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BVB im Pokal-Halbfinale: Triumph der Abenteurer

Von , Dortmund

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Jürgen Klopp: "Das heute Abend tut uns allen gut"

Im Pokal-Viertelfinale gegen Hoffenheim spielte Dortmund eine Halbzeit lang schlecht - dann aber spektakulär wie zu großen Zeiten. "Dramatisch" und "geil" fand das Trainer Jürgen Klopp. Für die Pointe sorgte ein Routinier.

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Große Wellen eines fast schon vergessenen Glücks wogten im Anschluss an den abenteuerlichen 3:2-Erfolg von Borussia Dortmund über 1899 Hoffenheim durch das Stadion.

Es war spät geworden, der Sieger dieses Viertelfinalspiels im DFB-Pokal stand erst nach der Verlängerung fest, aber die Dortmunder Südtribüne war noch lange nach dem Abpfiff dicht besetzt und sang Lieder des Entzückens. Dankbar saugten die Leute die großen Gefühle auf, die in den 120 Minuten zuvor entstanden waren, und die Mannschaft tanzte.

Das Tempo, in dem sich grundlegende Emotionen im Fußball mitunter verändern, ist immer wieder faszinierend, denn nach dem 0:1 gegen den FC Bayern drei Tage zuvor waren dieselben Leute am selben Ort noch von tiefer Frustration erfüllt gewesen.

Nun sagte Trainer Jürgen Klopp: "Es war dramatisch, es ging hin und her, wir hatten zuletzt nicht so viele positive Ausreißer, wo man sagt: Das ist so richtig geil. Aber heute ist sicher so ein Abend." Und wie es sich für so ein gut inszeniertes Fußballdrama gehört, gab es auch einen echten Helden.

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BVB-Sieg über Hoffenheim: Siegtreffer in der Verlängerung
Sebastian Kehl, der dienstälteste Dortmunder, der nach der Saison seine sportliche Karriere beenden wird, zauberte in der Verlängerung ein Weltklassetor und bescherte der Show so eine würdige Pointe. "Ich arbeite jetzt sieben Jahre mit ihm zusammen und wusste gar nicht, dass er so was kann", sagte Klopp. Kehl selbst erklärte: "Im Herbst meiner Karriere ist das auch noch mal eine schöne Anekdote, die ich mitnehme."

Der 35-Jährige darf weiter davon träumen, in seinem letzten Spiel als Profi Pokalsieger zu werden. Wobei er sich diesen Gedanken nicht so recht erlauben mag: "Die Saison hat uns gelehrt, dass wir nicht zu viel träumen sollten", sagte Kehl.

Denn die Dortmunder hatten auch an diesem Abend ihre dunkle Seite gezeigt. Zwar gingen sie dank Neven Subotic früh in Führung (19. Minute), aber in der ersten Halbzeit spielte der BVB zu ungenau, zahllose Pässe landeten beim Gegner, das Offensivspiel hakte.

Die Unsicherheit der vergangenen Wochen war allgegenwärtig, und in der Abwehr passierten fürchterliche Fehler: Bei Kevin Vollands 1:1 ließ die in der Winterpause eingeführte Raumdeckung, die der BVB bei Standardsituationen spielt, dem Schützen grotesk viel Platz zum Abschluss (21.). Und die Hoffenheimer Führung durch Roberto Firmino bereitete Subotic mit einem schweren Fehler bei der Ballannahme vor (28.). "Dieser Abend war ein Spiegelbild dessen, was wir in dieser Saison so spielen", sagte Kehl.

"Eine geile Reaktion"

Denn nach der Pause spielte die Mannschaft plötzlich stark. "Wir haben dann einen mordsmäßigen Druck gemacht, das war eine geile Reaktion", sagte Klopp. Zwanzig Minuten lang spielte das Team geradezu entfesselt. Die Phase zwischen der 46. und der 65. Minute erinnerte an die Erfolgsjahre, in denen der BVB fast jeden Gegner überrennen konnte.

Pierre-Emerick Aubameyang köpfte das 2:2 (57.), bevor die Dortmunder - wie es sich für so ein echtes Drama gehört - noch ein paar Momente des Schauderns erlebten: Eugen Polanski (84.) und Firmino (85.) hatten kurz vor dem Ende gute Chancen, das Spiel für die Hoffenheimer zu entscheiden. Doch am Ende krönte Kehl den Abend mit seinem Tor in der Verlängerung (107.).

Klopp zog spontan seine gelbe Kappe vom Kopf, und das Publikum tobte. "Das heute Abend tut uns allen gut", sagte Klopp, "es werden Wunden geleckt, und davon haben wir genug." Den von Selbstvertrauen und blindem Verständnis geprägten Umschaltfußball früherer Jahre kann der BVB immer noch nicht konstant spielen, spätestens nach diesem Abend ist aber klar: Die Fähigkeit zum Abenteuer haben sich diese Mannschaft, dieser Trainer und dieses hingebungsvolle Publikum bewahrt.

Und vielleicht ist dieses Merkmal am Ende sogar noch wichtiger als der blanke Erfolg. Denn natürlich geht es im Unterhaltungsgeschäft Profifußball immer auch darum, Emotionen zu erzeugen und Geschichten zu produzieren. Auf diesem Gebiet agiert der BVB weiterhin meisterhaft, auch wenn das Tragische zuletzt viel zu häufig im Vordergrund stand.

An diesem Abend kam endlich mal wieder ein Kapitel dazu, dass die Anhänger so richtig glücklich machen kann.

Zusammengefasst: Borussia Dortmund hat im Viertelfinale gegen Hoffenheim wieder viele Fehler gemacht, aber phasenweise auch sehr stark gespielt und durch ein Traumtor letztlich gewonnen. Die Fähigkeit zum Abenteuer hat der BVB also immer noch.

Borussia Dortmund - 1899 Hoffenheim 3:2 (2:2, 1:2) n.V.
1:0 Subotic (19.)
1:1 Volland (21.)
1:2 Firmino (28.)
2:2 Aubameyang (57.)
3:2 Kehl (107.)
Dortmund: Langerak - Durm, Subotic, Sokratis, Schmelzer - Gündogan, Sven Bender (63. Kehl) - Blaszczykowski, Kagawa, Mchitarjan (101. Kampl) - Aubameyang (113. Ramos).
Hoffenheim: Baumann - Beck, Strobl, Bicakcic, Toljan (61. Kim) - Rudy, Schwegler (60. Amiri), Polanski - Volland, Firmino - Schipplock (101. Zuber).
Schiedsrichter: Aytekin
Zuschauer: 80.667 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Blaszczykowski (2), Kehl (2) - Schipplock, Schwegler, Volland (2), Firmino (2), Bicakcic

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insgesamt 82 Beiträge
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1. Das Bild des zähnefletschenden Herrn Klopp
Kater Karlo 08.04.2015
ist wieder eine Topleistung der SPIEGEL-Bildredaktion. Dass er das wieder "geil" (er verwendet das Wort ziemlich inflationär) fand, spricht auch nicht für das Niveau dieses Herren.
2. Grotten
joppop 08.04.2015
Nicht um anzusehen, grottenslechter fussbal!
3. Man gönnt es ja dem BVB
vhn 08.04.2015
Viel zu lachen haben die ja diese Saison nicht. Wenigstens das Spiel zu Hause gegen Hoffenheim gewonnen. Für den Pokalsieg müsste dann aber noch eine deutliche Steigerung her. Dafür reicht's diese Saison dann wohl nicht...
4. Super Spiel!
pass.opp.do 08.04.2015
Spannend wie der letzte Classico, bedingt durch die Unpässlichkeiten beider Mannschaften. Ganz große Unterhaltung, bitte mehr davon.
5. Das Gesetz lautet
c218605 08.04.2015
"Wenn Du nicht triffst, die anderen tun es" (Clarence Seedorf). Wie Argentinien gegen uns im WM Finale hat die eigentlich schwächere Mannschaft zwei Riesenchancen kurz vor Schluss erbärmlich ausgelassen. Mit derselben Konsequenz der Niederlage in der Nachspielzeit.
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1994 Werder Bremen
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1992 Hannover 96
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