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07. Dezember 2017, 11:16 Uhr

BVB-Niederlage bei Real Madrid

Mit gutem Gefühl ins Endspiel

Aus Madrid berichtet

Trotz der Pleite in Madrid wähnen die Dortmunder sich auf dem Weg der Besserung. Sportlich, aber auch bei der Heilung des belasteten Klimas innerhalb des Kaders. Nun hängt viel vom Ligaspiel gegen Werder ab.

Der Rasen des ehrwürdigen Estadio Santiago Bernabéu ist nicht nur die Bühne des aktuellen Weltfußballers Cristiano Ronaldo, in den Gängen dieses Bauwerks halten sich oft auch einige seiner Vorgänger auf. Zinédine Zidane natürlich, der arbeitet hier als Trainer, aber nach der 2:3-Niederlage von Borussia Dortmund bei Real Madrid ist Nuri Sahin zu seinem Erstaunen Kaká begegnet, der den Ballon d'Or 2007 gewann, und Fabio Cannavaro, dem Sieger von 2006. Der Dortmunder Mittelfeldspieler hat mit den beiden Legenden kurz geplaudert.

Die beiden hätten ihm bestätigt, "dass es für den Charakter der Mannschaft spricht", einen frühen 0:2 Rückstand aufgeholt, "und vielleicht sogar das 3:2 auf dem Fuß zu haben". Aus derart prominentem Munde müsse das ja wohl stimmen, schließlich hätten Kaka und Cannavaro zweifelsohne "Ahnung von Fußball", sagte Sahin. Die Dortmunder saugen derzeit jede Aufmunterung auf, wie ein Verdurstender das Wasser an der rettenden Quelle.

Etwas später war Marcel Schmelzer verdutzt, als ein Reporter seine Leistung lobte. "Ich komme gerade gar nicht damit klar, damit muss ich erst mal umgehen können", sagte der Kapitän mit ironischen und skeptischen Unterton. Beifall sind sie nicht mehr gewohnt, und tatsächlich wären viele Experten in besseren Zeiten auch nach diesem Abend hart mit den Dortmundern umgegangen.

Sie hätten die unkonzentrierte Anfangsphase kritisiert, nach zwölf Minuten stand es 2:0 für Real, außerdem blieben Chancen ungenutzt. Und am Ende ließen sie sich zu tief in die eigene Hälfte drängen - gegen eine Mannschaft, für die es um nichts ging und die einige ihrer besten Spieler schonte. Aber der BVB ist aktuell in einer schlechteren Form, insofern hatte Trainer Peter Bosz schon recht, als er sein abschließendes Resümee zog: "Heute haben wir wieder gezeigt, dass wir gut Fußball spielen können, dieses Spiel müsste für das Selbstvertrauen gut sein."

Nach dem erkämpften 1:1 in Leverkusen folgte immerhin der nächste kleine Schritt. Es waren einige gute spielerische Momente zu sehen, "hier in Madrid in so einer Phase so selbstbewusst Fußball zu spielen, das ist nicht selbstverständlich", sagte Schmelzer über die Stunde zwischen der 15. und 75. Minute. Und diese gute Phase habe wohl nicht zuletzt mit der Systemumstellung zu tun, die Bosz vorgenommen habe.

Zum dritten Mal hintereinander hatte die Mannschaft mit einer Dreierkette begonnen, das viel diskutierte 4-3-3, an dem der Trainer in seinen ersten Monaten mit sturer Konsequenz festgehalten hatte, ist erst mal abgeschafft. "Ich glaube, dass uns die Dreierkette im Moment guttut, das gibt uns ein gutes Gefühl für den Aufbau", sagte Sahin. Noch wichtiger ist aber eine andere Entwicklung: "Wir haben gezeigt, dass wir als Mannschaft auftreten", hob Neven Subotic hervor und lobte, wie er und seine Teamkollegen füreinander gearbeitet hätten.

Bei diesem Fortschritt handelt es sich offenbar um eine Folge der großen Aussprache, die nach dem 4:4 gegen Schalke stattgefunden hatte. Nach dieser Sitzung habe sich "einiges geändert, und deswegen haben wir heute auch wieder Fußball gespielt", sagte Sahin, ohne weitere Details aus dem Gespräch preisgeben zu wollen. Aber natürlich ging es auch um Probleme beim Zusammenhalt, möglicherweise um die Extravaganzen von Pierre-Emerick Aubameyang, der in Madrid beide Tore Dortmunder Tore geschossen hat. "Ich weiß nicht, ob wir heute das 2:2 gemacht hätten, wenn wir nicht so deutlich, nicht so ehrlich gewesen wären", sagte Sahin.

Aber gewonnen haben sie wieder nicht, und der traurige Rekord, als erstes Team der Champions League-Geschichte mit zwei Punkten in die Europa League eingezogen zu sein, ist nichts, worauf die Dortmunder stolz sein können.

Dafür haben sie mit dem Punkt in Leverkusen und diesem Abend in Madrid eine solide Grundlage für die Wende geschaffen, die am Samstag im Heimspiel gegen Werder Bremen (15.30 Uhr, TV: Sky; Liveticker SPIEGEL ONLINE) folgen soll. "Wir müssen das Spiel gewinnen", sagte Sahin, "das ist Fakt". Das klingt nach einem Endspiel.

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