BVB-Pleiten und Verletzung Schwarze Woche für Schwarz-Gelb

Pleite in Wolfsburg, Saison-Aus für Verteidiger Neven Subotic: Borussia Dortmund hat zwei ganz bittere Rückschläge hinnehmen müssen. Und es kann noch schlimmer kommen.

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AP

Hamburg - Manchmal genügen wenige Worte, um so einen Fußball-Samstag zusammenzufassen. Michael Zorc brauchte nur drei. "Ein scheiß Tag", sagte der Sportdirektor von Borussia Dortmund am späten Abend in Wolfsburg, wo der BVB seine zweite Niederlage in dieser Bundesliga-Saison kassiert hatte. Noch schlimmer dürfte aber die Diagnose gewesen sein, die die Dortmunder Bosse aus dem Krankenhaus erreichte: Innenverteidiger Neven Subotic fällt wegen eines Kreuzbandrisses wohl für den Rest der Saison aus.

Nun sind Kreuzbandrisse, eine der schlimmsten Verletzungen für Sportler überhaupt, immer fatal. Aber im Fall von Subotic hätte es aus BVB-Sicht keinen ungünstigeren Zeitpunkt geben können. Denn in den verbleibenden sechs Wochen bis Weihnachten könnte sich für die Borussia die Saison fast schon entscheiden.

"Wir haben jetzt in dieser Woche zweimal verloren, das ist ein kleiner Rückschlag. Jetzt müssen wir sehen, dass wir aus der Länderspielpause gestärkt hervorgehen", sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke, dessen Team am Mittwoch in der Champions League zu Hause gegen den FC Arsenal eine bittere Pleite kassiert hatte (0:1). Dem Finalisten der Vorsaison droht in dieser Königsklassen-Spielzeit schon das Aus nach der Vorrunde.

Dortmund ist Dritter der Gruppe F, hat sechs Punkte und damit drei Zähler weniger als Spitzenreiter Arsenal und der Zweite SSC Neapel, bei dem der BVB verloren hatte. Gewinnt Dortmund das Rückspiel gegen die Italiener am 26. November im eigenen Stadion nicht, dürfte es das vorzeitige Aus in der Champions League bedeuten.

Zu wenig Abwehrspieler und zu schlechte Chancenverwertung

Drei Tage vor der Partie gegen Neapel empfängt die Borussia in der Bundesliga ein anderes Top-Team: den FC Bayern. Der Spitzenreiter hat nach seinem Heimsieg gegen Augsburg und der BVB-Pleite in Wolfsburg vier Punkte Vorsprung auf Verfolger Dortmund. Und in Anbetracht der Art und Weise, wie die Münchner in dieser Saison spielen, bräuchte der BVB schon einen Sieg gegen die Bayern, um die Meisterschaft noch offenzuhalten.

Aber wie soll das gelingen? Denn die Dortmunder haben in dieser Saison bislang zwei große Probleme: zu wenig Abwehrspieler und eine mitunter zu schlechte Chancenverwertung.

Zunächst zum Personal, wo der Ausfall von Subotic Trainer Jürgen Klopp in große Nöte bringt. Zwar hat der BVB-Coach in Mats Hummels und Sokratis noch zwei gute Innenverteidiger, aber dahinter keinen Backup mehr. Sollte einer der beiden aufgrund einer Verletzung oder Sperre fehlen, müsste Klopp improvisieren. Dann wären Sven Bender oder Kevin Großkreutz, beides etatmäßige Mittelfeldspieler, mögliche Kandidaten für die Innenverteidigung.

Nur noch zwei gesunde Innenverteidiger

Die Verletzung von Subotic ist ein weiteres Kapitel in der Krankenakte der Dortmunder Abwehrspieler. Lukasz Piszczek hat aufgrund einer Hüft-Operation überhaupt noch kein Spiel in dieser Saison absolviert, er wird auf der rechten Abwehrseite - bislang ausgesprochen gut - von Großkreutz vertreten. Links fehlte Marcel Schmelzer immer mal wieder, der deswegen auch nicht wirklich seinen Rhythmus gefunden hat. Dazu kommt der langfristige Ausfall von Ilkay Gündogan im defensiven Mittelfeld. Einer seiner Stellvertreter, Kapitän Sebastian Kehl, ist nach mehrwöchiger Verletzungspause erst vor kurzem wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen.

Probleme und Schwächen in der Defensive konnte Dortmund häufig dank der in dieser Saison spielerisch überragenden Offensive kompensieren, die sich in der Regel ein halbes Dutzend bester Chancen erspielt - Minimum. Aber deren Verwertung ist mitunter mangelhaft. Besonders krass war dies beim Spiel des BVB in Mönchengladbach, als Dortmund 27:6 Torschüsse hatte, jedoch 0:2 verlor. Gegen Arsenal unter der Woche betrug das Torschuss-Verhältnis 15:4 für den BVB, das Ergebnis lautete 0:1.

Und auch in Wolfsburg hätte Dortmund gewinnen können, wenn die Borussia ihre Chancen genutzt hätte. Doch die Bosse hatten Schiedsrichter Tobias Drews als Schuldigen ausgemacht, der bei zwei strittigen Zweikämpfen im VfL-Strafraum zwischen Robert Lewandowski und Ricardo Rodríguez weiterspielen ließ.

"Ich habe mir schon vor Jahren abgewöhnt, Entscheidungen von Herrn Drees zu kommentieren", ätzte BVB-Boss Watzke. Coach Klopp meinte, er sei sich "nicht so sicher, ob man das sagen soll, was man denkt". Er präsentierte stattdessen eine etwas eigenwillige Logik: "Wenn zwei so knappe Szenen sind, kann man eine geben."

Nur Dortmunds Torwart Roman Weidenfeller gab sich selbstkritisch und suchte die Schuld beim Team: "Wir haben Wolfsburg eingeladen und zu viele Freistöße zugelassen." Der 33-Jährige war am Freitag von Bundestrainer Joachim Löw erstmals für die Nationalmannschaft nominiert worden. "Das erfüllt mich mit Stolz, dass ich dabei sein darf", sagte Weidenfeller. Der Keeper dürfte der einzige Dortmunder sein, der die vergangene Woche nicht komplett abhaken möchte.

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banker1 10.11.2013
1. oha
wenige verteidiegr, ja schlechte chancenverwertung, hä, die unglaubliche effifizienz hat die borussia ausgezeichnet
nemensis_01@web.de 10.11.2013
2.
"Dortmund ist Dritter der Gruppe F, hat sechs Punkte und damit drei Zähler weniger als Spitzenreiter Arsenal und der Zweite SSC Neapel, bei dem der BVB verloren hatte. Gewinnt Dortmund das Rückspiel gegen die Italiener am 26. November im eigenen Stadion nicht, dürfte es das vorzeitige Aus in der Champions League bedeuten." Na das wollen wir doch mal hoffen.
atheistenpower 10.11.2013
3. Typisch
Das ist mal wieder so richtig typisch für Borussia Dortmund: Die Schuld liegt immer bei den anderen, meistens beim Schiedsrichter. An der eigenen Leistung kann es natürlich nicht liegen. Was für ein sympathischer Verein.
Kérdöjel 10.11.2013
4. Drees
"Am letzten Spieltag der Saison 2012/13 leitete Drees die Begegnung zwischen Borussia Dortmund und der TSG 1899 Hoffenheim. Drees entschied zweimal auf Elfmeter für Hoffenheim, zeigte Torwart Roman Weidenfeller die Rote Karte und verwehrte Dortmund die Anerkennung eines möglichen Ausgleichstreffers. Experten lobten Drees für seine mutigen und richtigen Entscheidungen."
schwerpunkt 10.11.2013
5.
Nach den schwarzen kommen auch sicher wieder gelbe Zeiten für die Borrusia wenn sie kein blaues Wunder erleben und sich dann grün ärgern. ... rot und weiss habe ich irgendwie nicht untergebracht. Pommes dazu?
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