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Vor dem Derby gegen Schalke: Dortmund hat den Defensiv-Blues

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Dortmund vor Revierderby: Anfällige Abwehr Fotos
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Vor dem Derby gegen Schalke wirkt Vizemeister Dortmund instabil. Geplagt von Verletzungen, hat das Team Schwierigkeiten mit dem Kern seines Spiels: dem kollektiven Verteidigen. Der BVB droht, den Anschluss an die Spitze zu verlieren.

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Wiederholungen gibt es im Fußball ständig. Nach dem Training der fast immer gleiche Ablauf: essen, regenerieren, schlafen. Nächstes Training, nächstes Spiel. Und wieder von vorn. Eine Aneinanderreihung des Bekannten. Schon früh in der Bundesligasaison wiederholen sich bei Borussia Dortmund zusätzlich zum Trainingsalltag einige andere Muster aus der Vergangenheit. Gefallen können sie den Verantwortlichen nicht.

Da ist die Verletztenliste, die sogar noch länger ist als im Vorjahr. Und auch deshalb droht der BVB, ähnlich früh wie damals, den Kontakt zur Tabellenspitze zu verlieren. Vor dem sechsten Spieltag steht der Vizemeister nur auf Platz acht, es ist der zweitschlechteste Start unter Trainer Jürgen Klopp seit dessen Antritt im Sommer 2008.

Schwerer wiegt derzeit allerdings, dass der BVB angesichts seiner aktuellen, alten Probleme den Kern seines Spiels aus den Augen verloren hat: das kollektive Verteidigen.

Die bisher neun Gegentore, die Abwehrspieler Mats Hummels nach dem 2:2 gegen den VfB Stuttgart am vergangenen Mittwoch als "sehr schlechten Wert" (nur Bremen und Hertha BSC haben mehr) bezeichnet hatte, verdeutlichen die Schwäche des BVB eher unzureichend. Sie sind nicht das Ergebnis wirbelnder gegnerischer Offensivreihen, sondern eigener, teils hanebüchener Fehler.

"Mit dem Hintern wieder umgehauen"

Dem brillanten 2:0 in der Champions League gegen den FC Arsenal vor gerade einmal zehn Tagen folgten die Bundesligapartien in Mainz (0:2) und gegen Stuttgart, in denen Dortmund im Prinzip alle Tore selbst schoss. Vier davon landeten im eigenen Netz. "Was wir mit den Händen aufgebaut haben, haben wir mit dem Hintern wieder umgehauen", sagte Klopp nach dem Remis gegen den VfB. Direkt nach dem Schlusspfiff holte er das Team zu einer Besprechung in der Kabine zusammen.

Klopp weiß um die knifflige Lage. Mitten im heißen Herbst, mit weiteren 17 Spielen bis Mitte Dezember, sieht er die Grundtugenden des BVB-Spiels vernachlässigt. Zehn Feldspieler, die zusammen verteidigen, die richtigen Laufwege in die richtigen Räume machen, kollektiv verschieben, hoch attackieren, den Gegner zu Fehlern zwingen - und so Schaden vom eigenen Tor fernhalten. Das ist die Theorie.

"Das Besondere bei uns ist der defensive Ansatz", sagte Verteidiger Neven Subotic SPIEGEL ONLINE vor der Saison: "Unser Ziel ist es, stark gegen den Ball zu spielen." In der Praxis muss Klopp nahezu ständig improvisieren. In fünf verschiedenen Startformationen hat Dortmund in dieser Bundesligasaison schon versucht, zu null zu spielen - vergeblich. Saisonübergreifend blieb der BVB in den vergangenen zehn Ligaspielen nur zweimal ohne Gegentor.

Fünf Startformationen - fünfmal Gegentore

Auch deshalb hatte Klopp eine verbesserte Defensive als Ziel für die neue Saison genannt. Mit Nationalspieler Matthias Ginter vom SC Freiburg wurde ein weiterer Mann für die Innenverteidigung verpflichtet. Nun leidet die nominell für stärker befundene Abwehr (Subotic: "Wir haben insgesamt Qualität gewonnen in der Mannschaft, insbesondere in der Defensive") unter den Ausfällen und Abstimmungsproblemen in allen Mannschaftsteilen.

Gegen Stuttgart fehlten acht Profis, darunter mit Nuri Sahin, Ilkay Gündogan und Sebastian Kehl erneut ebenso wichtige wie langzeitverletzte Kräfte im defensiven Mittelfeld. Ihre Kollegen schafften nach dem 0:2-Rückstand mit hohem Aufwand (125,4 Kilometer Laufleistung) immerhin noch ein Remis. Der Rückstand auf den FC Bayern München an der Tabellenspitze wuchs trotzdem auf nun vier Punkte.

Zeit, im Training an den Abläufen zu feilen, bleibt angesichts der Termindichte kaum. Am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) empfängt der FC Schalke 04 die Borussia zum Revierderby. Gegen die Gastgeber, mit fünf Punkten aus den ersten fünf Partien selbst alles andere als wunschgemäß gestartet, dürfte Mats Hummels in die Startformation des BVB zurückkehren. Der neue Kapitän, der gegen Stuttgart seinen ersten Saisoneinsatz hatte, war zuvor als erster Aufbauspieler und Anführer nicht zu ersetzen.

Hummels muss sofort in einer weiteren brisanten Mission aufs Feld: Verliert Dortmund das Revierderby, wäre der Fehlstart perfekt.

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insgesamt 34 Beiträge
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1. Was soll man da sagen?
rosenblume 26.09.2014
Nicht jammern - arbeiten. Kloppo hat es immer hinbekommen, er wird es dieses Mal auch wieder schaffen. Keine Frage. Nur schade, dass der finanzielle Aufwand so verpufft. Es ist schon krank, dass so unglaublich gute Mannschaften wie Dortmund für ihre Qualität und ihre herausragende Arbeit mit Verletzungen bestraft werden.
2. Sehr guter Bericht
neuronenuser 26.09.2014
Dem man in allen Punkten zustimmen kann. Allerdings sieht die Welt schon wieder besser aus, wenn man am Samstag bei den Blauen 3 Punkte in der Turnhalle klarmacht.
3. Bin gespannt..
Turbo 26.09.2014
Bin gespannt, wen der BVB im Falle einer Niederlage als nächstes die Schuld zuschiebt. Gut, der Schiri wird es sowieso sein und Bayern ist sicher auch wieder an irgend etwas schuld. Vielleicht diesmal die DFL, die dem armen BVB so harte englische Wochen zumutet. Denn wenn man genau aufs Programm schaut - das wäre eine typische Klopp Analyse - haben Bayern und Leverkusen eigentlich viel leichtere Gegner in diesem Zeitraum gehabt. Und wo ist eigentlich Herr Watzke? Schon lange nichs mehr gehört. Wird Zeit dass er mal wieder was Feines von sich gibt: "Trotz erneuter Kapitalerhöhung haben wir längst nicht die Möglichkeiten eines FCB. Aber der ehrlichere Verein sind wir trotzdem!" Jawoll!
4. teilweise selbst schuld
the_speaker 26.09.2014
ist Dortmund an der Verletztenliste. Erstens haben viele Spieler durch WM eine höhere Belastung (wenn auch nur Hummels wirklich Stammspieler war, der Rest saß eigentlich nur auf der Bank), zum anderen hatten die Dortmunder bereits die letzten Jahre mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Ich denke das liegt an dem sehr intensiven und temporeichen Fußball, den der BVB spielt. Das ist zwar schön anzusehen und manchmal auch sehr erfolgreich, aber in der Breite hat Dortmund noch immer keinen Kader, um diesen Spielstil in 3 Wettbewerben bis zum Ende durchzuhalten.
5. Oh weh
suhlerin 26.09.2014
Dortmund hat verletzte Spieler. Schalke aber auch.Nur darüber spricht niemand.Und Schalke jammert nicht darüber. Das macht den Unterschied. Sollte Dortmund am Samstag verlieren,stellt dann bitte mal jemand hier die Trainer Frage!!!
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