Von Andreas Morbach, Gelsenkirchen
Bevor Sebastian Kehl sich zum Jubeln in die Dortmunder Kabine begab, musste er noch eine wichtige Auskunft geben. Wo der BVB das 2:1 auf Schalke zu feiern gedenke, wurde der Matchwinner gefragt. "Wir werden", so der 32-Jährige, "eine Feier machen, die ihresgleichen sucht."
Auch die übrigen Dortmunder gaben sich nicht mehr viel Mühe, die nahende achte Meisterschaft noch in Frage zu stellen. Jetzt wo der Vorsprung drei Spieltage vor Saisonende acht Punkte beträgt. Theoretisch kann es schon am kommenden Samstag (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), beim Heimspiel gegen Mönchengladbach, so weit sein. Am Mittwoch hatten sie die Bayern 1:0 geschlagen, und drei Tage später nun beim mit größter Intensität geführten Revierderby triumphiert.
"Wer zwei Spitzenspiele hintereinander gewinnt, der hat die Möglichkeit, Deutscher Meister zu werden, ganz klar", so Torwart Roman Weidenfeller. Unterstützt von Trainer Jürgen Klopp, der zwar sagte: "Ich habe viele schlechte Eigenschaften, aber ich bin kein Träumer." Doch mit breitestem Grinsen zugleich gestand: "Ich habe auch kein schlechtes Gefühl bei dem Gedanken Meisterschaft."
"Das 1:0 war ein Sonntagsschuss"
Den Gedanken an die Titelverteidigung befeuerte zunächst der Pole Lukasz Piszczek, der die frühe Schalker Führung durch Jefferson Farfán (9. Minute) bereits acht Minuten später mit einem fast identischen Treffer aus spitzem Winkel egalisierte. "Das 1:0 war ein Sonntagsschuss, und das 1:1 war auch ein Sonntagsschuss", sagte Klopp zum Beginn der Partie, in die vor allem die Schalker sofort offensiv starteten. Und in der sich die Gäste erst mit zunehmender Spieldauer als würdiger Spitzenreiter und wahrscheinlicher Meister präsentierten.
Diese Erkenntnis kulminierte in der entscheidenden Szene nach 63 Minuten. Schalke (13 Ecken) hatte sich speziell vor der Pause bei wenig gefährlichen Standards verausgabt. Dortmund dagegen nutzte durch Kehl, in der Halbzeit für den angeschlagenen Sven Bender eingewechselt, eine von fünf Ecken zum Siegtor. Dass ihm dabei sein alter Kumpel Christoph Metzelder den Ball mit der Hand vor die Füße bugsierte, wollte der BVB-Kapitän nachher nicht zusätzlich auskosten. "Dass es Christoph war, habe ich gar nicht mitbekommen. Aber das ist auch nicht wichtig. Wichtig war, die Tabellensituation zu behalten."
Bei dem Acht-Punkte-Vorsprung und den kommenden Aufgaben dürfte Dortmund diese auch nicht mehr abgeben. Geht es doch noch gegen die aus dem Tritt geratenen Gladbacher, die hoffnungslos abgeschlagenen Lauterer und gegen die so gut wie gesicherten Freiburger.
Wie er am Samstagabend feiern werde, wurde Reinhard Rauball gefragt. "Angemessen", antwortete der BVB-Präsident lächelnd. Doch auch der unterlegene Huub Stevens freute sich: "Wir haben heute mit dem alten und neuen Meister auf einer Ebene gespielt."
Schalke muss wieder um die direkte Champions-League-Quali bangen
Für den S04-Trainer war das die erfreuliche Erkenntnis des Nachmittags. Die unerfreuliche ist, dass sein Team nach zwei Niederlagen in Folge nun wieder um die direkte Qualifikation für die Champions League fürchten muss.
Immerhin waren die Schalker dem Erzrivalen erstmals seit zwei Jahren wieder fast auf Augenhöhe begegnet. "Dortmund ist einfach ein Stück weiter als wir", sah S04-Manager Horst Heldt danach ein und lobte den Gegner: "Es ist kein Zufall, dass sie 23 Mal hintereinander nicht verloren haben." In Wahrheit sind es nun sogar schon 25 Spiele ohne Niederlage - in einer Saison ist das Ligarekord.
"Meine Mannschaft hört einfach nicht auf, gierig zu sein", benannte Klopp die Basis für diese beeindruckende Serie und erhob den jüngsten Akt in der Reihe zu einer Art Krönungsmesse. Auf einen "Charaktertest auf hohem Niveau - so hoch, wie es vielleicht noch nie der Fall war" habe er sein Team vor dem Duell mit Schalke eingestimmt. Dann war der Test bestanden - und Torwart Weidenfeller strahlte stellvertretend für die BVB-Gemeinde: "Das ist eine absolut einzigartige Saison - mit herrlichen Siegen, die wir erringen. Wir freuen uns durch und durch."
Schalke 04 - Borussia Dortmund 1:2 (1:1)
1:0 Farfán (9.)
1:1 Piszczek (18.)
1:2 Kehl (63.)
Schalke: Unnerstall - Uchida (86. Marica), Papadopoulos, Metzelder, Fuchs - Moritz (68. Höger), Jones - Farfán, Draxler (71. Pukki) - Raúl, Huntelaar
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Felipe Santana, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Bender (46. Kehl) - Blaszczykowski (81. Perisic), Kagawa, Großkreutz (89. Owomoyela) - Lewandowski
Schiedsrichter: Manuel Gräfe
Zuschauer: 61.673 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Farfán (2), Fuchs (5), Jones (12) - Kehl (8), Schmelzer (4)
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