BVB-Sieg gegen Gladbach Marco Reus ist der Spieler der Hinrunde

Im 250. Bundesligaspiel seiner Karriere glänzte Marco Reus - mal wieder in dieser Saison. Und mit dem Erfolg gegen Gladbach machte der BVB eine der besten Hinrunden seiner Geschichte perfekt. Ärger gab es auch.

Marco Reus
SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX

Marco Reus

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Spieler der Hinrunde: Elf Treffer, acht Torvorlagen, bester Scorer der Fußball-Bundesliga, den BVB in vier Partien zum Sieg geschossen, ein Spiel davon war das Spitzenduell gegen Borussia Mönchengladbach - es war wohl kein Zufall, dass all die TV-Kameras nach Abpfiff der Partie Marco Reus beim Jubel zeigten. Der Offensivstar von Borussia Dortmund hat eine großartige Hinrunde gespielt und ist derzeit der wahrscheinlich beste Profi der Liga.

Das Ergebnis: Dank Reus hat der BVB Gladbach 2:1 (1:1) besiegt und geht nun mit 42 Punkten in die Winterpause. Es ist die zweitbeste Hinserie der Vereinsgeschichte, nur in der Meistersaison 2010/2011 war der BVB noch besser (43 Punkte).

Nur die Verteidiger fehlten: Flutlicht, ausverkauftes Stadion, Tabellenerster gegen den Zweiten - beste Voraussetzungen für das Hinrundenfinale. Also fast, denn die beiden Trainer mussten gleich auf mehrere Verteidiger verzichten und so bildeten Julian Weigl und Ömer Toprak beim BVB sowie Tobias Strobl und Louis Beyer bei VfL die Innenverteidigungen.

Beginn erste Hälfte: Die Abwehrsorgen machten sich auf dem Platz anfangs nicht bemerkbar. Beide Mannschaften waren auf Sicherheit bedacht und gingen selten ins Tempo, vor allem, um keine schnellen Gegenangriffe zu riskieren. Die Folge: Die offensivstärksten Klubs der Bundesliga (Dortmund: 42 Tore vor dem 17. Spieltag; Gladbach: 35 Tore) kamen in der ersten Hälfte lange nur zu einer wirklich gefährlichen Chance und diese vergab der Jubilar des BVB in der 20. Minute.

Julian Weigl auf ungewohnter Position als Innenverteidiger
REUTERS

Julian Weigl auf ungewohnter Position als Innenverteidiger

Der Jubilar, Teil 1: Gemeint ist Reus, der sein 250. Spiel in der Bundesliga bestritt. Dass das gegen seinen Ex-Verein Gladbach passieren sollte, ist natürlich ein schöner Zufall. Noch schöner aber für Reus: Er konnte die 250er-Marke am 17. Spieltag knacken, weil er in allen 17 Hinrundenpartien auf dem Platz gestanden hat. Das gelang dem in der Vergangenheit so oft und schwer verletzten Reus zuletzt in der Saison 2013/2014. Wie wichtig ein gesunder Reus sein kann, wurde auch gegen Gladbach deutlich.

Drei-Minuten-Drama: In der 42. Minute geriet Gladbachs Innenverteidigung doch noch in den Fokus, als Beyer den Ball unter Bedrängnis von Reus an Raphael Guerreiro verlor. Vom BVB-Kapitän Reus ging es weiter zum eingewechselten Mario Götze, der das Führungstor durch Jadon Sancho vorbereitete. Der Brite traf mit einem präzisen Flachschuss aus spitzem Winkel, zuvor hatte sich Sancho noch an Oscar Wendt vorbeigedribbelt. Fast mit dem Pausenpfiff glich Christoph Kramer aus - ein umstrittener Treffer.

Handspiel - oder nicht? Der Gladbacher hatte sich den Ball nach der Annahme an die Hand geköpft. Eine unglückliche Berührung, die aber die Flugbahn des Balles veränderte, Kramer einen Vorteil verschaffte und am Ende zum 1:1 führte. ZDF-Experte Oliver Kahn sagte in der Halbzeit: "Ich weiß nicht, was Handspiel ist." Michael Zorc gestand nach Abpfiff: "Ich werde die Regel nie mehr verstehen." Deutlicher äußerte sich Matthias Sammer bei Eurosport: "Wenn das kein Hand ist, dann ist das Wahnsinn. Damit verschafft er sich einen klaren Vorteil. Das geht nicht. So macht die Regel keinen Sinn." Große Verunsicherung in der Bundesliga.

Der Jubilar, Teil 2: Dortmund investierte in der zweiten Hälfte mehr und so geriet die uneingespielte Gladbacher Defensive immer stärker unter Druck. Wie in der 54. Minute, als Götze auf Strobl zudribbelte, ihm den Ball durch die Beine spielte und das 2:1 auflegte. Torschütze: Reus. Der 29-Jährige musste den Ball nach dem perfekten Zuspiel von Götze nur noch über die Linie schieben. Beinahe hätte es sogar noch mit einem weiteren Treffer geklappt, doch ein Freistoß von Reus klatschte an den Außenpfosten (65.)

Zweiter Matchwinner: Zu Saisonbeginn blieb für Götze nur eine Reservistenrolle, seinen ersten Bundesligaeinsatz unter Lucien Favre bekam er erst am siebten Spieltag. Inzwischen wird er häufiger eingesetzt und gegen Gladbach war er nach der frühen Einwechslung für den angeschlagenen Pablo Alcácer gleich einer der Auffälligsten, die Belohnung waren seine Torbeteiligungen drei und vier in dieser Saison. Zudem bereitete Götze erstmals seit 2013 wieder zwei Tore in einem Ligaspiel für den BVB vor.

Fazit des Spiels: Der zweite Platz von Borussia Mönchengladbach ist eine Momentaufnahme. Die Leistungsschwankungen zwischen Heim- (alle acht Partien gewonnen) und Auswärtsspielen (nur zwei Siege aus neun Spielen) sind zu groß, um auch am Saisonende unter den Topteams zu stehen.

Dortmund hingegen hat mit dem Sieg eine eindrucksvolle Antwort gegeben - auf die erste Saisonpleite gegen Düsseldorf, auf eine Reihe von verletzten Abwehrspielern, auf müde Beine. Mit mindestens sechs Punkten Vorsprung auf Platz zwei wird der BVB in die Winterpause gehen, aber ob dieses Team auch Meister wird? "So weit würde ich noch nicht gehen", sagte Götze nach Abpfiff.

Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach 2:1 (1:1)
1:0 Sancho (42.)
1:1 Kramer (45.+1)
2:1 Reus (54.)
BVB: Bürki - Piszczek, Weigl, Toprak, Hakimi - Delaney, Witsel - Sancho (90.+2 Wolf), Reus, Guerreiro (90.+3 Bruun Larsen) - Alcácer (34. Götze).
Gladbach: Sommer - Johnson, Beyer, Strobl, Wendt - Neuhaus (82. Cuisance), Kramer (68. Hofmann), Zakaria - Herrmann (73. Traoré), Plea, Hazard.
Schiedsrichter: Zwayer
Gelbe Karten: - / Cuisance
Zuschauer: 81.000



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Jimi 21.12.2018
1. Ein jederzeit verdienter Sieg,...
den ich grad im Stadion gesehen habe. Beide Teams waren die Besetzungshandicaps anzumerken, aber der BVB war jederzeit das bessere Team. Die wahren Konkurrenten sind Bayern, Leipzig und Frankfurt. Kompliment an das Leitungsteam: kein Verein hat so effizient die Fehler der Vorsaison in konsequente Verbesserungen und strategisches Handeln umgesetzt.
rahelrubin 22.12.2018
2. Schön,
wenn zufällig das im Öffentlich-rechtlichen übertragene Spiel ein Topspiel ist. Hätte keiner damit gerechnet, dass die Borussias so klasse spielen, oder? BVB gewinnt verdient, aber bitte künftig nicht immer so knapp, bitte! Das geht dem Fan an die Substanz.... Jetzt bisschen Pause und Entspannung! Übrigens heißt der tolle Knipser Paco und nicht Pablo!
gelbweste99 22.12.2018
3. Handspiel
Hier müssen m.E. endlich ganz klare Regelungen her. Ich schlage folgende Veränderungen vor: 1. Am Oberarm vom Gegner angeschossen zu werden ist nicht strafbar. So einen Reflex kann man nicht haben, vor allem wissend der Konsequenz wenn der Ball doch am Ellbogen oder Unterarm landet. 2. Jedes Handspiel das im Angriff zu einem Tor führt ist abzupfeifen, wenn nicht Nr. 2 gilt. 3. Im Strafraum muss jedes Handspiel der verteidigenden Mannschaft bestraft werden. Fallweise Elfmeter oder ein direkter Freistoß vom Teilkreis am 16m Raum. Also quasi ein 20m. Ich denke insbesondere das würde es dem Schiedrichter sehr einfach machen. Und die Mauer wäre auch einfach gestellt. Und der Videoschiri könnte dann immer noch überprüfen ob es nicht doch ein Elfmeter war. Wenn Handspiel immer sanktioniert würde, würde die Anzahl der Handspiele nach einigen Jahren der Verunsicherung auch deutlich zurückgehen. Siehe zum Beispiel Rückpass des Verteidigers zum Torwart. An den letzten kann ich mich gefühlt im Jahr 2002 erinnern. Die Spieler, insbesondere die Verteidiger würden sich anpassen. Zum Spiel heute: wie so ein Tor zählen kann ist mir rätselhaft. Aber der Schiri hat sowieso alles laufen lassen. Also warum nicht auch das...
pariah_aflame 22.12.2018
4. Ja, aber
Zitat von gelbweste99Hier müssen m.E. endlich ganz klare Regelungen her. Ich schlage folgende Veränderungen vor: 1. Am Oberarm vom Gegner angeschossen zu werden ist nicht strafbar. So einen Reflex kann man nicht haben, vor allem wissend der Konsequenz wenn der Ball doch am Ellbogen oder Unterarm landet. 2. Jedes Handspiel das im Angriff zu einem Tor führt ist abzupfeifen, wenn nicht Nr. 2 gilt. 3. Im Strafraum muss jedes Handspiel der verteidigenden Mannschaft bestraft werden. Fallweise Elfmeter oder ein direkter Freistoß vom Teilkreis am 16m Raum. Also quasi ein 20m. Ich denke insbesondere das würde es dem Schiedrichter sehr einfach machen. Und die Mauer wäre auch einfach gestellt. Und der Videoschiri könnte dann immer noch überprüfen ob es nicht doch ein Elfmeter war. Wenn Handspiel immer sanktioniert würde, würde die Anzahl der Handspiele nach einigen Jahren der Verunsicherung auch deutlich zurückgehen. Siehe zum Beispiel Rückpass des Verteidigers zum Torwart. An den letzten kann ich mich gefühlt im Jahr 2002 erinnern. Die Spieler, insbesondere die Verteidiger würden sich anpassen. Zum Spiel heute: wie so ein Tor zählen kann ist mir rätselhaft. Aber der Schiri hat sowieso alles laufen lassen. Also warum nicht auch das...
Ja, so zum Beispiel das klare Foul an Plea, dem der Konter zum 2-1 folgt. Ziemlich krasse Fehlentscheidung. Eine sehr Ähnliche folgte nur wenige Minuten später, als Johnson die Beine weggesäbelt werden, der Schiri nichts sieht und der Konter fast das 3-1 bringt. Kramers Tor, das selbst ich als Gladbacher sehr fragwürdig finde, eingerechnet, eine extrem schwache Schiedsrichterleistung. Allerdings sollte in der Diskussion auch mal erwähnt werden, dass der Ball von Witsels Arm wieder vor Kramers Füße fällt. Dennoch ein verdienter Sieg, weil der BvB defensiv praktisch nichts zugelassen hat. Jetzt werdet aber verdammt nochmal auch Meister!
jujo 22.12.2018
5. ....
Zitat von gelbweste99Hier müssen m.E. endlich ganz klare Regelungen her. Ich schlage folgende Veränderungen vor: 1. Am Oberarm vom Gegner angeschossen zu werden ist nicht strafbar. So einen Reflex kann man nicht haben, vor allem wissend der Konsequenz wenn der Ball doch am Ellbogen oder Unterarm landet. 2. Jedes Handspiel das im Angriff zu einem Tor führt ist abzupfeifen, wenn nicht Nr. 2 gilt. 3. Im Strafraum muss jedes Handspiel der verteidigenden Mannschaft bestraft werden. Fallweise Elfmeter oder ein direkter Freistoß vom Teilkreis am 16m Raum. Also quasi ein 20m. Ich denke insbesondere das würde es dem Schiedrichter sehr einfach machen. Und die Mauer wäre auch einfach gestellt. Und der Videoschiri könnte dann immer noch überprüfen ob es nicht doch ein Elfmeter war. Wenn Handspiel immer sanktioniert würde, würde die Anzahl der Handspiele nach einigen Jahren der Verunsicherung auch deutlich zurückgehen. Siehe zum Beispiel Rückpass des Verteidigers zum Torwart. An den letzten kann ich mich gefühlt im Jahr 2002 erinnern. Die Spieler, insbesondere die Verteidiger würden sich anpassen. Zum Spiel heute: wie so ein Tor zählen kann ist mir rätselhaft. Aber der Schiri hat sowieso alles laufen lassen. Also warum nicht auch das...
In der Tat sah es gestern so aus als ob sich Kramer den Ball bewußt an die Hände geköpft hätte um ihn so abzustoppen damit er zum Schuß kommt. Ich bin mir aber nicht sicher ob ein Spieler im Bewegungsablauf in so einer Situation ein Handspiel bewußt steuern kann um sich einen Vorteil zu verschaffen. Für mich war es darum ein unabsichtliches Handspiel und das Tor damit regulär. Sicher könnte man Klarheit schaffen in dem man Handspiele grundsätzlich abpfeifen muß(!) und entsprechend sanktioniert. Absicht oder nicht, das wäre egal, Hand ist Hand! Wenn die Spieler das wissen, muß sich niemand mehr erregen und der Videobeweis ist in diesem Fall hinfällig.
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