Remis in Frankfurt Dortmund hält nicht dicht

Borussia Dortmund verspielte in Frankfurt eine 2:0-Führung. Die personell gebeutelte Defensive bleibt das Problem des BVB - und die vergebenen Torchancen in der Nachspielzeit.

Der enttäuschte Dortmunder Christian Pulisic
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Der enttäuschte Dortmunder Christian Pulisic

Aus Frankfurt berichtet


Borussia Dortmund ist noch Tabellenführer der Bundesliga. Das ist die positive Nachricht aus Sicht des BVB nach einer Woche voller Misserfolge mit nur einem Punkt aus zwei Bundesligapartien und dem freudlosen Remis in der Champions League bei Apoel Nikosia.

Diesmal, beim 2:2 gegen Eintracht Frankfurt, zeigten die Dortmunder wieder Spektakel. Es war ein Spiel, geführt von zwei Mannschaften, die gewinnen wollten und nur eine Richtung kannten: nach vorne. Frankfurt und die Borussia zeigten Tempo und jede Menge fußballerische Klasse in ihren Offensivaktionen. Kein Wunder also, dass nach dem Spiel so viele Zuschauer behaupteten, sie hätten schon lange kein solch gutes Fußballspiel mehr gesehen.

"Ein tolles Spiel, es gab für jede Mannschaft 20 Torchancen", sagte auch Frankfurts Vorstand Axel Hellmann und übertrieb damit nur geringfügig. Von einem "echten Leckerbissen für alle Fußballfreunde", sprach hingegen Kevin Prince Boateng, der sich einen Hinweis in Richtung Journalistenpulk nicht verkneifen konnte: "Da soll noch jemand sagen, dass Frankfurt keinen schönen Fußball spielt."

Doch wenn aus dem munteren Hin und Her so viele Torchancen resultieren, wie sie die Eintracht hatte, muss man auch über die Defensive der anderen Mannschaft sprechen. Zur Halbzeit hätte Frankfurt 4:1 führen können, anstatt 0:1 zurückzuliegen. Doch entweder die Frankfurter schossen den guten Dortmunder Torwart Roman Bürki an (Marius Wolf/31. Minute), verfehlten das Tor (Sebastien Haller/34.) oder vertändelten Kontersituationen durch technische Fehler (Ante Rebic/33. Haller/44.).

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Bundesliga: Verspielte Führungen

Und das waren über 90 Minuten nicht die einzigen Szenen, in denen die Frankfurter mit ein, zwei Pässen oder einem langen weiten Ball die BVB-Defensive auseinander spielten. Die Innenverteidigung um Julian Weigl und Neven Subotic schwamm dabei ein ums andere Mal, musste aber auch viel zu oft ausbaden, was auf den Außenbahnen versäumt wurde.

Für die insgesamt schwache Defensivleistung gab es allerdings Gründe. Subotic kam in Frankfurt zu seinem ersten Einsatz im BVB-Dress seit eineinhalb Jahren. Und Weigl musste als ungelernter Praktikant auf fremdem Posten aushelfen, weil die ausgebildeten Innenverteidiger Ömer Toprak verletzt und Sokratis rotgesperrt fehlten. Marc Bartra, der dritte namhafte zentrale Abwehrspieler des BVB, musste wegen des Mangels an Außenverteidigern auf der rechten Seite aushelfen.

"Julian ist ein Mittelfeldspieler", sagte dann auch sein Trainer Peter Bosz. Dass defensiv nicht alles rund laufen würde, sei vorauszusehen gewesen. Was den Trainer offenbar weit mehr ärgerte, war die Chancenverwertung. Denn Kollege Niko Kovac hatte Recht als sagte, dass "man eigentlich das Spiel verloren hat, wenn man gegen den BVB 0:2 zurückliegt".

"Wenn man 2:0 führt, muss man gewinnen"

Tatsächlich hätte der BVB das Spielfeld trotz seiner maroden Defensive als Sieger verlassen können, ja müssen. Denn der Verlauf sprach für die Dortmunder. Das 1:0 (19.) durch Nuri Sahin fiel in eine starke Frankfurter Phase und das 2:0 in die Periode, in der die Eintracht dem Ausgleich nahe schien. Doch Haller und Wolf (68.) drehten das Spiel. "Wenn man 2:0 führt, muss man gewinnen", sagte Peter Bosz, dessen Team nun im dritten Spiel hintereinander sieglos blieb. Auch, weil Aubameyang freistehend übers Tor schoss (51.) und Frankfurts Makoto Hasebe in der Nachspielzeit einen Sahin-Schuss auf der Linie rettete.

Wie schon so oft in den letzten Wochen vergab der BVB in der Nachspielzeit eine Großchance. Beim 2:3 gegen Leipzig hatte der diesmal geschonte Andrej Yarmolenko über das leere Tor geschossen und in Nikosia war Aubameyang an Torwart und Pfosten gescheitert. "Wir haben zur Zeit auch Pech", sagte Bosz.

Wenn er damit die personelle Situation in der Abwehr meinte, hat er Recht. Alles andere hat mit Pech wenig zu tun.

Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund 2:2 (0:1)
0:1 Sahin (19.)
0:2 Philipp (57.)
1:2 Haller (64., Foulelfmeter)
2:2 Wolf (68.)
Frankfurt: Hradecky - Russ (59. Hrgota), Hasebe, Abraham - Chandler (37. Salcedo), Gacinovic, Kevin-Prince Boateng, Willems - Wolf (76. Tawatha), Haller, Rebic.
Dortmund: Bürki - Bartra, Weigl (58. Zagadou), Subotic, Toljan - Sahin - Castro (58. Kagawa), Mario Götze - Pulisic, Aubameyang, Philipp (84. Sancho).
Schiedsrichter: Hartmann
Gelbe Karten: Gacinovic - Weigl, Bürki, Bartra
Zuschauer: 51.500

insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
Nonvaio01 21.10.2017
1. war klar
das der BVB wieder versagt, egal hauptsache die BL ist spannend, anstatt das vereine besser werden, hat man sich darauf geeinigt zusammen so schlecht zu werden das es ausgelichen ist.
Msc 21.10.2017
2.
Was um Himmelswillen macht Bürki da? Das ist schon das dritte Spiel in Folge, das nicht gewonnen wird, weil er einfach schlecht ist. Dortmund braucht einen neuen Torwart.
nn280 21.10.2017
3. War (und ist) überhaupt nicht klar,
Zitat von Nonvaio01das der BVB wieder versagt, egal hauptsache die BL ist spannend, anstatt das vereine besser werden, hat man sich darauf geeinigt zusammen so schlecht zu werden das es ausgelichen ist.
das der BVB heute unentschieden spielt. Er hat heute erfreulich gut gespielt und Subotic war einer der Besten. Lediglich die heute extrem schlechte Chancenverwertung hat den Sieg verhindert. Frankfurt hat sehr gut gespielt. Die Bayern haben heute gewonnen und hatten eine noch schlechtere Chancenverwertung als der BVB. So ist Fußball allemal schöner, als wenn einer am 9. Spieltag bereits mit 9 Punkten Vorsprung die Tabelle anführt, nachdem er bei seinen Konkurrenten die Besten eingekauft hat.
malina-f 21.10.2017
4. Frage der Zeit
Alles eine Frage der Zeit, das der BVB noch Punkte liegen läßt, war ja eigentlich klar, ist aber kein Primär-Problem. Nach den Diversen Spieler-Abgängen und dem Trainer - Wechsel hat sich ein Team mit sehr viel Perspektive gebildet, welches einfach noch etwas wachsen muß.
TheHitch 21.10.2017
5. war klar
… dass der BVB wieder versagt. Mehr als der erste Platz ist auch am 9. Spieltag nicht drin. ;-)
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