BVB erreicht Europa-League-Achtelfinale Gut im Durchwursteln

Acht Partie ohne Niederlage, Mario Götze träumt schon vom Finale in der Europa League - alles gut bei Borussia Dortmund? Nicht ganz: Das Team ist abhängig von Einzelkönnern wie Marco Reus und Fehlern des Gegners.

Dortmunder Profis beim Jubel
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Dortmunder Profis beim Jubel


Durchnässt bis auf die Unterwäsche suchten die Fans von Borussia Dortmund Hotellobbys auf, die nahe des Stadions in Reggio Emilia liegen. Aus dem Dauerregen war schon längst Schnee geworden, Glück mit dem Wetter hatten sie wahrlich nicht bei ihrer ersten Auswärtstour im Europapokaljahr 2018. Dass sie schon bald eine weitere haben werden, war hingegen äußerst glücklich.

"Wir wissen alle, dass es nicht unser bestes Spiel war", sagte Marcel Schmelzer und fasste damit den Auftritt bei Atalanta Bergamo gnädig zusammen. Er war es gewesen, der den BVB in der 83. Minute mit seinem erst sechsten Tor als Fußballprofi vor dem Aus schon in der Zwischenrunde der Europa League bewahrte. Nach dem 1:1 beim Serie-A-Klub und einem 3:2-Erfolg im Hinspiel steht der BVB im Achtelfinale (Auslosung um 13 Uhr).

Schmelzer, der nach einer Verletzungspause zum ersten Mal in der Rückrunde auf dem Platz stand, wurde zur Pause in eine Mannschaft eingewechselt, die sich über den Platz schleppte, viele Fehlpässe spielte und auf einen Moment hoffte, in dem sich zufällig noch eine Chance zum Ausgleich ergab. Es war bezeichnend, dass Bergamos Torwart Etrit Berisha diesen Moment mit einem Fehler herbeiführte. Er ließ einen Schuss von Marco Reus nach vorne prallen, Schmelzer war zur Stelle.

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Europa League: Nicht schön, aber erfolgreich

Auch Reus war eingewechselt worden. Trainer Peter Stöger hätte das gerne vermieden, denn er hätte dem Nationalspieler nach der langen Verletzungspause und drei Einsätzen in der Startelf zuvor gerne einen Abend im Trockenen auf der Bank beschert. "Aber der Spielverlauf zeigte, dass wir ihn brauchen", sagte der Trainer - Reus' Fehlen blieb niemandem verborgen. Mit Reus auf dem Feld wurde das Dortmunder Spiel dann ein wenig durch überraschende Momente angereichert. "Marco ist derzeit unser wichtigster Spieler. Er macht mit seinen Laufwegen Räume für andere frei", sagte Torschütze Schmelzer: "Marco macht die Mannschaft und jeden Einzelnen besser."

Das Lob für den lange so schmerzlich vermissten Teamkollegen war nachvollziehbar. Allerdings mutete die Meinung merkwürdig an, dass sich die Borussia in den vergangenen Wochen verbessert habe. Zwar gewann sie drei Bundesligapartien hintereinander und auch das Hinspiel gegen Bergamo, doch spielerisch sank das Niveau ab. Auf die Steigerung, die Stöger in der Winterpause versprochen hatte, warten sie beim BVB.

Götze träumt vom Europa-League-Finale

"Wir müssen besser werden. Wir wissen, dass es zum Finale hin nicht leichter wird", sagte Mario Götze. Beim Wort "Finale" klingelte es in den Ohren der Zuhörer, daher wurde Götze noch mal gefragt, ob das Finale in Lyon trotz der so dürftigen Leistung weiter das Ziel bleibe. Ja, lautete die Antwort: "Wir werden alles tun, um dahin zu kommen."

Allein das Pokalspiel beim FC Bayern verlor Peter Stöger als Trainer von Borussia Dortmund im vergangenen Dezember. Von seinen acht Bundsligaspielen gewann er fünf bei drei Unentschieden. In der Europa League schlägt immerhin schon zu Buche, dass das Team unter ihm ins Achtelfinale eingezogen ist. Seit knapp zwei Wochen berichten einige Medien, dass die Chancen auf einen Anschlussvertrag gut stehen. Der aktuelle ist nur bis zum Sommer gültig.

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Der Fußball des BVB unter dem Österreicher verkommt aber immer mehr zu dem Versuch, sich durchzuwurschteln. Die defensive Stabilität, die er bringen sollte, bleibt weiter ein Wunsch. Im Spiel nach vorne bleibt es bei Stückwerk und guten Momenten der Einzelkönner wie Götze, André Schürrle, Reus und Michy Batshuayi.

Ob das reichen wird, um wieder in die Champions League einzuziehen, ist fraglich - aber gut möglich, zumal direkte Bundesligakonkurrenten wie Bayer Leverkusen, Schalke oder RB Leipzig auch immer wieder patzen. Derzeit wird der BVB vor allem vom Glück geküsst. In Dortmund scheint sogar die Sonne. Oder, wie Mario Götze es sagte: "Wir haben einen Lauf."

Atalanta Bergamo - Borussia Dortmund 1:1 (1:0)
1:0 Toloi (11.)
1:1 Schmelzer (83.)
Atalanta: Berisha - Tolói (88. Cornelius), Caldara, Masiello - Hateboer, de Roon (87. Petagna), Spinazzola - Cristante, Freuler - Ilicic, Gomez
Dortmund: Bürki - Toljan (46. Schmelzer), Toprak, Sokratis, Piszczek - Dahoud (82. Isak), Sahin - Pulisic (59. Reus), Götze, Schürrle - Batshuayi
Schiedsrichter: Manzano (Spanien)
Gelbe Karten: Hateboer, Spinazzola - Bürki, Sokratis, Piszczek
Zuschauer: 19.000

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Seite 1
gnarze 23.02.2018
1. Krise
Irgendjemand schrieb nach der Niederlagenserie, es handele ich um eine Ergebniskrise. Die Ergebnisse stimmen jetzt, nur wann küsst Fortuna wieder jemand Anderen? Nur eine Frage der Zeit, die genutzt werden muss, um sich in der Bundesliga ein Polster anzufuttern, bevor es zur nächsten Ergebniskrise kommt. So rein fußballerisch ist es ein ganz klarer Rückschritt von Tuchel und Bosz. Dortmund verkommt so langsam zum Italien des Clubfußballs, schlimm zu ansehen, aber irgendwie doch ganz erfolgreich.
doppelnass 23.02.2018
2.
Zitat von gnarzeIrgendjemand schrieb nach der Niederlagenserie, es handele ich um eine Ergebniskrise. Die Ergebnisse stimmen jetzt, nur wann küsst Fortuna wieder jemand Anderen? Nur eine Frage der Zeit, die genutzt werden muss, um sich in der Bundesliga ein Polster anzufuttern, bevor es zur nächsten Ergebniskrise kommt. So rein fußballerisch ist es ein ganz klarer Rückschritt von Tuchel und Bosz. Dortmund verkommt so langsam zum Italien des Clubfußballs, schlimm zu ansehen, aber irgendwie doch ganz erfolgreich.
Dazu kommt, dass die Konkurrenz extrem schwächelt. In 12 der 13 letzten Spiele hat der jeweilige Tabellenzweite es nicht geschafft, zu gewinnen. Bergamo war gestern auch erschreckend schwach. Interessant wird, was mit Stöger nach der Saison passiert. Wenn das so weitr geht, qualifiziert sich der BVB für die CL. Mit ihm dann nicht zu verlängern, wäre schwierig. Und wen holt man statt dessen? Die Mannschaft hat enorme Defizite. Götze, Reus und Schürrle werden das nicht retten können. Batsusonstwas ist nach der Saison wieder weg (er war gestern ziemlich schwach) und neue müssen auch erst mal gefunden werden. Da ist in Dortmund ein großer Umbruch nötig, wenn man seinen Ansprüchen genügen und die Aktionäre freundlich stimmen will. Bin sehr gespannt, was dort passiert.
argonaut-10 23.02.2018
3. Guter Artikel
und so ist es... Dortmund braucht wieder einen guten Trainer mit einem Spiel-Konzept... ao macht das keinen Spaß.
diorder 23.02.2018
4. Leipzig verliert - und "kommt ins Achtelfinale"
der BVB kommt auch weiter und "wurschtelt sich durch". So unterschiedlich kann man ein und dasselbe Ergebnis des Weiterkommens bewerten. Es gibt eben in den Medien nur toll oder mies. Kohl war da realistischer : Wichtig ist, was hinten rauskommt. Auch die Bayern haben sich in so mancher Saison durchgewurschtelt, aber das wurde als Cleverness hochgejubelt. Also gerade im Sport sollte man doch etwas sachlicher und ausgewogener berichten. Die sportliche Spannung ist auch ohne solche Bewertungsrituale vorhanden. Zum Glück. Und die Mannschaften würden nicht durch solche Berichterstattung in ihrer Leistungs-Entfaltung durch zu hohe Erwartungen oder durch Niederschreiben behindert. Nur die Cleversten können sich davon freimachen.
Pela1961 23.02.2018
5. Mit DER Leistung
vom Finale zu träumen, zeugt von einer erstaunlichen Realitätsverweigerung. Immerhin hat man in dieser Saison auf internationaler Ebene schon ein Spiel gewonnen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Und das nicht etwa gegen einen Riesen wie Nikosia, sondern gegen die europäische Elitemannschaft aus Bergamo. Da kann man schon mal von einem europäischen Titel träumen. Weia..............Aber die Münchner sind arrogant, wenn sie als Wunschziel das Finale anpeilen, gleichzeitig aber sagen, dass das selbst in einer gut laufenden Saison sehr sehr schwer ist.
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