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Hummels und die BVB-Krise: Im Konzentrationsloch

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Dortmunder Krise: Zu viele kleine Fehler Fotos
DPA

Bayern gegen Dortmund - das war mal ein Spitzenspiel. Doch vor dem Duell steht es um den BVB so schlecht wie lange nicht. Im Team häufen sich Fehler, auch bei Mats Hummels. Auf der Suche nach Gründen wird der Kapitän immer ungeduldiger.

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Mats Hummels war schon immer anders. Während seine Kumpels den "Kicker" auswendig lernten, empfand der junge Hummels solche Lektüre als Zeitverschwendung: "Ich habe mich früher nie für Interviews mit Spielern interessiert, weil einfach niemand auch nur ansatzweise seine Meinung sagt", erklärte der Verteidiger von Borussia Dortmund der "Zeit". Er schwor sich, nur dann zu reden, wenn er auch etwas zu sagen hat. Das ist in letzter Zeit immer häufiger der Fall.

Hummels, seit dieser Saison Kapitän des BVB, sucht nach Worten für die Probleme seiner Mannschaft, nach einer Erklärung dafür, warum sie seit sechs Spielen in der Bundesliga nicht mehr gewonnen hat. Der 25-Jährige hat einen klugen Kopf, er denkt viel, manchmal vielleicht zu viel. Hummels will sich nicht mit Begründungen zufriedengeben, die von einer taktischen Schwäche der Mannschaft ausgehen. Er will Fehler - auch die eigenen, wie etwa gegen Schalke 04 - konkret benennen.

So konstatierte er nach dem 0:1 gegen Hannover 96, der Freistoßball sei vor dem Gegentreffer "lange in der Luft gewesen", sollte heißen: Torwart Roman Weidenfeller hätte durchaus eine Chance gehabt, ihn zu halten. Um die ohnehin angespannte Stimmung innerhalb der Mannschaft nicht noch weiter zu gefährden, nahm Hummels den Vorwurf am folgenden Tag zurück. Doch im Grunde hatte er nur ausgesprochen, was viele Beobachter gerade denken: Etliche der bislang 15 Liga-Gegentreffer wären vermeidbar gewesen.

Mentale Abwärtsspirale

Im Team von Trainer Jürgen Klopp häufen sich die individuellen Fehler; gerade bei Innenverteidiger Hummels, der auf dieser Position vor wenigen Monaten noch eine hervorragende Weltmeisterschaft spielte, dann aber längere Zeit verletzt war. Hummels hat sich auch in der Vergangenheit immer wieder Patzer geleistet, bei der EM 2012 etwa, als Deutschland im Halbfinale gegen Italien ausschied und dem Dortmunder das 0:1 angelastet wurde. Doch bislang schienen das einzelne Aussetzer zu sein.

Das ist seit dieser Saison anders. Hummels scheint keinen Ausweg aus der mentalen Abwärtsspirale zu finden, mit jeder Niederlage wird es bei ihm und seiner gesamten Mannschaft schlimmer. Denn je weniger funktioniert, umso mehr Verantwortung will der neue Kapitän übernehmen. Und umso ungeduldiger wird er. Er möchte seine Rolle ausfüllen, am liebsten allein, doch ihre Last wiegt derzeit offenbar zu schwer. Zwei Beispiele:

  • 7. Spieltag, Dortmund gegen HSV: Die Borussia hat mehr vom Spiel, es fehlen die Chancen. Immer öfter sucht Hummels den Weg ins Mittelfeld, er will den Ball nach vorne tragen und gleichzeitig hinten abräumen. Als Adrián Ramos am Mittelkreis einen Fehlpass spielt, zögert Hummels einen Moment. Er könnte in Richtung Mittellinie vorpreschen, um den Angriff im Alleingang zu unterbinden, oder er könnte zurückweichen und versuchen, seinen Kollegen Zeit zu verschaffen, damit sie zurückeilen und gemeinsam ihr Tor verteidigen können. Hummels entscheidet sich für die Attacke - und kommt zu spät. Hinter ihm lauert Pierre-Michel Lasogga, er schießt das Siegtor.

  • 9. Spieltag, Dortmund gegen Hannover: Hummels macht zunächst ein gutes Spiel. Als der BVB in Rückstand gerät, geschieht etwas mit ihm. In den drei Minuten unmittelbar nach dem Gegentor patzt er dreimal, unter anderem spielt er im eigenen Strafraum einen Fehlpass, ohne bedrängt zu werden, weil er einen Befreiungsschlag verhindern will. Er will den Erfolg erzwingen, das Resultat sind Fehler.

Quelle: Opta

Hummels ist nicht der Schuldige für die Dortmunder Misere in der Bundesliga, steht aber sinnbildlich für sie: Dortmund unterliegt nicht übermächtigen Gegnern. Klopps Elf verliert derzeit gegen sich selbst, Woche für Woche.

So wird das Gegenpressing, in den vergangenen Jahren die Waffe der Borussia, nicht mehr konstant vorbereitet. Statt sich auf dem Feld gezielt so zu platzieren, dass im Falle eines Ballverlustes das gegnerische Spiel gelenkt und attackiert werden kann, wirkt der BVB oft überhastet, vor allem nach Rückständen. Dabei ist die Mannschaft durch die Rückkehr von Ilkay Gündogan und Shinji Kagawa potenziell stärker beim Rückerobern verlorener Bälle, auf sie könnte sich zum Beispiel Hummels viel mehr verlassen. Doch das Fehlen von Stürmer Robert Lewandowski macht sich immer bemerkbarer.

Lewandowski hatte ein anderes Positionsspiel als die nun verfügbaren Angreifer. Er ließ sich oft ins Mittelfeld zurückfallen, war ständig anspielbar. Ramos, Ciro Immobile und Pierre-Emerick Aubameyang suchen deutlich häufiger den Weg hinter die gegnerische Abwehrkette. In dem Versuch, sie einzusetzen, agiert die Mannschaft mitunter kopflos. Sobald der BVB einen Rückschlag erleidet, bricht alles in sich zusammen.

"Kampf um Leichtigkeit"

So fahrig und unkonzentriert seine Spieler oft auf dem Platz aussehen, so mitgenommen wirkt der Trainer. Auf der Pressekonferenz vor dem DFB-Pokalspiel gegen den FC St. Pauli erschien Klopp blass, er sprach leise, hielt den Blick gesenkt. "Es ist ein Kampf um Leichtigkeit", sagte er, "die Angst vor dem Nicht-Gewinnen ist da." Seinen Spielern fehle die nötige Ruhe, richtige Entscheidungen zu treffen, sie seien verwirrt und könnten sich nicht richtig auf das Hier und Jetzt konzentrieren.

Hummels bestätigte diesen Eindruck nach dem gewonnenen Pokalspiel (3:0). Die erste Halbzeit sei ordentlich gewesen, doch in der zweiten Hälfte habe die Mannschaft abgebaut, sagte er: "Das Vertrauen in uns selbst ist gerade nicht so groß." Der Sieg gegen St. Pauli tue gut, sei aber kein Gradmesser - anders als die Begegnung mit dem FC Bayern am Samstag (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE): "Mit den Bayern haben wir aber jetzt eine geile Aufgabe. Wenn man sich Selbstbewusstsein holen kann, dann in so einem Spiel."

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insgesamt 70 Beiträge
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1. Hummels war vielleicht mal...
euroeddy 31.10.2014
...der beste deutsche Innenverteidiger, aber seine Schwächen sind beileibe nicht erst in dieser Saison zu Tage getreten. Das WM-Finale zeigte deutlich auf, dass er derzeit defensiv weit von internationaler Klasse entfernt ist.
2. Gegen die Bayern
Levator 31.10.2014
fahren die Dortmunder die 5. Niederlage in Serie ein. Mal sehen was dann die BvB-Aktie für einen Tanz aufführt...
3. Rückrunde
tölpell 31.10.2014
Am Samstag gegen die Bayern ist wohl die wende angebracht. glaube ganz fest an die borussia und das sie wieder aus de loch kommen!
4.
MarkusW77 31.10.2014
Lange zeit war es richtig geil und einfach bvb Fan zu sein, jetzt ist es halt gerade etwas spannender. Niederlagen sind zwar deprimierend, aber gehören dazu. Der BVB kommt zurück, wann ist allerdings noch unklar. Vielleicht erst nach dem BMG Spiel. Dann wird's allerdings ein muss!
5. Presse
Delden 31.10.2014
Na mal wieder einen Schuldigen gesucht? Manchmal geht der Ball vorn nicht rein und wenn man sie vorne nicht macht, dann bekommt man sie hinten. Und haste Scheiße am Schuh haste Scheiße am Schuh. Reichen die Phrasen?
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