Verletzte auf der Liste. Peter Bosz nimmt es mit schwarzem Humor. Auf die Frage, wer denn jetzt, wo auch der in Leverkusen gesperrte Pierre-Emerick Aubameyang angeschlagen sei, die Tore schießen solle, sagte er: "Marco Reus wird es nicht sein."

Der Nationalspieler ist schwer am Knie verletzt, er wird im März zurückerwartet.



insgesamt 54 Beiträge
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cmann 03.12.2017
1. Schon seltsam!
Mit Bosz als Trainer den turn around zu schaffen halte ich für wenig wahrscheinlich. Nach Klopp und Tuchel spielt Bosz ein System für das ihm einfach die Spieler fehlen. Etliche Spieler die in der Vorsaison Leistungsträger waren kommen mit dem Spielsystem nicht zurecht. Offensichtlich haben Watzke und Zorc keinen Plan B, und reden sich aus ihrer Verantwortung heraus, obwohl sie die Situation mit der unnötigen Entlassung von Tuchel selbst verschuldet haben.
pirx64 03.12.2017
2. Alles super
Konkurrent selbst auf Distanz gehalten und den 6. Platz hauchdünn behauptet vor der Übermannschaft aus Augsburg. Dabei hätte man an diesem Spieltag sogar bis Platz 9 durchgereicht werden können, so gesehen: Alles super.
hammerwerfer2 03.12.2017
3. es ist zum Heulen
Wer sich im Lager der betroffenen Mitleidenden umhört, kommt zu dem Eindruck, dass Fussball eben doch mehr als ein Spiel ist. Geht es um Leben oder Tod? Der Eindruck kann entstehen. Die Erwartungshaltung der Dortmunder "Fussball-Interessierten" ist schon reichlich gesunken und das Debakel in Madrid am 06.12.2017 in der Champions-League bei REAL scheint programmiert. Alle Dortmunder warten auf ein Wunder! Doch so wie es gegenwärtig aussieht, sollten die Brötchen noch kleiner gebacken werden!
ayee 03.12.2017
4. Kein Tempogegentor
Das ist ja der Witz an der ganzen Dortmunder Spielweise. Das Gegentor gestern war noch nichtmal ein Tempogegentor. Es war nur mal wieder einer dieser unnötigen, individuellen Fehler und es war mal wieder das hochriskante bis ungeordnete defensive Stellungsspiel. Sorry Herr Bosz, aber wer in dieser Situation immer noch nicht zuerst auf defensive Stabilität setzt, um endlich mal Sicherheit reinzukriegen, der zeigt, dass er nicht adaptionsfähig ist und damit absolut ungeeignet für den BVB.
cirus27 03.12.2017
5. noch 3 spiele...
dann kann abgerechnet werden. champions-league-aus, uefa-cup-aus, pokal-aus, bundesliga ins mittelfeld abgerutscht. auf wiedersehen, herr b.
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