BVB-Matchwinner Batshuayi Mehr als eine Tormaschine

Er mag unreif sein, kompliziert - aber er ist hocheffizient: Michy Batshuayi hat den BVB gegen Köln gleich in seiner ersten Bundesligapartie zum Sieg geführt. Vor allem scheint der Belgier seinen Mitspielern gut zu tun.

AP

Aus Köln berichtet


Sokratis versuchte erst gar nicht, den Namen des Helden auszusprechen. "Der Neue ist gut", sagte der Grieche über Michy Batshuayi, der gleich in seiner ersten Partie für den BVB zum Spieler des Spiels wurde.

Dabei sollte dieser Freitagabend in Köln eigentlich Peter Stöger gehören. Mit seinem neuen Klub Borussia Dortmund war er an den Ort seiner größten Erfolge zurückgekehrt. Aber nach dem Spiel freute sich der Trainer dann nicht nur über den 3:2-Sieg seiner Mannschaft, sondern auch, weil ein anderer im Mittelpunkt stand: Batshuayi.

Erst am Mittwoch hatte der BVB den Stürmer vom FC Chelsea ausgeliehen, Stöger berief den Belgier sofort in die Startelf. Batshuayi dankte ihm das mit zwei Treffern und einer Vorlage zum dritten Tor. Als der 24-Jährige nach dem Abpfiff zu den Interviews kam, schien er sich gar nicht über seine eigene Leistung zu wundern. "Ich fühle mich sehr gut, aber ich will noch besser werden, taktisch vor allen Dingen", sagte er ohne ein Lächeln im Gesicht. Das Toreschießen ist für diesen Mann ganz offensichtlich eine Selbstverständlichkeit.

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BVB-Sieg in Köln: "Batsman" und sein perfekter Start

Noch am Sonntag hatte Batshuayi zwei Treffer zum 3:0-Sieg des FC Chelsea im FA-Cup gegen Newcastle beigetragen, Antonio Conte der Trainer der Londoner, soll sehr verärgert sein, dass seine Vorgesetzten den Angreifer bis zum Sommer nach Deutschland verliehen haben.

In Köln war Batshuayi kurz vor der Pause sogar noch ein weiteres Tor gelungen, das der Videoschiedsrichter aber wegen einer knappen Abseitsposition annullierte. Batshuayi ließ außerdem zwei Großchancen ungenutzt, "wir wussten, dass er von der Quote her sehr gut ist, aber dass das Spiel hier für ihn so läuft, ist ein Traum", sagte Stöger.

Trotzdem liegt vor dem Coach jetzt noch viel Arbeit. Stöger kann in den kommenden Wochen an seinem neuen Talent zeigen, dass er ein guter Trainer ist. Batshuayi ist im Brüsseler Problemviertel Moelenbeek aufgewachsen und gilt als schwierig und eigenwillig. Mit 14 Jahren war er aus der Jugendakademie des RSC Anderlecht geflogen, weil er Bälle geklaut haben soll. Und bei seinem BVB-Debüt war er trotz seiner drei Torbeteiligungen gerade defensiv weit entfernt von Perfektion.

Batshuayis Torgefahr war bemerkenswert, sein Pressingspiel hingegen noch verbesserungswürdig und seine Pässe manchmal nicht klar genug. Hinter ihm herrschte zudem mehrfach Verwirrung, weil die Kollegen von defensiven Laufwegen ihres Zugangs überrascht waren. Umso erstaunlicher ist es, wie bereichernd sich dessen Anwesenheit dennoch auf die Mannschaftsleistung auswirkte. Denn wer genau hinsah, konnte auch die Unzulänglichkeiten eines Abwesenden erkennen.

Pierre-Emerick Aubameyang, der unter der Woche für knapp 64 Millionen Euro zum FC Arsenal wechselte, ist vor allem ein Tempo- und Abschlussspieler. Nun hat der BVB einen Stürmer, der Bälle auch mal mit dem Rücken zum Tor fordert, diese verarbeiten kann und dann seine Kollegen in Szene setzt. Das eröffnet den Dortmundern ganz neue Möglichkeiten. Es ist sicher kein Zufall, dass André Schürrle an der Seite Batshuayis sein bestes Spiel seit Langem machte und in der Schlussphase den 3:2-Siegtreffer erzielte.

"Von mir fällt sehr viel Ballast ab", sagte Schürrle. Er nutzte die Gelegenheit, um sich über seine Kritiker zu beschweren: "Auch wenn das keiner wahrhaben will, ich war sechs Monate lang verletzt." Nun fühle er sich wieder gut, "ich habe Vertrauen, die Fitness ist da", sagte er.

Und prompt zeigte er wieder diese Tempoläufe, die seine größte Stärke sind. Zuletzt war Schürrle in Dortmund so unglücklich, dass die Klubführung in Erwägung zog, auf einen Wechsel zu drängen. "Aber er wollte bleiben", berichtete Stöger nun. Jetzt steht Schürrle wie die ganze Dortmunder Mannschaft an einer Art Neubeginn. "Wir werden ein bisschen ruhiger arbeiten können", sagte der Flügelspieler.

Das Aubameyang-Theater der vergangenen Wochen hatte den Alltag beim BVB schwer belastet, dieser Befund war vielen Aussagen des Abends zu entnehmen. Aber jetzt, nach dem Sieg in Köln, wirkte nicht nur die Stimmung der Spieler verbessert, auch die bisherige Bilanz des neuen Trainers liest sich nun gut: Stöger hat von sechs Bundesligapartien drei gewonnen und keine verloren. Ein Zweipunkteschnitt reicht normalerweise für einen Champions-League-Platz.

Zudem verfügt der BVB über hohe Transfereinnahmen und hat mit Batshuayi gleichzeitig einen aufregenden Stürmer, der nicht nur Tore schießt, sondern nach den ersten Eindrücken auch seine Mitspieler besser macht. So viel Fortschritt war nicht zu erwarten nach den schweren Wochen, die hinter Borussia Dortmund liegen.



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derkloppo 03.02.2018
1. Fehler gigantischen Ausmaßes
Unfassbar schade, dass Aki und Susi es nicht geschafft haben, Michy zu verpflichten oder dem Kontrakt zumindest eine Kaufoption beizufügen. Jetzt muss in Dortmund gehofft werden, dass Giroud bei Chelsea Topleistungen bringt, damit, falls Batshuayi seine Leistung bestätigt, dieser noch halbwegs erschwinglich zu haben ist.
Oskaraus der Tonne 03.02.2018
2. Bemerkenswert ist hier nur eins:
dass sich die zusammengekaufte Millionentruppe des BVB mit Ach und Krach einen Sieg gegen den Tabellenletzten zusammen"gespielt" hat (grausam anzusehen war das) und dass die Medien reflexhaft sofort wieder den Hype zünden und die Neuleihe, die Mannschaft, den Trainer (wie viele Punkt hatte Bosz doch gleich nach vier Spielen geholt?) und überhaupt alles schwarz-gelbe über den grünen Klee loben. Man darf gespannt sein, inwieweit sie richtig liegen.
doppelnass 03.02.2018
3. Mega!
Er ist ein Mega Star! Einer der besten Stürmer der Welt, mindestens. Er kann rechts wie links, er kann alles! Ich flippe aus! Der Wahnsinn!
skeptikerjörg 03.02.2018
4.
Zitat von Oskaraus der Tonnedass sich die zusammengekaufte Millionentruppe des BVB mit Ach und Krach einen Sieg gegen den Tabellenletzten zusammen"gespielt" hat (grausam anzusehen war das) und dass die Medien reflexhaft sofort wieder den Hype zünden und die Neuleihe, die Mannschaft, den Trainer (wie viele Punkt hatte Bosz doch gleich nach vier Spielen geholt?) und überhaupt alles schwarz-gelbe über den grünen Klee loben. Man darf gespannt sein, inwieweit sie richtig liegen.
Nun mach mal halblang! Erstens gibt es in der Bundesliga keinen Verein, der nicht eine "zusammengekaufte Millionentruppe" hätte; nicht mal Freiburg oder Mainz. Zweitens, wenn das Spiel gestern grausam anzusehen war, dann weiß ich nicht, welche Spiele Sie sonst so sehen. Hier haben zwei Mannschaften mit offenem Visier auf Sieg gespielt, es war spannend bis zum Schluss, es war fair, es gab 5 Tore zu sehen. Da hab ich in dieser Saison schon viel schlechtere gesehen. Drittens ist der FC Köln zwar Tabellenletzter, spielte gestern aber nicht wie einer. Wenn sie das Niveau halten können, können sie sich retten, denn der HSV und Mainz sind deutlich schwächer. Mit einem haben Sie Recht: Es gibt keinen Grund beim BVB für einen Hype, denn die Defizite in der Abwehr und in der Rückwärtsbewegung waren weiterhin offensichtlich. Da gibt es noch eine Menge zu tun. Also, gehen Sie zurück in Ihre Tonne und beobachten Sie weiter.
iFan 03.02.2018
5. Also Aubameyang II.
Da hat der BVB ja unversehens einen würdigen Nachfolger gefunden, womöglich sogar in jeder Hinsicht :-)
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