BVB-Niederlage in Hamburg Mehr Gegentore als Darmstadt

Wegen schwerer Fehler hat Borussia Dortmund beim HSV 1:3 verloren. Trainer Thomas Tuchel ging mit seiner Mannschaft hart ins Gericht. Das zeigt auch: Der Fußball kehrt nach den Anschlägen in Paris zur Normalität zurück.

BVB-Trainer Tuchel: "Wir waren von der ersten Sekunde an nicht bereit"
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BVB-Trainer Tuchel: "Wir waren von der ersten Sekunde an nicht bereit"

Von , Hamburg


Borussia Dortmunds Trainer Thomas Tuchel ist ein eloquenter Redner, nicht nur in der Stunde des Sieges, sondern auch nach Niederlagen wie dem unerwarteten 1:3 (0:2) beim Hamburger SV. Ohne zu zögern oder zu stocken trug er zu später Stunde im Pressesaal des Volksparkstadions seine Analyse vor, die eher eine Abmahnung für seine Mannschaft war.

"Wir sind mindestens 45 Minuten dramatisch unseren Ansprüchen hinterhergehinkt. Wir waren von der ersten Sekunde an nicht bereit, mit der nötigen Intensität zu spielen und die Schärfe auszustrahlen, die wir bisher ausgestrahlt haben", tadelte Tuchel. Die Niederlage empfand er als gerechte Strafe und "vielleicht sogar heilsam", wie er sagte: "Es ist gut, dass wir es sofort zu spüren bekommen."

Es, damit meinte Tuchel die Auswirkungen der wohl schlechtesten Dortmunder Performance seit seinem Amtsantritt, bei der drei Fehler zu drei Gegentreffern geführt hatten. Das 0:1 in der 19. Minute verantwortete Torwart Roman Bürki mit einem ungestümen Einsteigen gegen Hamburgs Offensivmann Ivo Ilicevic. Pierre-Michel Lasogga verwandelte den fälligen Elfmeter. Das 0:2 durch Lewis Holtby kurz vor der Pause leitete Nationalspieler Matthias Ginter mit einem Fehlpass auf Nicolai Müller ein. Das 0:3 in der 55. Minuten besorgten die Dortmunder selbst: Mats Hummels köpfte den Ball nach einer Holtby-Ecke ins eigene Tor.

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Den Hamburgern, die in den vergangenen beiden Spielzeiten knapp dem Abstieg entgangen waren, genügte eine disziplinierte Abwehrleistung. Die Tore fielen fast von alleine. "Wir wussten, dass sie eine super Offensive haben aber in der Defensive auch Fehler machen", sagte HSV-Verteidiger Matthias Ostrzolek und umriss damit das Problem der Dortmunder. Im Angriff sind sie nicht zu bremsen, wenn sie erstmal in Schwung kommen, davon zeugen 36 Treffer in 13 Spielen. Pierre-Emerick Aubameyang gelang in Hamburg kurz vor Schluss sein 15. Saisontor, mit dem er sich an die Spitze des Torjäger-Rankings setzte. In der Abwehr ist der BVB allerdings anfällig, hat (bei einem Spiel mehr) schon mehr Treffer zugelassen als Darmstadt 98, der FC Ingolstadt und auch Schalke 04. Vom FC Bayern ganz zu schweigen.

Torwart Bürki, vor der Saison als Nachfolger von Roman Weidenfeller aus Freiburg geholt, leistete sich gegen den HSV nicht seinen ersten Fehler. Schon im Pokal gegen Paderborn hatte er ein Gegentor verschuldet. Hummels steckt im Leistungstief, sah schon beim 3:2 gegen Schalke zwei Wochen zuvor bei beiden Gegentoren schlecht aus und lieferte in Hamburg mit seinem Kopfball ins eigene Netz eine Szene mit Symbolwert für den Auftritt des BVB.

Ein Schritt zur Normalität

Die Dortmunder hätten es sich einfach machen und die Niederlage damit erklären können, dass die vergangenen Tage nicht einfach gewesen seien für die Mannschaft und speziell für Ilkay Gündogan, Hummels und Ginter, die eine Woche zuvor für das deutsche Nationalteam in Paris im Einsatz gewesen waren, als um sie herum der Terror losbrach, und die auch die Absage des Länderspiels in Hannover unmittelbar erlebt hatten. Doch die Partie in Hamburg war ein erster Schritt zurück zur Normalität.

Wegen strengerer Kontrollen beim Einlass und eines erhöhten Verkehrsaufkommens begann das Spiel mit einer Viertelstunde Verspätung, ansonsten gab es keine Auffälligkeiten. "Wir hatten wie immer eine sichere Anreise und einen sicheren Aufenthalt", sagte Dortmunds Trainer Tuchel. Nach der Schweigeminute, die vor Anpfiff für die Opfer der Anschläge von Paris abgehalten worden war, habe er sich nur noch mit dem Spiel beschäftigt.

Dass er aufrichtig empört war über die Vorstellung seiner Mannschaft, ist ein Indiz dafür, dass der Fußball wieder in den Mittelpunkt rückt nach Tagen, in denen vor allem die Frage behandelt worden war, wie groß die Bedrohung für den Sport ist. Hamburgs Trainer Bruno Labbadia gelang am Ende des Abends, die komplizierten Voraussetzungen und das Ergebnis des Spiels zu verbinden: "Wir dürfen uns die Freude nicht nehmen lassen. Und heute war für den HSV und unsere Fans ein Freudentag."

Hamburger SV - Borussia Dortmund 3:1 (2:0)
1:0 Lasogga (19., Foulelfmeter)
2:0 Holtby (41.)
3:0 Hummels (55., Eigentor)
3:1 Aubameyang (86.)
Hamburg: Adler - Gotoku Sakai, Djourou, Spahic (29. Cleber), Ostrzolek - Gideon Jung, Kacar (71. Gregoritsch) - Nicolai Müller, Holtby (82. Diaz), Ilicevic - Lasogga
Dortmund: Bürki - Ginter (46. Piszczek), Sokratis, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Weigl, Kagawa (46. Castro) - Mchitarjan, Aubameyang, Reus (69. Januzaj)
Schiedsrichter: Felix Zwayer
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Gelbe Karte: - Bürki

insgesamt 3 Beiträge
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benosst 23.11.2015
1. Bundesliga - Fifa
Im Grunde genommen geht es in 2. Linie um den Sport und in erster Linie um Geld. In meinen Augen sind die Strukturen der Bundesliga hinter den Kulissen genau so korrupt wie es bei der Fifa gelaufen ist. Jedes Jahr wird überlegt, wie man alle am K... hält, um die Kohle zu sichern. Die Vereine helfen sich gegenseitig und wenn auch ein Eigentor dazu erforderlich ist. Also ein ganz groß angelegter Betrug - wie bei VW. Ein gefundenes Fressen für die Presse. Nein kommt nicht raus - haben die bei VW auch gedacht. Aha, der eine hat einfach alles unterschrieben - so so - Rechtsanwälte können helfen, den Schaden zu minimieren - aber in meinen Augen kann Herr Beckenbauer die Bude von Uli Hoeneß übernehmen. Nun, wenn Herr Schily, ex BMI den Herrn Beckenbauer unterstützt, ist das nichts anderes, als wenn die Bundesregierung die VW Affäre gebilligt hatte. Jedenfalls durfte der TÜV nicht die Software prüfen. Ich glaube, dass in unserer schönen Republik vieles schief läuft - ich kann hier gar nicht alles erwähnen. Ich setze aber auf die Presse. Die bekommen das raus - früher oder später, egal - Hauptsache, es kommt raus.
briancornway 24.11.2015
2. Falscher Fuß
Das war eine Halbzeit lang wirklich ein halbherziger und schluffiger Auftritt. Vielleicht war da noch etwas Ablenkung in den Köpfen unterwegs, oder einfach Unkonzentriertheit. Am Umgang mit Niederlagen erkennt man den Wert eines Trainers. Am Umgang mit Niederlagen-Serien noch mehr. Bis jetzt hält Tuchel sich sehr gut. Und Hamburg bewegt sich inzwischen in Gefilden, die Hoffnung machen, dass man im Früjahr schon nicht mehr vom möglichen Abstieg sprechen muss. Ein erster Schritt, ein langer Weg.
benosst 06.12.2015
3. Geld darf den Sport nicht dominieren.
Im Grunde genommen müsste für die Profis eine Gehaltstabelle erstellt werden, die eine Begrenzung nach oben beinhaltet. Dies hätte vllt zur Folge, dass nicht das Geld, sondern der Sport wieder im Vordergrund steht. Es kann nicht sein, dass durch den Kauf von Spielern die finanziell starken Vereine den Sport dominieren. Sie würden sich damit der Langweiligkeit aussetzen, weil schon von vornherein klar ist, wer Meister wird. Aber nehmen wir mal Gladbach gegen Bayern - ich glaube, dieser Sieg der Gladbacher wurde angeordnet. Die Bundesliga könnte damit genau so korrupt sein, wie die Fifa, denn es geht ja um Fussball und die Strukturen könnten ähnlich sein. Gerechtigkeit müsste vordergründig sein. Das sehe ich bei den Verantwortlichen leider nicht. Ich sehe nur eins: Korruption. Die Spiele werden so verschoben, wie es passend ist, leider.
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