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BVB-Pokalsieg gegen Stuttgart: Moral im Morast

Von , Stuttgart

REUTERS

Stuttgart wehrte sich nach Kräften, der BVB steht dennoch verdient im Pokal-Halbfinale. In einem Spiel mit schwierigen äußeren Bedingungen zeigte aber auch der VfB einmal mehr seinen Kampfgeist.

Thomas Tuchel wollte etwas loswerden. Damit auch jeder verstand, wie hoch der 3:1-Sieg seiner Mannschaft in Stuttgart "angesichts der Umstände" einzuschätzen sei, hob der Dortmunder Trainer die flache Hand gut 30 Zentimeter über den Kopf: "So hoch..."

Tatsächlich hatte sich der BVB den Einzug ins Halbfinale aus mehreren Gründen verdient: bessere erste Halbzeit, höhere individuelle Qualität gegen einen ordentlichen, im zweiten Durchgang sogar starken Gegner, solche Sachen. Doch der Grund, warum Tuchel die Hand hob, der galt für alle Spieler auf dem Platz: Wer bei den Wetter- und Bodenverhältnissen, die am Dienstag herrschten, mit solcher Hingabe über 90 Minuten einen so temporeichen Fußball zeigt, hat sich die Anerkennung tatsächlich verdient.

Nach gut einer Viertelstunde lösten dichte Regenböen über Stuttgart das vorherige Geniesel ab, von Minute zu Minute verschwand nun zunehmend das ursprüngliche Grün des Rasens unter einer dicken Matschschicht. Doch während das Spielgerät nach und nach die Eigenschaften eines Medizinballs auf einem Nordseestrand annahm, rannten die Spieler weiter - so schnell das eben ging. "Wir haben viel Moral gezeigt", sagte VfB-Coach Jürgen Kramny, "sind aber oft an der Qualität des Gegners hängengeblieben."

Aubameyang setzt seine Pokalserie fort

Warum letztlich Dortmund gewann und nicht der VfB, lässt sich vielleicht am besten anhand der BVB-Treffer erzählen, denn die zeugten alle drei von der individuellen Klasse im Team. Beim 1:0 schloss Marco Reus aus kurzer Distanz ab und chippte den Ball aus spitzem Winkel noch leicht - nur so hatte Mitch Langerak im VfB-Tor nun wirklich keine Chance mehr, an den Ball zu kommen. Beim 2:1 bediente Reus den Kollegen Pierre-Emerick Aubameyang mit einem zentimetergenauen Pass in die Schnittstelle der Stuttgarter Innenverteidigung - der Gabuner traf saisonübergreifend auch in seinem siebten Pokalspiel in Folge. Und beim 1:3 spielten Aubameyang und Henrich Mchitarjan einen Konter einfach mit der Konzentration zu Ende, die dem VfB in zwei, drei Situationen fehlte. Hohe Präzision bei hohem Tempo - und das in der 89. Minute im Morast.

Wenn sie im Stuttgarter Lager nach der Partie dennoch nicht wirklich deprimiert wirkten, lag das vor allem am starken zweiten Durchgang. Da hatte der BVB phasenweise gut damit zu tun, den Vorsprung zu verteidigen. Das Stuttgarter Team ist fit, es kombiniert und kämpft, ist nach Ballverlusten schnell wieder in der Grundordnung. Es stimmt schon: Mit der Mannschaft, die beim ersten Spiel unter Kramny am 29. November 1:4 in Dortmund verlor, hat diese Truppe nur wenige Wochen später nicht mehr viel gemein.

Stuttgarts bessere Balance unter Kramny

Und dennoch kam das Pokal-Aus vielleicht gerade zur richtigen Zeit. Galt der VfB noch vor wenigen Wochen als Abstiegskandidat, trauen ihm viele nun alles in der entgegengesetzten Richtung zu. Doch auch das ist Unsinn. Ja, der VfB wird in dieser Form vielleicht sogar noch einen einstelligen Tabellenplatz erreichen. Aber nein, nicht alles, was Ex-Coach Alexander Zorniger gesagt hat, war kompletter Unsinn. Dass Georg Niedermeier weder der Schnellste noch der Ballsicherste ist und deshalb viel zu viele Fouls braucht, um sauber aus Zweikämpfen rauszukommen, ist bei all seinen Qualitäten (die Zorniger tatsächlich übersah) nicht zu bestreiten. Bei seinem Foul an Mats Hummels (34. Minute) war der "Niederstrecker" (seit Jahren hart erarbeiteter Kosename in Stuttgart) jedenfalls mit der Gelben Karte gut bedient.

Und auch, wenn die Defensive insgesamt viel sicherer wirkt als noch unter Zorniger: Das liegt vor allem an der besseren Balance im Team und nicht daran, dass der VfB nun plötzlich vier Abwehrgiganten in seinen Reihen hätte, die Zorniger einfach falsch trainiert hätte. Besonders ordentlich machte es gegen die alten Kollegen allerdings Kevin Großkreutz, der seinem Trainer einen großen Gefallen damit tat, "dass er nicht überdreht hat, wie das viele erwartet haben".

Viel Freude dürfte man hingegen noch am Mittelfeld haben. Die Formation Dié-Rupp-Gentner-Didavi-Kostic gehört schon zum Besseren, was die Liga zu bieten hat. Gegen den BVB reichte allerdings auch das nicht zu einer Überlegenheit im Mittelfeld. Schließlich ist Dortmund ja auch das mit weitem Abstand zweitbeste Team im deutschen Fußball.

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1. ohne PEA
ddnomad 10.02.2016
ist Dortmund nur ein mittelmäßiger Verein. Das konnte man gestern in voller Pracht erleben. Bin gespannt ob er im Sommer bleibt.
2. kompliment an beide teams tolles spiel..
basecape-man 10.02.2016
und trotzdem hat dortmund verdient gewonnen.unsäglich lediglich das die kommentatoren der ard offenbar unfähig sind die aktion der bvb fans richtig zu bewerten .ich hätte hier auch mehr unterstützung der fans vom vfb erwartet.vielleicht sind ja wegen dieser eintrittspreise 10 000 vfb fans zu hause geblieben.
3. Soso
cap12 10.02.2016
Eine bessere Balance im Team, ja, die gibt es. Aber wer, wenn nicht der Trainer - in dem Fall Kramny - ist dafür verantwortlich? Etwas fachunkundig, Ihre Einschätzung.
4. Der Vfb ist schon ein gutes Team
maxderzweite 10.02.2016
aber es ist eben noch nicht Ligaspitze...einstelliger Tabellenplatz ist ok!
5.
muellerthomas 10.02.2016
Zitat von maxderzweiteaber es ist eben noch nicht Ligaspitze...einstelliger Tabellenplatz ist ok!
Das traue ich Stuttgart zwar auch zu, aber viel Platz ist dort nicht: Die beiden ersten Plätze dürften feststehen. Dahinter kommt die Überraschungsmannschaft aus Berlin mit immerhin 9 Punkten Vorsprung auf einen zweistelligen Tabellenplatz, dahinter mit S04, Leverkusen und Gladbach drei der vier üblichen Verdächtigen und Wolfsburg dürfte auch noch zu der Gruppe vorstossen. Damit wären aber schon sieben der einstelligen Plätze vergeben. Auf Platz sieben rangiert derzeit noch Mainz, auf Platz 9 Köln. Mit den beiden, plus vielleicht noch Hamburg und sogar Ingolstadt, müsste Stuttgart dann um die verbliebenen zwei Plätze um den goldenen Blumentopf kämpfen.
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