Dortmund gegen Klopp Traumlos für Romantiker

Borussia Dortmund trifft in der Europa League auf Ex-Trainer Jürgen Klopp. Sportlich ist das Los anspruchsvoll. Emotional ist es eine Zerreißprobe.

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Hans-Joachim Watzke hat es geahnt.

Es musste ja so kommen, ob man nun an den Fußballgott glaubt, das Schicksal oder den Zufall. Natürlich musste die bisher glanzvolle Europapokalsaison ein Kapitel mit der Rückkehr von Jürgen Klopp nach Dortmund enthalten. "Wir waren uns sicher, dass wir irgendwann in diesem Wettbewerb auf die Reds treffen würden", sagte der BVB-Geschäftsführer nach der Auslosung. Jetzt spielt Borussia Dortmund bereits im Viertelfinale der Europa League gegen den FC Liverpool.

Aber so richtig glücklich klang Watzke nicht, wenn er von "zwei extrem attraktiven internationalen Duellen" sprach. Lieber wären die Dortmunder eine oder sogar zwei Runden später auf Liverpool getroffen, denn idealerweise steigert sich die Intensität in einem Pokalwettbewerb kontinuierlich bis zum Endspiel. Nun wird der emotionale Höhepunkt schon im Viertelfinale erreicht. "Für unsere Fans sowie für die deutsche und englische Medienlandschaft ist das sicher ein Traumlos", sagt Sportdirektor Michael Zorc; seinen Verein nannte er nicht. Im Subtext heißt auch das: Es hätte günstigere Konstellationen gegeben.

Das birgt Gefahren: Zwar betonte Zorc, sein Klub wolle "keinen romantischen Abend veranstalten, sondern sportlich erfolgreich sein". Aber natürlich werden viele Dortmunder in Erinnerungen schwelgen, ihre alte Liebe zum Trainerhelden reanimieren und von großen Gefühlen erfüllt sein. Außerdem gibt es wohl keinen Menschen außerhalb des Klubs, der die Dortmunder Spieler besser kennt als Klopp. Dieses Insiderwissen könnte dem FC Liverpool helfen.

Auch ohne Klopp ist das Duell besonders

Thomas Tuchel sprach dennoch von einem Traumlos. Der neue Dortmunder Trainer liebt nicht nur die ganz großen Herausforderungen. Er predigt auch ständig, man müsse die Dinge nehmen, wie sie kommen. Ohne zu hadern oder gar zu jammern. Aber natürlich weiß auch er, dass die Auslosung dem BVB leichtere Aufgaben hätte bescheren können.

Denn schon ohne die Rückkehr Klopps wäre das Duell mit dem FC Liverpool etwas Besonderes. Der BVB gewann 1966 in einem dramatischen Finale gegen die Engländer den Europapokal der Pokalsieger. Es war der erste internationale Titel für eine deutsche Klubmannschaft überhaupt. Außerdem gibt es diese emotionale Verbindung zwischen der Dortmunder Südtribüne und der legendären "The Kop" an der Liverpooler Anfield Road. Zur BVB-Folklore gehört ja der Glaube, dass der große Stadionklassiker "You'll never walk alone" nirgends schöner gesungen wird als in Liverpool und eben in Dortmund.

Dass nun nicht nur die Fans aus der englischen Hafenstadt ins Revier kommen, sondern dazu auch der immer noch innig geliebte Jürgen Klopp, macht das Duell zu einem mittelschweren Spektakel.

Es gibt schließlich immer noch viele Anhänger, die mit dem intellektuell wirkenden Thomas Tuchel fremdeln und Klopp mit seiner ebenso liebenswerten wie unterhaltsamen Schnodderigkeit hinterhertrauern. Und nicht zuletzt treffen zwei Fußballwelten aufeinander: Auf der einen Seite der durchdachte, elaborierte Tuchel-Stil, und auf der anderen Seite Klopps Vollgasfußball.

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Klopp selbst hat schon vor der Auslosung erklärt, dass er lieber einen anderen Gegner hätte, der BVB sei "die stärkste Mannschaft im Wettbewerb". Die Liverpooler hatten sich also bereits vor der Auslosung in die bequeme Außenseiterrolle begeben. Dass Dortmund eher als Favorit in die Partie geht, ist allerdings richtig. Der BVB verfügt tatsächlich über die stärkere Mannschaft, die homogener auftritt und vor allen Dingen konstanter spielt.

Vielleicht ist es da sogar ein Vorteil, dass der BVB zuerst im eigenen Stadion spielt. Dadurch ist die Aufregung über die Klopp-Rückkehr und das Südtribünenwiedersehen in der zweiten Partie erledigt. Und damit geht es wieder um das reine Fußballerlebnis, auf das Mats Hummels sich schon sehr freut. "Wir treffen auf einen großartigen Verein mit einem nochmals großartigen Stadion", findet der Dortmunder Kapitän. Von einem großartigen Trainer sagte er erst mal nichts.



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Seite 1
eulenspiegel_der_narr 18.03.2016
1.
Mehr Emotion geht nicht. Bei Sport1 feiern sie Party, Mega-Einschaltquote garantiert.
Thorkh@n 18.03.2016
2. Eines ist mal sicher!
Im Gegensatz zu dem eigentümlichen Hotspur-Trainer wird Jürgen Klopp sicher nicht abschenken. Der EL-Sieger nimmt an der CL der nächsten Saison teil und die Teilnahme hat - anders als Tottenham - Liverpool keineswegs sicher. Das werden zwei Spiele mit viel Ehrgeiz und hoher Intensität, sportlich wie emotional. Ich freue mich drauf!
an-i 18.03.2016
3.
...das gibt wieder Verrenkungen am Spielfeldrand. Diese zappel Trainer gehen mir auf den Nerv...
leave_in_silence 18.03.2016
4.
Dieses Spiel wollten wahrscheinlich sehr, sehr viele Fans. Ich freue mich sehr darauf. Was mag wohl Christian Heidel denken? Jetzt treffen sich zwei hervorragende Trainer auf hohem europäischen Niveau, denen er, als sie völlig unbekannt waren, eine Chance als Trainer von Mainz 05 gab. Schöne Geschichte, diese Auslosung.
Sangit raju 18.03.2016
5. Auf das Spiel ...
... freue ich mich ab sofort jeden Tag...:-)
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