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BVB-Niederlage in Mainz: Ein bescheidener Auftritt

Aus Mainz berichtet

BVB-Niederlage in Mainz: Lange Gesichter in Dortmund Fotos
Getty Images

Borussia Dortmund hat in Mainz die Chance vergeben, zwei Punkte auf den FC Bayern gutzumachen. Besonders in der Defensive zeigten sich beim BVB ungewohnte Schwächen. Ausreden ließen die Dortmunder aber trotzdem nicht zu.

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Die entscheidende Szene wollte Jürgen Klopp lieber nicht live miterleben. Gerade eben hatte der Mainzer Shinji Okazaki einen Handelfmeter verursacht, und der eingewechselte Ciro Immobile schickte sich an, diesen zum 1:1 in die Maschen zu hauen. Doch als der Italiener anlief, hatte sich Dortmunds Trainer längst abgewandt und fixierte konzentriert eine ganz bestimmte Stelle auf der voll besetzten Mainzer Haupttribüne.

"Ich habe oben meine Familie gesehen", erklärte Klopp nach der Partie. "Da dachte ich mir: Wenn die aufspringen, ist es sehr wahrscheinlich, dass das ein Tor für uns war. Aber dann haben die anderen gejubelt." Und das taten sie, weil Mainz-Keeper Loris Karius den vehement aber unplatziert geschossenen Strafstoß ohne größere Mühe gehalten hatte.

Eine halbe Stunde später stand die Dortmunder 0:2-Niederlage nach Toren von Okazaki (66.) und Matthias Ginter (74./Eigentor) endgültig fest, und im BVB-Lager herrschte eine Ratlosigkeit, die bis zur Heimfahrt anhalten sollte. Denn eigentlich hatte der BVB insgesamt die besseren Tormöglichkeiten gehabt und dabei zumindest in der ersten halben Stunde auch einen sehr ansehnlichen Fußball gespielt.

"Wir haben bei beiden Gegentoren sehr schlecht verteidigt"

In dieser Phase der Partie erinnerte das Dortmunder Spiel sogar streckenweise an die besseren Partien der vergangenen Jahre, in denen der BVB mit seinem ballsicheren Tempofußball viele Sympathien gewonnen hat. Warum der Sieg der Mainzer dennoch verdient war, wusste dann allerdings auch Klopp: "Wir haben sehr gut angefangen, toll Fußball gespielt und den Gegner gut durchbewegt. Aber wir haben bei beiden Gegentoren sehr schlecht verteidigt, deshalb haben wir verdient verloren."

Ähnlich äußerten sich auch Ginter und Sven Bender, die natürlich auch gemerkt hatten, dass ihrem Team der letzte Punch gefehlt hatte und dass sich vor allem im zweiten Durchgang ein paar zu viele Abspiel- und Stellungsfehler eingeschlichen hatten. Dennoch fiel auf, dass niemand im Dortmunder Lager nach Ausreden suchte. Dabei hätten sich durchaus einige angeboten.

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Fotostrecke: Kämpferische Hamburger, müde Bayern
Dass der Auftritt in der Champions League zu viel Kraft gekostet haben könnte, wollte Bender allerdings schon mal gar nicht gelten lassen. "Wir hatten ja sogar einen Tag länger Regeneration als vor dem Arsenal-Spiel." Und wenn eine Mannschaft zweimal den Pfosten trifft, dürfte von Pech geredet werden. Wenn ihr zudem noch so viele Top-Spieler fehlen - Marco Reus, Ilkay Gündogan, Nuri Sahin, Neven Subotic, Mats Hummels, um nur einige zu nennen - darf man auf mildernde Umstände plädieren. Doch auch das unterließen die Dortmunder. Vielleicht auch, weil sie wussten, dass ausgedehntes Lamentieren im Fernduell mit den Bayern nicht als Zeichen von Stärke interpretiert worden wäre.

Bayern-Punkt in Hamburg un ein gefühlter Sieg im Fernduell

Umso ärgerlicher war aus Dortmunder Sicht, dass sie aus den Punktverlusten des großen Rivalen kein Kapital schlagen konnten. Schließlich hatten die Bayern ja noch am Nachmittag beim 0:0 in Hamburg Federn gelassen. Nach der Dortmunder Niederlage erweist sich der Bayern-Punkt nun sogar als relativer Sieg.

Während die Dortmunder Spieler missmutig in die Kabine gingen, feierten ihre Mainzer Kollegen noch minutenlang mit dem eigenen Anhang. Dass nach dem Sieg in Berlin nun die Punkte sechs, sieben und acht eingefangen werden konnten, hat jedwede Zweifel an der Arbeit von Trainer Kasper Hjulmand verschwinden lassen. Die fünf nachverpflichteten Akteure - gegen Dortmund zählten vor allem Jonas Hofmann und Jairo Sampiero zu den auffälligsten Akteuren - haben die Qualität der Mannschaft sichtbar gehoben.

"Man sieht in unserem Spiel schon den Unterschied zur Frühphase der Saison", sagte der starke Johannes Geis. Das fand auch Mittelfeld-Kollege Julian Baumgartlinger, der allerdings vor allzu lauten Jubelarien warnte: "Vor sechs Wochen hieß es noch, dass nicht viel in unserem Spiel funktioniert. Da werden wir jetzt nicht den Fehler machen und sagen, dass wir alle Defizite abgestellt haben." Warum auch? Wer nach vier Spielen acht Punkte auf dem Konto hat, braucht sich schließlich nicht mehr selbst zu loben.

Mainz 05 - Borussia Dortmund 2:0 (0:0)
1:0 Okazaki (66.)
2:0 Ginter (74./Eigentor)
Mainz : Karius - Brosinski, Bell, Jara, Diaz - Geis, Baumgartlinger - Allagui (60. Samperio), Moritz (83. Koch), Hofmann (87. Djuricic) - Okazaki
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Ginter, Sokratis, Durm - Sven Bender (79. Maruoka), Jojic - Aubameyang, Kagawa (65. Mchitarjan), Großkreutz - Ramos (65. Immobile)
Schiedsrichter: Perl
Zuschauer: 34.000
Gelbe Karten: Geis / Großkreutz
Besonderes Vorkommnis: Karius hält Handelfmeter von Immobile (70.)

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1. Wieder einmal schön anzusehen....
roppel 21.09.2014
war das kollektive Reklamieren der BVB-Spieler, was prompt mit einem Strafstoss belohnt wurde, obwohl der Gegenspieler aus weniger als einem Meter Entfernung hart angeschossen wurde. Keine 2 Minuten nach diesem Elfmetergeschenk sah man Zorc und Klopp -letzterer selbstverständlich mit hasserfülltem Gesicht- wegen eines Einwurfes auf den Linienrichter und den 4. Offiziellen einbrüllen. Sympathisch ist anders.
2. Hallo roppel Der BVB wirkte kraftlos
axelmueller1976 21.09.2014
Zitat von roppelwar das kollektive Reklamieren der BVB-Spieler, was prompt mit einem Strafstoss belohnt wurde, obwohl der Gegenspieler aus weniger als einem Meter Entfernung hart angeschossen wurde. Keine 2 Minuten nach diesem Elfmetergeschenk sah man Zorc und Klopp -letzterer selbstverständlich mit hasserfülltem Gesicht- wegen eines Einwurfes auf den Linienrichter und den 4. Offiziellen einbrüllen. Sympathisch ist anders.
Das Spiel gegen Arsenal mit 11 Lauf-Km mehr hatte zu viel Kraft gekostet. Die laufintensive Pressingmaschine laugt die Spieler aus nur will es beim BVB keiner zugegen und leider hat man nur 1 dieses System. Die Mainzer wirkten frischer und sind genau so viel Km gelaufen wie der BVB. Klopp ist über sein eigenes System gestolpert. Und für die nächsten Tage stehen noch einige Spiele an da wird man nicht ungeschoren davon kommen. Der Abstand zu Bayern wird größer werden und dabei hatte man sich in Dortmund so viel vorgenommen.
3.
CaptainSubtext 21.09.2014
Zitat von roppelwar das kollektive Reklamieren der BVB-Spieler, was prompt mit einem Strafstoss belohnt wurde, obwohl der Gegenspieler aus weniger als einem Meter Entfernung hart angeschossen wurde. Keine 2 Minuten nach diesem Elfmetergeschenk sah man Zorc und Klopp -letzterer selbstverständlich mit hasserfülltem Gesicht- wegen eines Einwurfes auf den Linienrichter und den 4. Offiziellen einbrüllen. Sympathisch ist anders.
Zeigen Sie mir eine Mannschaft, die sich hier anders verhält, und ich zeige Ihnen einen ambitionslosen Amateurverein. Viel interessanter wäre eine Reaktion auf die ganz und gar nicht passive Abseitssituation zum 2:0 gewesen, wenn das das einzige oder entscheidende Tor gewesen wäre. Dann wäre was los gewesen.
4. @roppel
MarkusW77 21.09.2014
Jau das ist was ganz neues, das macht nur der BVB. Ich bin komplett gegen dieses Handelfmeter Gedöns, und dieser hätte nicht unbedingt gegeben werden müssen (allerdings hat der Mainzer klar die körperfläche vergrößert ) aber wie bewerten sie dann die Szene mit grosskreutz, wo er im Strafraum auch klar einen Elfer hätte fordern können, aber einfach weitermacht und den Ball noch flankt? Ohne reklamieren. Oder die von Müller bei den Bayern. Der schießt aus einem Meter den Hamburger an, und tobt dann wie Rumpelstilzchen rum. Sympathisch ist anders ;-)
5. Positiv sehen
Oihme 21.09.2014
Der BVB und dessen Fans können von diesem Spieltag auch etwas Positives mitnehmen: Was sich da u.a. bei den Mainzern, Hannoveranern oder Paderbornern alles an ausgeliehenen oder mit Rückkaufoption versehenen Exspielern des BVB tummelte (und brillierte), lässt für die Zukunft hoffen.
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