BVB-Pleite in Augsburg "Zu wenig für einen Tabellenführer"

Als der BVB Augsburg in der Hinrunde 4:3 besiegte, wirkte er fast unbezwingbar. Lange her. Aktuell ringt Dortmund um Stabilität. Und selbst die Rückkehr von Marco Reus half nicht.

AFP

Aus Augsburg berichtet


Langsam, sehr langsam gingen die Dortmunder Spieler nach dem Spielende in Augsburg zur Gästekurve. Einige applaudierten zaghaft, andere schauten apathisch vor sich hin.

Der BVB hatte verloren, 1:2 beim FC Augsburg, dem Tabellen-15., einem Verein, der zuvor fünf seiner sechs Bundesligaspiele in diesem Jahr verloren hatte. Wie konnte das passieren?

Nun, ganz ähnlich wie beim 0:0 in Nürnberg am 18. Februar. Oder beim 1:2 in Düsseldorf am 18. Dezember. In allen drei Partien hatte der BVB ähnlich viel Ballbesitz, knapp über 70 Prozent. Und er hatte seine Torchancen. Doch gewonnen hat stets der Außenseiter.

So verlor Dortmund in drei Partien gegen Abstiegskandidaten acht Punkte. Der Vorsprung auf Verfolger Bayern München, einst neun Punkte groß, ist dahingeschmolzen. Siegen die Münchener am Abend gegen Mönchengladbach (18.30 Uhr; TV: Sky; Liveticker SPIEGEL ONLINE), sind sie punktgleich mit dem BVB, der von den vergangenen acht Pflichtspielen nur eines gewinnen konnte.

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Bundesliga: Ji besiegt den BVB

Dabei war doch Marco Reus zurück, der Topspieler der Borussia, der zuletzt verletzt ausgefallen war. Doch auch mit Reus reichte es nicht. Das lag an der mangelnden Dortmunder Chancenauswertung. Aber auch daran, dass Augsburg richtig stark spielte.

Der FCA zeigte eine Reaktion auf die blamable Vorstellung aus der Vorwoche in Freiburg, wo das Team 1:5 verlor. 127 Kilometer liefen die Augsburger gegen Dortmund insgesamt, über elf Kilometer mehr als der Gegner.

Der BVB wiederum vermochte es selbst nach den Gegentoren durch Ji Dong-Won (24. Minute, 68.) nicht, das Tempo konstant hoch zu halten. Und wenn sich das Team nach vorne kombinierte, war da noch Augsburgs Torwart Gregor Kobel, der ein exzellentes Spiel machte.

"Vielleicht wird er abgefälscht und geht rein"

"Wir müssen als Mannschaft mehr Kontrolle haben", sagte Dortmunds Thomas Delaney. Und Torhüter Roman Bürki bemängelte, dass der "Killerinstinkt vorm Tor" gefehlt habe: "Das war zu wenig für einen Tabellenführer."

Der BVB deutete zwar an, dass er offensiv eine Klasse für sich sein könnte. Die elf Schüsse, die das Team aufs gegnerische Tor brachte, bedeuten einen sehr guten Wert, mehr schaffte die Borussia auch im Hinspiel gegen Augsburg nicht. Und das endete bekanntlich 4:3 für den Favoriten. Aktuell aber landen die Bälle nicht im Tor. Das kann Spieler beschäftigen, vielleicht sogar überfordern. "Wir spielen immer noch ein, zwei Pässe quer, anstatt einfach mal draufzuhalten", sagte Bürki etwa: "Vielleicht wird er dann abgefälscht und geht rein." Nach einem durchdachten Plan klang das nicht.

Nach der Partie, bei der Pressekonferenz, schüttelte Augsburgs Trainer Manuel Baum fast unmerklich den Kopf, als BVB-Kollege Lucien Favre seine Sicht der Dinge erläuterte. Zu der gehörte, dass Dortmund sehr gut gespielt habe. Und Augsburg? Erwähnte Favre nur einmal - mit der Behauptung, der Gegner habe im Grunde kaum Chancen gehabt.

Baum schien diese Missachtung der Augsburger Gesamtleistung sichtlich zu irritieren, er sagte aber nur: "Ich kenne das ja selbst, man ist als Trainer mit seinem Spiel so beschäftigt, das darf man ihm wahrscheinlich nicht übel nehmen." Ehrenwerte Worte eines Trainers, der in der Woche zuvor, beim 1:5 in Freiburg, dem gegnerischen Coach zur Leistung von dessen Team gratuliert hatte. Und der von jenem Christian Streich eine Umarmung und die besten Wünsche für den Klassenerhalt zurückbekam.

Favre hat am Freitag kurz "Tschüss" gesagt, als Baum auf ihn zukam, einen Handschlag später ging er Richtung Ausgang. Den Augsburger Trainer wunderte das zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. "Gratuliert hat er uns ja auch nicht zum Sieg."

FC Augsburg - Borussia Dortmund 2:1 (1:0)
1:0 Ji (24.)
2:0 Ji (68.)
2:1 Alcácer (81.)
Augsburg: Kobel - Schmid, Danso, Khedira, Stafylidis (17. Teigl) - Koo, Baier (89. F. Götze) - Hahn, Gregoritsch, Max - Ji (83. Cordova)
Dortmund: Bürki - Hakimi, Akanji, Zagadou, Diallo - Witsel, Delaney (66. Guerreiro) - Sancho, Reus (66. Alcácer), Bruun Larsen (76. Philipp) - M. Götze
Zuschauer: 30.660
Schiedsrichter: Stieler
Gelbe Karten: Hahn / Hakimi, Guerreiro



insgesamt 30 Beiträge
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Orthoklas 02.03.2019
1. Alte Regel
Nach oben zu kommen, ist eine Sache, oben zu bleiben ungleich schwieriger. Das ist nichts Neues. Das können die Bayern nunmal besser als Andere. Aber das Zeug zum Meister hat Dortmund in dieser Saison schon.
minga1972 02.03.2019
2.
Im Verlieren zeigt sich der Charakter.
steve_burnside 02.03.2019
3. Kannte ich gar nicht von Favre.
Wusste ich gar nicht, dass Favre so arrogant ist. Aber von mir Glückwünsche an Augsburg. Habs live gesehen und beim 2:0 nen Schrei losgelassen.
ghauer 02.03.2019
4. Die spielerische Klasse hat Dortmund...
ob sie aber den Titel holen können hängt jetzt alleine von der psychologischen Betreuung der Mannschaft ab, denn sonst grassieren Angst vor dem Gegner und Selbstzweifel, während die Bayern aktuell mächtig Rückenwind haben.
tm45 02.03.2019
5. Heuchelei
Dieser ganze Club macht immer auf Leidenschaft, Tradition und „echte Liebe“ und ist in Wahrheit ganz weit davon entfernt. Favre hat ja schon in Gladbach seine zweite Seite gezeigt als es plötzlich nicht mehr ganz so toll lief.
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