BVB-Sieg über die Bayern Nicht aufzuhalten

Borussia Dortmund eilt von Erfolg zu Erfolg - auch der FC Bayern kann die Favre-Elf nicht stoppen. Jetzt schon von der Meisterschaft zu sprechen ist allerdings noch verboten.

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Aus Dortmund berichtet


Unter die schlecht gelaunten Männer in den roten Trikots mischte sich auch einer im schwarz-gelben. Er raunzte den Mann mit dem weißen Leibchen an, auf dem zu lesen war, dass er für eine ordnungsgemäße Überwachung der Dopingkontrolle zuständig sei. "Das ist schon das fünfte Mal", klagte Thomas Delaney. Los-Pech ist es, das den Dänen erwischt hat, der deshalb eine kleine Party verpasste. Aus der Kabine von Borussia Dortmund wummerte nämlich noch lautere Musik als sonst.

Bevor Delaney nach links abbog, ging Michael Zorc nach rechts. Der Sportdirektor des BVB sprach von einem letztlich noch verdienten 3:2-Sieg wegen der Mehrzahl an Chancen, auch wenn der FC Bayern vor allem in der ersten Hälfte sehr stark und überlegen gewesen sei.

"Sieben Punkte vorn heißt?", lautete dann die Frage an Zorc, der sich schon auf den Weg machte, als er die Zahl hörte und sagte: "Sieben Punkte vorn."

Axel Witsel riet ebenfalls, beim offiziellen Sprachgebrauch zu bleiben, dass eine erneute Qualifikation für die Champions League das Saisonziel sei: "Wir müssen jetzt nichts ändern, nur weil wir die Bayern geschlagen haben." Marco Reus sagte, es bringe "nullkommanull", nun über die Meisterschaft zu sprechen.

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Der BVB wähnt sich weiter in einem Prozess. Trainer Lucien Favre ist dabei in der komfortablen Situation, nach jedem Spiel belegen zu können, dass es noch "vieles zu korrigieren" gebe. Gegen die Bayern machte auch er einen groben Fehler, indem er Julian Weigl aufstellte. "Manchmal ist da so. Ich kann es nicht erklären", gab er eine schlechte Idee zu, die in der ersten Hälfte wesentlich dazu beitrug, dass der FC Bayern im Mittelfeld dominierte.

Favre korrigierte mit der Einwechslung von Mahmoud Dahoud, die sich als goldrichtig erwies. So wurde der BVB im Zentrum des Feldes spielstärker, dynamischer, mutiger. Nach der Pause gelang schnell der Ausgleich, dem jedoch wenig später das zweite Münchner Tor durch Robert Lewandowski folgte.

Auch gegen RB Leipzig, die TSG Hoffenheim und Bayer Leverkusen hatten die Dortmunder in dieser Saison schon zurückgelegen, Sie sind aber weiterhin ohne Niederlage in der Bundesliga. "Das ist Borussia Dortmund. Wir wissen einfach, dass wir das Ding drehen können", sagte Jacob Bruun Larsen.

Witsel ist der Boss

Axel Witsel, der mit Dahoud an der Seite wieder zum resoluten Boss des Mittelfeldes beim BVB wurde, führte es darauf zurück, dass "wir physisch sehr stark" seien. Eine mögliche Erklärung durfte dabei durchaus als kleiner Seitenhieb gegen den FC Bayern gewertet werden: "Vielleicht sind wir so stark, weil wir jüngere Spieler haben."

Witsel ist 29 Jahre alt, genau wie Reus, der in einer der besten Phasen seiner Karriere ist. Zwei Tore gelangen ihm gegen den FC Bayern, zwei weitere sehr gute Chancen vergab der Kapitän, der in dieser Saison schon auf acht Treffer und sechs Vorlagen kommt. Unter Favre, seinem Förderer aus gemeinsamen Gladbacher Zeiten, zeigt Reus auf seiner Lieblingsposition im zentralen offensiven Mittelfeld gute bis sehr gute Leistungen in Serie.

"Wenn Marco Reus gesund bleibt, …", ist ein Halbsatz, den Michael Zorc vielleicht nach dem nächsten Spiel beim 1. FSV Mainz 05 vollenden wird.

Eine weitere Dopingkontrolle bei Thomas Delaney ist wahrscheinlicher, als dass das Wort "Meister" in irgendeiner Art vorkommt.

Borussia Dortmund - Bayern München 3:2 (0:1)
0:1 Lewandowski (26.)
1:1 Reus (Foulelfmeter, 49.)
1:2 Lewandowski (52.)
2:2 Reus (67.)
3:2 Alcácer (73.)
Dortmund: Hitz - Piszczek, Akanji, Zagadou, Hakimi - Weigl (46. Dahoud), Witsel - Sancho, Reus, Bruun Larsen (82. Delaney) - Götze (59. Alcácer)
Bayern: Neuer - Kimmich, Boateng, Hummels (65. Süle), Alaba - Martínez, Goretzka - Gnabry (74. Sanches), Müller (82. Wagner), Ribéry - Lewandowski
Zuschauer: 81.360 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Manuel Gräfe
Gelbe Karten: Akanji, Hitz, Weigl / Ribéry, Süle, Wagner



insgesamt 57 Beiträge
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nadennmallos 11.11.2018
1. Es wird wieder spannend ...
... in der Liga, na endlich!
skeptikerjörg 11.11.2018
2. Fußball, den wir wollen
Ich bin BVB Fan, klar, dass mir der Sieg wie ein kaltes Pils runtergeht. Aber ehrlich, wäre es Unentschieden ausgegangen, wäre es trotzdem ein Klassespiel gewesen. Deshalb gehen wir doch ins Stadion, oder wegen des weniger glücklichen, aber legendären 4:4 gegen die Blauen oder wegen des Malaga-Krimi. Wenn die "jungen Wilden" weiterhin so fokussiert und von Siegeswillen angetrieben weiter spielen, ist mir nicht bange. Meisterschaft? Nicht ausgeschlossen, aber auch nicht zwingend. Die Mannschaft steht am Anfang einer Entwicklung und wir freuen uns über das Jetzt. Alles darüber hinaus wird gerne genommen. Und was besonders positiv ist: Ich höre gar keine Favre- Kritiker mehr, keine Tuchel-Nostalgiker. Und ich hoffe, dass sie auch in ihren Löchern bleiben, wenn es mal zwei Niederlagen in Folge gibt.
isi-dor 11.11.2018
3. Ja, das Spiel war spannend und die Liga ebenfalls
Aber ganz nüchtern und objektiv betrachtet wurde das Spiel nicht von den Mannschaften entschieden, sondern vom Schiedsrichter. Ein unberechtigter Elfmeter für Reus klare und eindeutige Schwalbe - in der Zeitlupe ist zu sehen, dass er gar nicht mehr an den Ball kommen kann und vor Neuers Hand schon abhebt - und zwei klare Strafstöße, die dem FC Bayern verweigert wurden, einmal wegen Foulspiels im Strafraum, einmal wegen vollkommen eindeutigen Handspiels von Witsel über Kopfhöhe. Absicht oder nicht, der Arm hat dort nichts zu suchen und nach den derzeit geltenden Regeln muss das Strafstoß sein. Dazu ein Foul an Lewandowski direkt an der Strafraumgrenze, das nicht geahndet wurde. PS: den Videobeweis braucht man nicht, wenn er nicht mal in solchen klarsten Fällen eingreift. Auch als Dortmund-Fan muss man das so anerkennen. Wir Dortmunder lieben solche Schiedsrichter.
Nonvaio01 11.11.2018
4. stimmt
7 punkte vorsprung koennen schnell weg sein, kennt man in Dortmund ja.
immerfroh 11.11.2018
5.
Zitat von skeptikerjörgIch bin BVB Fan, klar, dass mir der Sieg wie ein kaltes Pils runtergeht. Aber ehrlich, wäre es Unentschieden ausgegangen, wäre es trotzdem ein Klassespiel gewesen. Deshalb gehen wir doch ins Stadion, oder wegen des weniger glücklichen, aber legendären 4:4 gegen die Blauen oder wegen des Malaga-Krimi. Wenn die "jungen Wilden" weiterhin so fokussiert und von Siegeswillen angetrieben weiter spielen, ist mir nicht bange. Meisterschaft? Nicht ausgeschlossen, aber auch nicht zwingend. Die Mannschaft steht am Anfang einer Entwicklung und wir freuen uns über das Jetzt. Alles darüber hinaus wird gerne genommen. Und was besonders positiv ist: Ich höre gar keine Favre- Kritiker mehr, keine Tuchel-Nostalgiker. Und ich hoffe, dass sie auch in ihren Löchern bleiben, wenn es mal zwei Niederlagen in Folge gibt.
Und nicht zu vergessen die „Watzke ist Quell allen Übels“-Rufe. Dass er selbstkritisch reflektieren kann, wird an der Tatsache deutlich, dass Sebastian Kehl verpflichtet wurde und dass Matthias Sammer als externer Berater engagiert wurde, um auch kontrovers den Finger in die ein oder andere Wunde zu legen. Dass man neue Impulse von außen brauchte, hat er auch freimütig heute bei Wontorra eingeräumt. Stur und unbelehrbar ist er offenbar nicht, so wie ihm oft unterstellt wird. Welche Entwicklung diese Mannschaft noch nehmen kann, hängt unter anderem davon ab, ob alle gesund bleiben und ob man die zu erwartenden Offerten der richtig reichen Player des Weltfußballs widerstehen wird. Jetzt wird zudem auch deutlich, dass man mit den Transfers von Aubameyang und vor allem Dembele alles richtig gemacht hatte. Diese wurden noch vor kurzem, Watzke als Fehler angedichtet.
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