Von Christian Otto, Wolfsburg
Mitten in den vielen Rechenspielen, die das Fernduell zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München anheizen, wagte sich ein sonst stiller Mann ganz weit nach vorne. "Wenn wir am Mittwoch gewinnen, glaube ich nicht, dass wir es uns noch nehmen lassen", sagte Mats Hummels. Der besonnene Verteidiger im Team des amtierenden Meisters ist fest überzeugt davon, dass die Entscheidung im Titelkampf vorzeitig machbar ist.
Die Dortmunder Profis waren nach ihrem souveränen 3:1 (1:0)-Erfolg beim VfL Wolfsburg mehr damit beschäftigt, auf das Duell mit den Bayern am Mittwoch /(20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) vorauszublicken, als ihren soeben erkämpften Sieg über die Magath-Elf zu erklären. Und die Mehrheit von ihnen wirkt angesichts des im Titelrennen wegweisenden Heimspiels äußerst siegessicher. "Bayern muss gewinnen. Aber wir wollen unbedingt gewinnen", sagte Außenverteidiger Marcel Schmelzer.
Die mutigen Töne eines Teams, das mittlerweile schon seit 23 Partien in der Fußball-Bundesliga unbesiegt ist, passten zu der souveränen Vorstellung am 29. Spieltag. Dank der Tore von Robert Lewandowski (22. Minute/90.) und Ilkay Gündogan (49.) hatten sich die Dortmunder auch beim heimstarken VfL Wolfsburg durchgesetzt.
Magath musste die Überlegenheit des BVB anerkennen
Dass der Gastgeber durch einen Kopfballtreffer von Torjäger Mario Mandzukic zwischenzeitlich auf 1:2 (61.) verkürzen konnte, brachte für wenige Minuten Spannung ins Spiel. An der spielerischen Dortmunder Dominanz änderte sich nichts. "Die Borussia war die reifere Mannschaft", sagte Wolfsburgs Trainer Felix Magath.
Die Souveränität des Siegers war frappierend. Nach dem überraschenden 4:4 im jüngsten Heimspiel gegen den VfB Stuttgart ließ der amtierende Titelträger keinerlei Verunsicherung erkennen. Torjäger Lewandowski und Vorbereiter Gündogan waren die überragenden Spieler beim BVB und sorgten dafür, dass dessen Ausgangsposition vor dem Duell mit dem FC Bayern aussichtsreich bleibt.
Als Torhüter Roman Weidenfeller mit der aktuellen Bundesligatabelle und dem 2:1-Erfolg des Verfolgers aus München gegen den FC Augsburg konfrontiert wurde, lächelte der Routinier. "Wir haben gezeigt, dass wir all dem Stand halten können", sagte der Schlussmann und konnte wie so viele seiner Kollegen mit der Aufregung um das anstehende Spitzenspiel nichts anfangen. "Natürlich wird das ein schwieriges Spiel. Aber ich freue mich auf den Mittwoch. Und wenn wir gegen die Bayern drei Punkte holen, dann ist alles egal", sagte auch der zweifache Torschütze Lewandowski.
Nur die Offiziellen bleiben bei ihrer Zurückhaltung
Die Angriffslust der Dortmunder Spieler auf und neben dem Platz war erstaunlich. Ein wenig mehr Zurückhaltung erlegten sich die Offiziellen der Borussia auf. Sie hielten sich mit ihren Einschätzungen und Prognosen zum Titelduell zurück. "Am Mikrofon gewinnt man keine Punkte", sagte Reinhard Rauball. Der Präsident der Borussia zeigte wenig Lust auf verbale Giftpfeile.
Und auch bei den Münchnern ist es überraschend ruhig. "Wir stehen mehr unter Druck als Dortmund, weil wir drei Punkte Rückstand haben", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. "Jeder Spieler muss über sich hinauswachsen", so Bastian Schweinsteiger.
In Wolfsburg hatte BVB-Trainer Jürgen Klopp während des Spiels seinen Sitzplatz auf der Trainerbank 90 Minuten lang nicht in Anspruch genommen. Ähnlich impulsiv dürfte es am Mittwoch zugehen. Klopp kündigte jedenfalls schon einmal Großes an: "Wir werden versuchen, ein absolutes Spektakel zu veranstalten."
VfL Wolfsburg - Borussia Dortmund 1:3 (0:1)
0:1 Lewandowski (22.)
0:2 Gündogan (49.)
1:2 Mandzukic (61.)
1:3 Lewandowski (90.)
Wolfsburg: Benaglio - Träsch (80. Sio), Madlung, Felipe, Rodriguez - Josue (54. Jiracek), Polak - Dejagah, Marcel Schäfer - Helmes (46. Vieirinha), Mandzukic
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Kehl - Blaszczykowski (87. Owomoyela), Kagawa (81. Leitner), Perisic (69. Großkreutz) - Lewandowski
Schiedsrichter: Dingert
Zuschauer: 30.000 (ausverkauft)
Gelb-Rote Karten: Madlung wegen wiederholten Foulspiels (84.)
Gelbe Karten: Dejagah (6) - Subotic (4), Kehl (7)
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