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Dortmunds Mini-Krise: Das überrannte Tempo-Team

Von Nils Lehnebach

Nur einen Punkt aus zwei Spielen, schon sieben Zähler Rückstand auf den FC Bayern: Dortmund leistet sich eine frühe Mini-Krise - und offenbart ungewohnte Schwächen. Sechs Gegentore kassierte der BVB in zwei Partien, das Team wird mit den eigenen Mitteln geschlagen.

Getty Images

Hamburg - Jürgen Klopp fletschte die Zähne, fauchte in Richtung Spielfeld. Dortmunds Trainer war in Rage, rannte in seiner Coaching-Zone hin und her, wetterte gegen den vierten Offiziellen. Kurze Zeit später wurde er auf die Tribüne geschickt. Klopp hatte alles versucht, um das zweite enttäuschende Ergebnis binnen weniger Tage für seine Mannschaft abzuwenden. Vergebens: Nach der 2:3-Pleite beim Hamburger SV spielte der BVB in Frankfurt nur 3:3, obwohl das Team bereits 2:0 und 3:2 geführt hatte.

"Ich habe das Spiel nicht genossen", sagte Klopp anschließend dem TV-Sender Liga Total. Ihn störte nicht nur das Ergebnis, vielmehr ärgerte er sich über die Art und Weise, wie es zustande gekommen war: "Wir sind bei zwei Gegentoren brutal ausgekontert worden. Gut gemacht von der Eintracht, schlecht gemacht von uns."

Klopp hat seiner Mannschaft in den vergangenen Jahren ein höchst erfolgreiches System eingeimpft, das vor allem auf einer Tatsache basiert: Tempo. Kaum eine Bundesliga-Mannschaft läuft so viel wie der BVB, schaltet derart gut um und hat eine ähnliche Dynamik im Offensivspiel. Die Grundlage des Systems war dabei stets die kompakte Defensive.

Dortmunds Defensive patzt ungewohnt häufig

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BVB-Schwächephase: Zwei Spiele, sechs Gegentore
Doch gerade dieses Fundament bereitet jetzt Probleme. Sechs Tore kassierte der BVB in den vergangenen beiden Partien, acht waren es insgesamt in den ersten fünf Spielen. Kein Team in der oberen Tabellenhälfte ist in diesem Aspekt schwächer. Zum Vergleich: In der Vorsaison bekam Dortmund erst am elften Spieltag das achte Gegentor.

"Seitdem ich hier bin, hatten wir noch keine Phase, in der wir viele Tore gefressen haben", sagte Klopp. Auffällig ist dabei, dass die Treffer oft in Serie fallen. Der HSV zog am Samstag mit einem Doppelschlag (55./59.) auf 3:1 davon, schaltete dabei so schnell um, wie man es eigentlich nur vom BVB kennt. Die Eintracht glich nun mit zwei schnellen Toren (49./51.) zum 2:2 aus. "Wenn man 2:0 führt, dann gibt es das eiserne Gesetz, dass man nicht ausgekontert werden darf. Dennoch ist es uns passiert", kritisierte Klopp sein Team.

Genau das passierte beim 1:2: Schwegler nahm Kehl in der eigenen Hälfte den Ball ab, spielte auf Inui, der auf Torschütze Aigner weiterleitete. In zehn Sekunden überquerte die Eintracht den Platz, es war ein typisches BVB-Tor, geschossen von Frankfurt. "Wir haben uns in den ersten fünf Minuten der zweiten Halbzeit überrennen lassen", haderte BVB-Kapitän Sebastian Kehl.

Auf den BVB warten schwierige Aufgaben

Der Meister liegt nun bereits sieben Punkte hinter dem Spitzenreiter Bayern München, der alle seine fünf Partien gewann. Dortmund ist derart magere Saisonauftakte gewohnt: Im Vorjahr holte man aus den ersten sechs Partien nur sieben Punkte, lag auf Rang elf - und wurde am Ende Meister. Eine ähnliche Aufholjagd scheint in dieser Spielzeit unwahrscheinlich. Zum einen wirkt die Defensive zu anfällig, zum anderen scheint der FC Bayern zu stark.

Zumal auf den BVB in den kommenden Wochen ein deftiges Programm wartet, es geht gegen Mönchengladbach, Hannover und Schalke. Parallel muss sich das Team in der Champions League mit den Star-Teams von Real Madrid und Manchester City messen. Vereine, die Fehler ähnlich gut ausnutzen können, wie es zuletzt Frankfurt und Hamburg machten. Vereine, die das Punkten extrem schwer machen - und die den angeschlagenen BVB weiter ärgern wollen.

"Wir sind bombastisch aus der Kabine gekommen", jubelte Frankfurts Mittelfeldrenner Sebastian Rode nach der Partie. Sein Trainer Armin Veh sprach von einem "geilen Spiel für Zuschauer". Die Eintracht liegt mit 13 Punkten weiter auf Rang zwei und hat seinen eindrucksvollen Saisonstart untermauert. Dabei hatte Veh vor der Partie die Favoritenrolle noch ganz eindeutig dem BVB zugeschoben: "Sie sind der ganz große Bruder. Da schauen wir uns was ab." Im Spiel wirkten die beiden Teams eher wie Zwillinge.

Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund 3:3 (0:2)
0:1 Piszczek (24.)
0:2 Reus (28.)
1:2 Aigner (49.)
2:2 Inui (51.)
2:3 Götze (54.)
3:3 Anderson (73.)
Frankfurt: Trapp - Jung, Zambrano, Anderson, Oczipka - Schwegler, Rode - Aigner (85. Kittel), Inui - Hoffer (59. Matmour), Meier (90. Lanig)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Leitner, Kehl - Blaszczykowski (85. Gündogan), Reus (46. Götze), Perisic (68. Großkreutz) - Lewandowski
Schiedsrichter: Meyer
Zuschauer: 51.500 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Zambrano (2), Schwegler - Lewandowski

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1. Normal
Hans_Kammerer 26.09.2012
Was haben die Dortmunder denn geglaubt ? In den letzten beiden Spielzeiten waren die Gegner nicht dermaßen motiviert wie jetzt. Der BVB kann nun mal fühlen, wie es den Bayern seit Jahrzehnten geht. Jeder Gegner gibt 120 Prozent und ist bestens auf den BVB eingestellt. Das Dortmunder Spielsystem ist kein Geheimnis mehr und mit jeder Niederlage können die folgenden Gegner bestens sehen, wie man das System Klopp knacken kann. Ging es den Bayern mit dem Van Gaal Stil in den letzten Jahren so, ergeht es den Dortmundern eben jetzt exakt gleich. Zudem kann man die Defensivschwächen wohl der Konzentration einzelner Spieler zurechnen. Es ist eben etwas ganz anderes international in der CL mitzutanzen und die Liga stemmen zu müssen wie es die Bayern eher gewohnt sind. Auch in der letzten Saison konnte man gut sehen, dass der BVB nach dem Ausscheiden aus der CL eine Leistungsexplosion entfaltet hat. Fliegt man dieses Jahr ähnlich früh raus, kann man sich wieder auf die Liga konzentrieren. Ich persönlich hoffe ja, dass der BVB mindestens in der Europaleague möglichst lange verbleiben darf. Wenn dann 15 oder 20 Punkte Rückstand auf die Bayern winken, können sie getrost rausfliegen. Auch schön zu sehen, dass Kloppo das Schafsfell des druckfreien und gut gelaunten Pöhler Trainers schnell ablegt, wenn es mal ein paar Spiele nicht so läuft. Gut so ! Der Druck auf die Mannschaft und das Management dürfte angesichts gestiegener Gehälter und getätigter Transfers schnell steigen und für noch mehr Durchhänger sorgen.
2. Nur einen Punkt aus zwei Spielen
elffreunde 26.09.2012
Bei aller Kritik, die man an der Defensive der Dortmunder haben kann, auch im DFB-Team haben Schmelzer und Hummels in den letzter Zeit keinen guten Eindruck hinterlassen, das Team hat auch im Abschluß oft viel Pech. Da wünsche ich ihnen vor allem gegen die harten Brocken in der CL einfach mal eine fette Glückssträhne. Sie hätten es verdient.
3. So ist das nun mal...
fullspeed 26.09.2012
...und es ist absolut legitim, ein erfolgreiches System zu kopieren. Die Eintracht scheint die Spieler dazu zu haben. Der Artikel trifft die Sache auf den Punkt. Speziell die Defensive (angefangen bei Kehl) ist noch lange nicht auf de Niveau des Vorjahres. Und dass der BVB schon immer konteranfällig war bei dieser Spielweise, hat die letztjährige CL-Saison gezeigt. Allerdings wird die Eintracht dasselbe Schicksal wie Hoffe in deren erster Saison und Mainz anno dazumal erleiden: nach der Hinrunde ist das Pulver verschossen. Und der BVB wird sich wieder stabilisieren, auch letzte Saison war es ein Holperstart mit 8 Punkten Vorsprung der Bayern.
4. Ja mei
Stelzi 26.09.2012
Hat denn jemand ernsthaft geglaubt, Dortmund könnte auf Jahre hinaus mit dieser Eindimensionalität, nämlich nur mehr und schneller rennen als der Gegner, die Liga zum besten halten? Irgendwann haben die meisten Gegner das passende Rezept gefunden. Dann noch eine löchrige Abwehr und schon platzen Klopp beinahe wieder eie Halsschlagadern.
5. BVB Ole´
ekel-alfred 26.09.2012
Zitat von sysopGetty ImagesNur einen Punkt aus zwei Spielen, schon sieben Zähler Rückstand auf den FC Bayern: Dortmund leistet sich eine frühe Mini-Krise - und offenbart ungewohnte Schwächen. Sechs Gegentore kassierte der BVB in zwei Partien, das Team wird mit den eigenen Mitteln geschlagen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/borussia-dortmund-schon-sieben-punkte-hinter-dem-fc-bayern-a-857958.html
Och, in Anbetracht der Tatsache, daß der BVB nur mit 7 Mann gespielt hat, ist das Ergebnis doch in Ordnung. Die gesamte Abwehr hat wohl noch im Bus gesessen, gesehen habe ich sie jedenfalls nicht.....
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