Dortmunds Sieg im DFB-Pokal Tuchels Finale

Trotz Pokal - die Zeit von Thomas Tuchel als Trainer des BVB geht zu Ende. Ein Finale mit Missklang, wie das Nachtreten von Kapitän Schmelzer zeigt.

Getty Images/ Bongarts

Aus Berlin berichtet


Das Flugzeug, das den Gewinner des DFB-Pokals nach Hause bringt, soll auf Höhe des Borsigplatzes mit den Tragflächen wackeln. Nach der Landung geht es dann schnell auf einen Truck, der die Geburtsstätte des Ballspielevereins Borussia von 1909 mehrfach umrunden wird. Dortmund feiert mal wieder, nachdem es in den drei Jahren zuvor jeweils Endspiel-Niederlagen im Olympiastadion gegeben hatte. "Es wurde Zeit, dass es mal wieder klappt", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, bevor er in den Grand Ballroom B eines noblen Berliner Hotels ging, in dem das Bankett vorbereitet worden war.

Pflichtgemäß wurde Watzke auch noch gefragt, wie es denn jetzt weitergehe mit dem BVB und Trainer Thomas Tuchel. Das müsse so etwa das 350. Mal gewesen sein, dass ihm diese Frage gestellt worden sei, nörgelte der Boss des Klubs. Möglicherweise war das noch untertrieben. Die Antwort lautete jedenfalls, dass es "in den nächsten Tagen" das schon lange anberaumte Gespräch geben wird.

"Es scheint mir zumindest ergebnisoffen", blickte Thomas Tuchel diesem Gespräch entgegen. Er sei gewillt, in das vereinbarte dritte Vertragsjahr zu gehen.

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Dortmunds Trainer Thomas Tuchel

Gehen - oder bleiben?

Der Trainer war in lockerer Kleidung mit seinen engsten Vertrauten zum Bankett erschienen und wehrte Nachfragen ab, weil er ja am Abend "alles schon zehn Mal erzählt" habe. Das kam hin. "Ich bin leer", war einer der mehrmals wiederholten Sätze, genau wie: "Ich bin extrem glücklich, diesen Titel gewonnen zu haben." Es war sein erster als Trainer eines Profiteams.

Nachdem Pierre-Emerick Aubameyang, der den entscheidenden Treffer zum 2:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt erzielte, den Pokal in den Ballroom geschleppt hatte, gingen die Türen zu. Im Gegensatz zu den Vorjahren waren Journalisten von dem Bankett ausgeschlossen. Damit entfielen weitere Deutungen von Umarmungen, Sätzen, lachenden und traurigen Gesichtern.

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BVB in der Einzelkritik: Mit Stil ans Ziel

Geblieben von dem Abend zuvor war ein Satz von Marcel Schmelzer. "Ich war schockiert", hatte der Kapitän gesagt. Warum dem bei Mitspielern und Fans extrem beliebten Nuri Sahin ein Platz im Kader verwehrt worden war, "habe ich nicht verstanden". Die Mannschaft jedenfalls stehe "hinter Nuri".

Im Video: Schmelzers Kritik an Thomas Tuchel

Noch bevor die Party begann, die später im "Club 09" richtig Fahrt aufnehmen sollte, waren die Linien damit klar gezogen. Torhüter Roman Bürki hatte sich zwar als erster Spieler klipp und klar dafür ausgesprochen, dass Tuchel auch in der kommenden Saison Trainer bei der Borussia bleiben solle, doch die Sätze des Kapitäns hinterließen den viel stärkeren Eindruck.

Der offene Affront gegen den Trainer am glücklichen Ende einer extrem schwierigen und belastenden Saison war bemerkenswert. Die Trennung von Tuchel ist weiter sehr wahrscheinlich, auch wenn die Saisonziele erreicht wurden.

"Ich fände es traurig, wenn das jetzt auseinanderbricht", sagte Marius Müller-Westernhagen als einer der prominenten Bankettgäste. Der Sänger, dessen Manager Olaf Meinking auch als Berater von Tuchel fungiert, bewertete das Gehabe beider Parteien in den vergangenen Wochen als "fast schon infantil". Westernhagen prophezeite Tuchel, dass er bei jedem Verein der Welt Erfolg haben werde, gleichzeitig sei er aber auch noch jung und müsse eine Menge lernen. Etwa: "Dass man diplomatisch sein kann, ohne sich zu verbiegen."

insgesamt 92 Beiträge
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butch82 28.05.2017
1. Sagt wohl einiges
Schmelzer wird schon mehr wissen als Tuchel selbst. Sonst hätte er das wohl nicht in solch einer Situation gesagt.
die Stechmücke 28.05.2017
2. Schmelzer ist überm Zenit
Er sollte derartige Bemerkungen lieber lassen, denn er wurde offensichtlich von dritter Seite angestachelt. Erneut zeigen die Fernsehbilder, dass ein Riss zwischen Mannschaft und Trainer nicht ableitbar ist. Orientieren sollte man sich am Kommentar des Bundestrainers.
die Stechmücke 28.05.2017
3. Schmelzer ist überm Zenit
Er sollte derartige Bemerkungen lieber lassen, denn er wurde offensichtlich von dritter Seite angestachelt. Erneut zeigen die Fernsehbilder, dass ein Riss zwischen Mannschaft und Trainer nicht ableitbar ist. Orientieren sollte man sich am Kommentar des Bundestrainers.
Nörgelkopf1 28.05.2017
4. Nun kommt die Diva "Madam BVB" wieder durch.
Tuchel lieferte, und Watzke verscherbelt. Wenn Tuchel geht, wird der BVB wieder mittelmäßig.
joe.micoud 28.05.2017
5.
Die Alten ( Sahin, Schmelzer, Bender, Piszczek, Watzke, Rauball, usw.) setzen sich gegen die Jungen ( Tuchel, Bürki, Auba, Dembele, Weigl, usw.) durch. Das ist meine Interpretation, die nicht der Weisheit letzter Schluss sein muss. Dumm nur, dass die Jungen auch die Guten sind und auch bald gehen könnten ohne Tuchel. Der Moment des Pokalsieges könnte der Beginn eines idiotischen, selbst verschuldeten Niedergangs sein.
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