Borussia Dortmund Lehmann krönt BVB-Sturmlauf

In einer an Dramatik und Spannung kaum zu überbietenden Partie hat Borussia Dortmund gegen die Glasgow Rangers das Achtelfinale des Uefa-Cups erreicht. Held der Partie war Jens Lehmann, der im Elfmeterschießen drei Strafstöße der Schotten parierte.


Menschenknäuel des Glücks: Jens Lehmann wird von den Seinen umjubelt
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Menschenknäuel des Glücks: Jens Lehmann wird von den Seinen umjubelt

Dortmund - Erst begruben sie vor Freude ihren brillanten Torhüter unter sich, dann trugen sie den überglücklichen Trainer auf ihren Schultern. Nach dem 3:1 im Elfmeterschießen gegen die Glasgow Rangers und dem Einzug ins Uefa-Cup-Achtelfinale feierten die Profis von Borussia Dortmund ausgelassen ihre Wiederauferstehung. Begleitet von den Ovationen der Fans und befreit vom Frust der vergangenen Tage präsentierte sich das zuletzt gescholtene Starensemble im Tollhaus Westfalenstadion demonstrativ als Einheit. "Heute waren die Millionäre jede einzelne Million wert", konterte Manager Michael Meier die zuletzt laut gewordenen Vorwürfe von der schlechten Arbeitsmoral des hoch bezahlten Starensembles.

Der Dank der seligen Borussen-Familie galt vor allem Jens Lehmann. Mit einer Weltklasseleistung fand der auf Grund seiner Schalke-Vergangenheit in Dortmund noch immer misstrauisch beäugte Nationalkeeper endgültig Einlass in die Herzen der BVB-Fans. "Sensationell. Der hält drei Elfmeter und bereitet auch noch das 2:0 vor", schwärmte Kapitän Stefan Reuter von den Großtaten Lehmanns, der bereits beim Elfmeterschießen im Uefa-Cup-Finale zwischen Schalke 04 und Inter Mailand am 21. Mai 1997 zum gefeierten Helden avanciert war. Auch der starke Mittelfeldspieler Otto Addo erwies dem Sieggaranten die Referenz: "Als Dankeschön werden wir Jens eine Woche lang die Schuhe putzen.»

Nicht nur die drei gehaltenen Elfmeter gegen Giovanni van Bronckhorst, Arthur Numan und Claudio Reyna bereiteten dem 30 Jahre alten Keeper diebische Freude. Knapp zwei Jahre nach seinem Feldtor am 20. Dezember 1997, als er mit einem Kopfball zum 2:2 für Schalke in Dortmund Bundesliga-Geschichte schrieb, stand der in den Schlussminuten nach vorn Geeilte dicht vor seinem zweiten Treffer im Westfalenstadion. Seinen verunglückten Volleyschuss schloss Fredi Bobic in der Nachspielzeit zum vielumjubelten 2:0 ab, mit dem der BVB das Hinspielergebnis egalisierte. "Der Scorer-Punkt hat mir mehr Freude bereitet als die gehaltenen Elfmeter" sagte Lehmann, dem die Lobeshymnen angesichts der zurückliegenden Schnösel-Vorwürfe runter gingen wie Öl.

Neben Lehmann genoss Michael Skibbe den unerwarteten Triumph gegen den völlig konsternierten 48-maligen schottischen Meister in vollen Zügen. Der nach zehn sieglosen Spielen in Frage gestellte Coach wertete die Geste der Spieler, die ihn vor der Südtribüne auf den Schultern trugen, zwar als "Vertrauensbeweis", wollte aber von einem Befreiungsschlag für seine Person nichts wissen: "Dazu gehört mehr als nur ein Sieg. Nach der nächsten Niederlage wird die Kritik wieder genauso herb sein."

Gleichwohl entspannte sich die Situation im Brennpunkt Dortmund. "Die Arbeitsbedingungen werden jetzt wieder normal", glaubt Manager Meier, der sich ebenso für Skibbe freute wie der deutlich formverbesserte Manndecker Christian Wörns: "Der Trainer hat in letzter Zeit unheimlich viel auf die Fresse bekommen. Dieser Sieg hat ihm unheimlich gut getan." Selbst der häufig auf die Bank verbannte Victor Ikpeba schloss vorerst Frieden mit dem BVB. "Das war einer der Momente, den man als Fußballer nie vergisst", jubelte der Torschütze zum 1:0 (28.).

Das Erfolgserlebnis soll der Borussia nun auch in der Bundesliga zurück auf Erfolgskurs verhelfen. Vor dem Duell mit dem VfB Stuttgart am Samstag im Westfalenstadion ist Kapitän Reuter trotz der kurzen Erholung nach dem kräftezehrenden Happy End gegen Glasgow nicht bange: "Nach Siegen regeneriert man schneller."



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