Dortmunds Hinrunden-Bilanz Gar nicht so "geistesgestört"

Erst hakte es, dann knallte es, zuletzt gelang Dortmund die Balance zwischen Angriff und Absicherung fast perfekt. Nachdem der BVB nun sein Weihnachtsfest gerettet hat, war Klub-Boss Watzke zu Scherzen aufgelegt.

Dortmunds Spieler feiern eine fast perfekte Hinrunde
SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX

Dortmunds Spieler feiern eine fast perfekte Hinrunde

Aus Dortmund berichtet


Hans-Joachim Watzke ist wieder früher gegangen. Wie damals, April 2013, im Estadio Santiago Bernabéu, als er sogar den spanischen König sitzen ließ. Watzke schloss sich damals auf der Toilette ein, er floh aus Angst, dass Borussia Dortmund noch ein Tor kassieren würde. An jenem Aprilabend ging es darum, ins Finale der Champions League einzuziehen, was letztlich gelang.

Nun ging es darum, frohe Feiertage zu haben. "Für mich persönlich hing davon das Weihnachtsfest ab", sagte der Geschäftsführer des BVB, nachdem ihn die Mannschaft mit einem 2:1-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach beschert hatte. Alleine auf der Nordtribüne sei er "rumgerannt", aus Angst vor dem Ausgleich. Anders als im Bernabéu aber war die Gefahr der späten Enttäuschung gering.

"Dieser Sieg war elementar wichtig", sagte Watzke und entgegnete der These, dass die Hinrunde sehr erfolgreich gewesen sei, scherzend: "Wir haben schon bessere gespielt." Acht Jahre zuvor war es nach 17 Spielen tatsächlich ein Punkt mehr, nach 34 Spielen war der BVB Deutscher Meister.

Ein "bisschen runterkommen" will Watzke nun über die Feiertage. Denn: "Das war schon ein anstrengendes Jahr. Die Zeit seit dem Start der aktuellen Saison fasste er so zusammen: "42 Punkte, in der Champions League die Gruppe gegen Atlético Madrid gewonnen, im Pokal sind wir auch dabei. Wenn wir das im August vorhergesagt hätten, hätten alle gesagt: 'Ihr seid geistesgestört.'"

Favre macht den Unterschied

Hätte Watzke auf der Nordtribüne doch noch einen Jubelschrei aus dem Gästeblock vernommen, wäre die Bilanz ein bisschen getrübt worden. Die Dortmunder fürchteten jedoch mehr die psychologischen Folgen, nachdem sie drei Tage zuvor bei Fortuna Düsseldorf zum ersten Mal in der Bundesligasaison verloren hatten.

"Natürlich ist es für den Kopf wichtig, das letzte Spiel gewonnen zu haben, damit du nicht in die Rückrunde so reinstrudelst", sagte Marco Reus. Der Kapitän bewies am Jahresende noch mal seine herausragende Form, schoss auch das Tor zum 2:1. Sportdirektor Michael Zorc bescheinigte ihm eine "phänomenale Entwicklung" und führte sie wie bei einigen anderen Spielern auf Lucien Favre zurück: "Er arbeitet im Detail und versucht besessen, Dinge zu verbessern, an die die Spieler vielleicht noch gar nicht gedacht haben."

Die Hinrunde des BVB lässt sich grob in drei Phasen einteilen: In der ersten hakte es noch im Spiel nach vorne, in der zweiten begeisterten die Dortmunder mit ihrer Wucht in der Offensive, in der dritten gelangen viele Siege mit einem Tor Vorsprung. "Wir haben eine sehr gute Balance zwischen schönem, attraktivem Spiel und guter Absicherung", lobte Zorc.

Reus ist Dortmunds Schlüsselspieler

Am 3. Januar nimmt der BVB seine Arbeit wieder auf. Möglicherweise wird der Kader dann ein bisschen kleiner sein. "Wo was gemacht werden kann, gucken wir uns das individuell an", sagte Zorc vage. Es gibt einige Spieler, bei denen Favres Künste versagten. Shinji Kagawa, Alexander Isak, Sebastian Rode und Jeremy Toljan werden bei entsprechenden Angeboten gehen dürfen. Bei Kagawa und Isak sieht es so aus, als wollten sie das auch. Bei Toljan und Rode bestand im Sommer keine Bereitschaft, möglicherweise ändert sich das, nachdem sie in der Hinrunde keine Minute in der Bundesliga spielten. Einen Neuzugang dürfte es nur geben, falls der Transfermarkt überraschend etwas Attraktives hergibt.

Weiter geht es für Borussia Dortmund mit einem Auswärtsspiel in Leipzig. Das Hinspiel war eine von vier Partien, die der BVB nach einem 0:1-Rückstand noch mit 4:1 gewann. Ein Schlüsselmoment, findet Marco Reus. "Da können wir auch das 0:2 kriegen. Wer weiß, wie dann alles gelaufen wäre", sagt der BVB-Kapitän.

Reus ist Dortmunds Schlüsselspieler, er stand in allen Spielen der Hinrunde in der Startelf. Bei der Verletzungshistorie des Angreifers ist das eine der bemerkenswertesten Bilanzen beim BVB.

Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach 2:1 (1:1)
1:0 Sancho (42.)
1:1 Kramer (45.+1)
2:1 Reus (54.)
BVB: Bürki - Piszczek, Weigl, Toprak, Hakimi - Delaney, Witsel - Sancho (90.+2 Wolf), Reus, Guerreiro (90.+3 Bruun Larsen) - Alcácer (34. Götze)
Gladbach: Sommer - Johnson, Beyer, Strobl, Wendt - Neuhaus (82. Cuisance), Kramer (68. Hofmann), Zakaria - Herrmann (73. Traoré), Plea, Hazard
Schiedsrichter: Zwayer
Gelbe Karten: - / Cuisance
Zuschauer: 81.000

insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
phrasenmaeher 22.12.2018
1. Bärenstarke Hinrunde
Da gibt es absolut nichts zu bemängeln. Die Einstellung der Mannschaft stimmt, das Spiel ist seit Favre offensiv attraktiv und auch defensiv stabil, was man in der Vorsaison beides bei weitem nicht behaupten konnte. Es macht Freude, dem BVB beim Spielen zuzugucken. Bleibt nur noch der Wunsch nach Frohen Weihnachten und einem guten Rutsch, der hiermit in die Runde geworfen wird. Und dieser schließt auch die Anhänger von Bayern, Schalke, Leipzig und Hoffenheim explizit mit ein.
harronal 22.12.2018
2. Mit seinem sportlichen Ziehvater Favre...
...hat Marco Reus eine gehörige Portion Selbstsicherheit und Motivation zurückgewonnen, die ihn aber nicht übermütig werden lassen. Das steht ihm auf dem Platz direkt ins Gesicht geschrieben. Und das ist das beste Rezept gegen viele Verletzungen, die er in der Vergangenheit in der Rolle als "ewiges Talent" und oft nicht als "Trainerliebling" erlitten hatte.
Sintemale 22.12.2018
3. BVB Dortmund macht nicht mehr n u r Volldampf-Fussball
und verliert deshalb auch n i c h t mehr in den letzten 30 Minuten. Wie so häufig unter Jürgen Klopp. Weil nach 60 Minuten immer der Dampf raus ist. Kraft muss man einteilen, das macht Lucien Favre besser. Aber taktische Schwächen sind unverkennbar. Tiki-taka können die Spieler mangels Balltechnik und Körperbeherrschung nicht, sie spilen ein normales und gutes Passspiel mit Ballsicherung. Allerdings kommen die langen Dinger (seitdem Hummels nicht mehr da ist) nicht mehr aus dem Hinterhalt. Was die Seele vom Konterfussball ist. Dabei haben sie zwei wunderbare Konterstürmer. Sancho und Reus. Die ich in der der nächsten Saison bei dem 1. FC Bayern München als Ersatz von Robbery sehe. Mit Hummels als Bedienung. Das Team vom BVB drückt und drückt und ab und zu kommt ein Törchen. Die Mannschaft von Mönchengladbach ist auf allen Positionen schwächer besetzt und es ist der Verdienst des Trainers, das die in der Tabelle oben rummachen. Die beiden Spieler, die ausgewechselt wurden, hätten gar nicht auflaufen dürfen. Aber der Trainer hat eben keine anderen. So lief der 10-Zylinder nur auf 8 Pötten. Man sah Anfängerfehler wie in der Regionalliga. Pässe, die nicht ankommen konnten und nur gewichst waren und wo die eigenen Spieler in Kenntnis des Unvermögens des Passgebers schon gar nicht versuchten, die zu erreichen. Verteidiger, die nicht gegen den Ball gingen, sondern gleich auf die Socken und so oft genug bei einer geschickten Körpertäuschung des gegnerischen Spielers vorbei flogen. Mein Hochachtung vor Dieter Hecking, deren Trainer. Mit einer solchen Luschenmannschaft mit Taktik und Verteidigung das herauszuholen, ist bewundernswert. Der Kommentator vom ZDF, Oliver Schmidt, hat mir wieder ausnehmend gut gefallen. Gut vorbereitet, wunderbare Formulierungen und kultivierte Sprache und Sachkenntnisse im Fussball. Also ganz anders als viele seiner Kollegen und Kolleginnen :-). Dass er sich für den Oberschiedsrichter hält, sei ihm nachgesehen.
Oihme 22.12.2018
4. Es war ...
Zitat von Sintemaleund verliert deshalb auch n i c h t mehr in den letzten 30 Minuten. Wie so häufig unter Jürgen Klopp. Weil nach 60 Minuten immer der Dampf raus ist. Kraft muss man einteilen, das macht Lucien Favre besser. Aber taktische Schwächen sind unverkennbar. Tiki-taka können die Spieler mangels Balltechnik und Körperbeherrschung nicht, sie spilen ein normales und gutes Passspiel mit Ballsicherung. Allerdings kommen die langen Dinger (seitdem Hummels nicht mehr da ist) nicht mehr aus dem Hinterhalt. Was die Seele vom Konterfussball ist. Dabei haben sie zwei wunderbare Konterstürmer. Sancho und Reus. Die ich in der der nächsten Saison bei dem 1. FC Bayern München als Ersatz von Robbery sehe. Mit Hummels als Bedienung. Das Team vom BVB drückt und drückt und ab und zu kommt ein Törchen. Die Mannschaft von Mönchengladbach ist auf allen Positionen schwächer besetzt und es ist der Verdienst des Trainers, das die in der Tabelle oben rummachen. Die beiden Spieler, die ausgewechselt wurden, hätten gar nicht auflaufen dürfen. Aber der Trainer hat eben keine anderen. So lief der 10-Zylinder nur auf 8 Pötten. Man sah Anfängerfehler wie in der Regionalliga. Pässe, die nicht ankommen konnten und nur gewichst waren und wo die eigenen Spieler in Kenntnis des Unvermögens des Passgebers schon gar nicht versuchten, die zu erreichen. Verteidiger, die nicht gegen den Ball gingen, sondern gleich auf die Socken und so oft genug bei einer geschickten Körpertäuschung des gegnerischen Spielers vorbei flogen. Mein Hochachtung vor Dieter Hecking, deren Trainer. Mit einer solchen Luschenmannschaft mit Taktik und Verteidigung das herauszuholen, ist bewundernswert. Der Kommentator vom ZDF, Oliver Schmidt, hat mir wieder ausnehmend gut gefallen. Gut vorbereitet, wunderbare Formulierungen und kultivierte Sprache und Sachkenntnisse im Fussball. Also ganz anders als viele seiner Kollegen und Kolleginnen :-). Dass er sich für den Oberschiedsrichter hält, sei ihm nachgesehen.
... extrem störend, dass der Kommentator offenbar nicht einmal den Versuch machte, die Umstände des Alcacer-Ausfalls zu ergründen und den Zuschauern zeitnah mitzuteilen. Dass der Spanier plötzlich auf der Bank saß und sich Götze als Ersatz fertigmachte, das konnte ich auch sehen, und für diese Erkenntnis brauchte ich wirklich keinen Sprecher mit einer eigenen Verbindung zur Regie und etlichen Kollegen im Stadion und am Spielfeldrand. Pardon, aber das war nix!
ardbeg17 22.12.2018
5.
Wir werden noch viele unansehnliche Spiele gegen stur tiefstehende Gegner sehen. Wenn Dortmund dann ein Rezept hat, werden sie Meister. Bin mal gespannt.
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