BVB-Niederlage in der Champions League "Es geht auch um unseren Traum"

Nicht einmal 24 Stunden nach dem Bombenanschlag auf den Teambus standen die Dortmunder auf dem Platz - und verloren unglücklich gegen Monaco. Abseitstor, Eigentor: "Was schiefgehen konnte, ging schief", sagte Tuchel.

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Aus Dortmund berichtet


Es war nur ein kleiner Satz, den Thomas Tuchel zwischen seiner Anklage an die Uefa, dem Lob für die gute zweite Halbzeit und seinen Schilderungen über die Verarbeitung des Bombenanschlags auf den BVB-Bus versteckte. Sechs kleine Worte, mit denen er den Verlauf der 2:3-Niederlage gegen den AS Monaco zusammenfassen wollte, die aber ganz wunderbar als große Überschrift für diese schwierige Saison taugen: "Was schiefgehen konnte, lief schief", sagte der Trainer von Borussia Dortmund.

Eigentlich meinte er, dass den Gästen aus dem Fürstentum zwei Torschüsse für drei Treffer reichten, weil Sven Bender ein spektakuläres Eigentor geköpft hatte. Außerdem spielte er auf das 0:1 an, dem eine klare Abseitsposition vorausgegangen war, und auf das 1:3, das durch einen Fehler von Lukasz Piszczek begünstigt wurde. "Ein Abseitstor und zwei Eigentore", haderte Tuchel.

Aber natürlich beschrieben die Worte die Ohnmacht und das Ausgeliefertsein am Tag nach dem Anschlag.

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Viele Dortmunder hatten gehofft, dass nach den Erlebnissen vom Dienstagabend eine ganz besondere Energie entstehen würde, die das Team beflügelt. Doch es kam anders. "Die Mannschaft hatte einfach nicht das Gefühl, dass sie heute in der besten Fokussierung, in der besten Konzentration, in der Stimmung ist, in der du sein musst, um auf diesem Niveau in den Kleinigkeiten nachher den Unterschied zu machen", sagte Tuchel.

"Es geht auch um unseren Traum in der Champions League"

Das klang schon fast wieder nach Normalität. Der Trainer, der sich vorgenommen hatte, viel Verständnis für die Fehler seiner Spieler aufzubringen, hatte am Spielfeldrand gefuchtelt und Anweisungen auf den Platz gebrüllt wie immer. Mit bescheidenem Erfolg. Später erhob Tuchel dann seine schweren Vorwürfe, allerdings sei ihm noch ein anderer Punkt "wichtig an der ganzen Thematik", sagte der 43-Jährige.

Jenseits aller Zwänge und dem Bedürfnis, dem Terror zu trotzen, "geht es auch um unseren Traum in der Champions League". In den Duellen mit dem AS Monaco liegt die Hoffnung, eine schwierige Saison noch zu einem großen Erfolg zu machen, der jungen Mannschaft wertvolle Erfahrungen zu verschaffen und schöne Momente zu erzeugen. Tuchel und die Mannschaft hätten sich "zugetraut, hier zu gewinnen, aber wir wollten in der besten Form antreten, und dabei fühlen wir uns komplett übergangen", sagte der Trainer.

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Dortmunds Niederlage gegen Monaco: Gut gespielt, knapp verloren

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte durch die Austragung der Partie nur einen Tag nach dem Anschlag ein "Signal an die Welt" senden wollen. Vielleicht wäre es aber ein größeres Zeichen der Freiheit gewesen, sich über Terminprobleme hinwegzusetzen und mal genauer hinzusehen, wie die betroffenen Menschen sich fühlen, statt das Spiel einfach durchzuziehen.

"Ein Tor kann Gold wert sein"

Diese Saison ist ein Jahr der Hürden und Widrigkeiten für den BVB. Gerade schienen sich ein paar Dinge zu bessern, die internen Konflikte wurden nicht mehr ganz so häufig öffentlich ausgetragen, das Team für die neue Saison nimmt vielversprechende Konturen an, und die Hoffnung auf ein Champions-League-Halbfinale wirkte belebend. Und dann dieser Schock.

So ganz ist die Hoffnung auf eine Halbfinalteilnahme allerdings noch nicht verflogen. Nuri Sahin berichtete, wie er der Mannschaft nach dem dritten Gegentreffer zugerufen habe: "Wir brauchen noch ein Tor, ein Tor kann Gold wert sein!" Diesen Treffer haben sie dann tatsächlich noch geschossen. An einem besonderen Tag kann nun natürlich auch der erforderliche Sieg in Monaco gelingen, vielleicht entsteht ja doch noch eine machtvolle Energie im weiteren Verarbeitungsprozess der Mannschaft.

Doch dieser Abend war erstmal zu einem für diese Saison sehr typischen BVB-Erlebnis geworden: emotional, wechselhaft, unterhaltsam, bisweilen spektakulär - aber eben mit unbefriedigendem sportlichen Ertrag. Weil diese Mannschaft nicht erst seit den Anschlägen sehr verletzlich ist.

Borussia Dortmund - AS Monaco 2:3 (0:2)
0:1 Mbappé (19.)
0:2 Sven Bender (35. Eigentor)
1:2 Dembele (57.)
1:3 Mbappé (79.)
2:3 Kagawa (84.)
Dortmund: Bürki - Ginter, Sokratis, Sven Bender (46. Sahin) - Piszczek, Kagawa, Weigl, Schmelzer (46. Pulisic) - Dembele, Guerreiro - Aubameyang
Monaco: Subasic - Toure, Glik, Jemerson, Raggi - Fabinho, Moutinho - Silva (66. Dirar), Lemar - Falcao (85. Germain), Mbappé
Schiedsrichter: Daniele Orsato (Italien)
Zuschauer: 65.849 (ausverkauft)
Besonderes Vorkommnis: Fabinho schießt Foulelfmeter neben das Tor (17.)
Gelbe Karten: Sokratis (2), Ginter (2) - Jemerson (4), Lemar (2), Dirar, Fabinho (3), Subasic

insgesamt 38 Beiträge
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Steve1982 13.04.2017
1. Freiheit
Ich denke auch das ein Verschieben des Spiels durchaus ein größeres Zeichen der Freiheit hätte bedeuten können. Und dann muss man eben flexibel sein und nächste Woche auf neutralem Ort die Sache mit einem Spiel durchführen oder ähnliches.
Dr.Esel 13.04.2017
2. Das Spiel sollte wiederholt werden, der Fairness wegen!
Ein Unding, das Spiel nach den Geschehnissen stattfinden zu lassen... Derjenige in der UEFA, der diese Entscheidung zu verantworten hatte, sollte seinen Hut nehmen.
Sal.Paradies 13.04.2017
3. Bitte einen Faktencheck!
Es wäre schön, wenn hier mal ein Faktencheck durchgeführt wird. Wann genau haben Watzke+Rauball beschlossen den BVB am nächste Tag antreten zu lassen? War es wirklich so, dass Tuchel und sein Team über eine SMS darüber informiert wurden, dass sie am nächsten Tag anzutreten haben und dies ohne jegliche Rücksprache der wirklichen "Opfer", also der vom Anschlag betroffenen Spieler? Hat Watzke wirklich einen "Appell" an die unter Schock stehenden Spieler gerichtet, dass "Sie" jetzt ein "Zeichen" zu setzen haben? Ab wann wurden Psychologen involviert und wie konnten diese auf die Spieler einwirken? Wenn Hr.Watzke jetzt behauptet jeder Spieler hätte "frei" entscheiden können, kann ich das nur als Hohn empfinden, da er selbst (in der Kabine und seine Aussage im Stadion zusammen mit Rauball) die Mannschaft einem psychischen Zwang aussetzte und ihm klar sein musste, wie Menschen einer "Gruppendynamik" unterliegen. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Anschlagsopfer noch völlig unter Schock standen und zu einer klaren Entscheidung gar nicht in der Lage waren !! Es war einem einzelnen Spieler psychisch gar nicht möglich eine "eigene" Entscheidung zu treffen, denn diese hätte bedeutet die "Gruppe" im Stich zu lassen. Ein hier ausgelöstes Schamgefühl hätte gar nicht zugelassen ein solches "NEIN" auszusprechen ohne einen extrem heftigen Konflikt bei sich selbst auszulösen. Wenn Watzke behauptet die Spieler hätten frei entschieden ist das blanker Unsinn. Diese Geschichte hinterlässt bei mir einen übelsten Geschmack und ab heute sehe ich Menschen wie Watzke und vor allem dieser Labertasche Rauball (die Spieler sind "Profis" und stecken das weg) in einem gänzlich anderen Licht. Von Rauball habe ich nichts anderes erwatet, aber das Aki Watzke so handelt? Wenn das wirklich so war, dann ist er ganz eindeutig nicht in der Lage Menschen/Angestellte adäquat+empathisch zu führen, was mich selbst traurig macht, da ich ihn für einen sehr fähigen Manager halte. Schaut Euch bitte mal an, was z.b. Rauball 90 Minuten nach dem Anschlag im Stadion für einen unsäglichen Stuss erzählt? Da fehlen einem einfach nur noch die Worte........:-((
waltersfritz 13.04.2017
4. Zu 2.
Es wird immer nur aus der Sicht des BVB argumentiert. AS Monaco hat sicher auch Terminprobleme. Was kann die UEFA dazu, dass die Sicherheitsbehörden in NRW versagt haben? Die Termine stehen seit Langem fest. Beim BVB hat man wohl auch auf die Einnahmen im Interesse der Aktionäre geguckt und weniger darauf ein Zeichen setzen zu wollen.
Boesor 13.04.2017
5.
Zitat von Sal.ParadiesEs wäre schön, wenn hier mal ein Faktencheck durchgeführt wird. Wann genau haben Watzke+Rauball beschlossen den BVB am nächste Tag antreten zu lassen? War es wirklich so, dass Tuchel und sein Team über eine SMS darüber informiert wurden, dass sie am nächsten Tag anzutreten haben und dies ohne jegliche Rücksprache der wirklichen "Opfer", also der vom Anschlag betroffenen Spieler? Hat Watzke wirklich einen "Appell" an die unter Schock stehenden Spieler gerichtet, dass "Sie" jetzt ein "Zeichen" zu setzen haben? Ab wann wurden Psychologen involviert und wie konnten diese auf die Spieler einwirken? Wenn Hr.Watzke jetzt behauptet jeder Spieler hätte "frei" entscheiden können, kann ich das nur als Hohn empfinden, da er selbst (in der Kabine und seine Aussage im Stadion zusammen mit Rauball) die Mannschaft einem psychischen Zwang aussetzte und ihm klar sein musste, wie Menschen einer "Gruppendynamik" unterliegen. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Anschlagsopfer noch völlig unter Schock standen und zu einer klaren Entscheidung gar nicht in der Lage waren !! Es war einem einzelnen Spieler psychisch gar nicht möglich eine "eigene" Entscheidung zu treffen, denn diese hätte bedeutet die "Gruppe" im Stich zu lassen. Ein hier ausgelöstes Schamgefühl hätte gar nicht zugelassen ein solches "NEIN" auszusprechen ohne einen extrem heftigen Konflikt bei sich selbst auszulösen. Wenn Watzke behauptet die Spieler hätten frei entschieden ist das blanker Unsinn. Diese Geschichte hinterlässt bei mir einen übelsten Geschmack und ab heute sehe ich Menschen wie Watzke und vor allem dieser Labertasche Rauball (die Spieler sind "Profis" und stecken das weg) in einem gänzlich anderen Licht. Von Rauball habe ich nichts anderes erwatet, aber das Aki Watzke so handelt? Wenn das wirklich so war, dann ist er ganz eindeutig nicht in der Lage Menschen/Angestellte adäquat+empathisch zu führen, was mich selbst traurig macht, da ich ihn für einen sehr fähigen Manager halte. Schaut Euch bitte mal an, was z.b. Rauball 90 Minuten nach dem Anschlag im Stadion für einen unsäglichen Stuss erzählt? Da fehlen einem einfach nur noch die Worte........:-((
Watzke und Rauball waren, vor allem so kurz nach dem Anschlag doch selbst völlig überfordert und noch gar nicht über das ganze Ausmaß des Anschlags informiert. Ja, vielleicht hätten sie lieber geschwiegen, aber ich finde Sie brechen etwas voreilig den Stab über zwei menschen, die selbst nicht allzu große Erfahrung mit solchen Situationen haben.
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