BVB-Sieg gegen Eintracht Frankfurt Fragil bis zum Schluss

Auch wenn Michy Batshuayi sein Team in der Nachspielzeit rettete: Jedes einzelne Spiel bleibt kompliziert für den BVB. Für Trainer Peter Stöger war entscheidend, dass seine Profis jetzt auch "unangenehme Dinge" machen.

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Aus Dortmund berichtet


Professionelle Fußballer werden an Taktiktafeln und mithilfe von Videos geschult, sie studieren Laufwege ein und müssen ihre Gegenspieler in bestimmten Winkeln "anlaufen". Trotzdem sind sie auch immer noch Improvisationskünstler.

Gonzalo Castro etwa fiel, als einem Pass von Marcel Schmelzer die Präzision fehlte. Castro köpfte den Ball im Sitzen hoch und übergab an André Schürrle, der sich gleich drei Gegnern ausgesetzt sah. Hilft ja nichts, nicht in der 94. Minute. Schürrle sprintete mit dem Ball los, verlor ihn, gewann ihn wieder, passte in die Mitte, abgewehrt. Castro, der inzwischen wieder stand, spielte auf Lukasz Piszczek, der schaufelte den Ball in die Mitte, dort stand Michy Batshuayi, der ihn ins Tor drosch.

Der 3:2-Siegtreffer von Borussia Dortmund gegen Eintracht Frankfurt war in seiner Vollendung große Fußballkunst, in der Entstehung jedoch ein Mix aus Willen, Glück und Zufall. Er zeichnete damit ein perfektes Bild des BVB.

"Dann war's Mist"

Peter Stöger sprach über die erste Halbzeit als "die beste seit etlichen Wochen". Genauer betrachtet war nur die erste halbe Stunde richtig gut. Dann ließen die Borussen in ihrem Eifer nach, den Gegner früh zu stören. Nach der Pause, als die Frankfurter zeigten, wie sie auf den Kurs Champions League gekommen waren, lief der BVB plötzlich hinterher, zeigte die Schwächen in der Defensive deutlicher und vermasselte viele Pässe.

"Dann war's Mist", sagte Marco Reus auf die Frage, was in der zweiten Halbzeit passiert sei. Zwei Tage vor dem Spiel gegen die Eintracht gab der Verein bekannt, dass Reus einen neuen, bis 2023 gültigen Vertrag unterschrieben habe. "Davon können Sie ausgehen", sagte er nach dem Schlusspfiff auf die Frage, ob ihm eine überzeugende Perspektive aufgezeigt worden sei.

Wie die aussieht, beschrieb Reus. In der laufenden Saison gelte es, irgendwie mindestens Tabellenvierter zu werden und so in die Champions League zu kommen: "Danach müssen wir uns kontinuierlich gut aufstellen, dann sehe ich eine positive Zukunft." Acht Spiele bleiben noch in der Bundesliga, bis die Zukunft nach Reus' Rechnung beginnt. Trainer Peter Stöger warnte schon vor: "Es wird wohl bis zum Saisonende so bleiben, dass es mal nicht so rund läuft."

Die BVB-Spieler machen auch "unangenehme Dinge"

Die Entlassung von Peter Bosz, der Abgang des streikenden Pierre-Emerick Aubameyang, die von Sportdirektor Michael Zorc eingestandenen Probleme innerhalb der Mannschaft: Stöger nannte das "Diskussionen, die nicht spurlos vorbeigegangen" seien. Die Lösungen werden noch dauern, bis dahin müssen akzeptable Regelungen gefunden werden.

Auf einem Problemfeld sah der Trainer gegen Frankfurt deutliche Fortschritte. "Die Spieler haben sich gewehrt. Sie waren bereit, unangenehme Dinge zu machen, was nicht ihre Spezialität ist", lobte Stöger den Einsatz in den schwierigen Phasen, den er in vielen Partien zuvor in gleichen Situationen vermisst habe.

Der Leistungsabfall in der zweiten Halbzeit dürfte auch mit der Auswechslung von Mahmoud Dahoud zu tun gehabt haben. Der Mittelfeldspieler war im Sommer aus Gladbach gekommen und hatte Anlaufschwierigkeiten. In den vergangenen Wochen steigerte er sich, gegen Frankfurt war er stark, aber auch eine Spur zu aggressiv, weshalb er vor einem Platzverweis stand und zur Pause vom Platz genommen wurde.

Es bleibt alles fragil beim BVB. Wenn es endlich mal passt, tauchen an anderer Stelle wieder Probleme auf. Auch der Trainer gab dafür ein Beispiel: Stögers Plan eines forschen Pressings zu Beginn ging auf. Dass er Michy Batshuayi zunächst auf der Bank ließ, auch um "den Druck von ihm zu nehmen", zahlte der Stürmer mit zwei Toren zurück. Aber seine Idee, die Frankfurter in der Schlussphase weit hinten zu erwarten und eine Fünferkette zu formieren, nachdem Innenverteidiger Sokratis für Reus ins Spiel gekommen war, ging daneben. Die Eintracht kam mühelos ins Angriffsdrittel und in der 91. Minute zum 2:2-Ausgleich.

Das 3:2, entsprungen aus der Improvisationskunst, kommentierte Stöger so: "Man könnte sagen, dass es Mentalität ist, aber wenn du in der 94. Minute den Siegtreffer schießt, gehört auch Glück dazu."

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Seite 1
cirus27 12.03.2018
1. natürlich gehört auch glück dazu
aber man muß das glück auch bis zur letzten minute erzwingen wollen. ich habe ein tolles fußballspiel gesehen, auch dank eintracht frankfurt. borussia dortmund ist auf dem richtigen weg, eintracht frankfurt auch. mit schalke, leverkusen und leipzig, vielleicht sogar gladbach, wird die nächste saison hoffentlich weniger langweilig als diese - jedenfalls was die meisterschaft selbst angeht...
cava63 12.03.2018
2. Dusel-Dortmund...
... und das schon seit der Fast-Abstiegssaison 2014/15, inclusive Schiri-"Glück". 94. Minute, da war doch was? Eines muss man Peter Stöger lassen: Er hebt den Dusel auf eine neue Stufe. Natürlich könnte man jetzt einwenden, dass man sein Glück öfter erzwingen kann, wenn man es z.B. mit entsprechender Moral bis zum Schluss versucht, an seine Stärken glaubt etc. ... Alles gut, würde ich gelten lassen! Aber das lassen BVB-"Fans" unter den Foren-Bespaßern ja bei anderen auch nicht gelten. Insofern besonders interessant, dass gleich im ersten Kommentar darauf hingewiesen wird.
gnarze 12.03.2018
3.
Zitat von cirus27aber man muß das glück auch bis zur letzten minute erzwingen wollen. ich habe ein tolles fußballspiel gesehen, auch dank eintracht frankfurt. borussia dortmund ist auf dem richtigen weg, eintracht frankfurt auch. mit schalke, leverkusen und leipzig, vielleicht sogar gladbach, wird die nächste saison hoffentlich weniger langweilig als diese - jedenfalls was die meisterschaft selbst angeht...
Da muss ich Sie leider enttäuschen, auch die nächste Saison wird wieder langweilig, weil qualitativ auf ganz weitem Feld keine Mannschaft den Bayern das Wasser reichen kann. Die Bayern haben zusätzlich bereits jetzt den Generationswechseleingeleitet und sind trotzdem qualitativ besser geworden, ohne weitere Transfers, die noch folgen könnten. Goretzka ist trotz seiner Jugend bereits ein herausragender Spieler, und Gnarby hat in Hoffenheim einen weiteren Schritt getan. In Dortmund - dem finanziell zweitbesten aufgestellten Verein - kann man nur hoffen, dass einige Neuzugänge einschlagen werden. Da hängt aber noch einiges in der Schwebe, mit großem Unsicherheitsfaktor. Mal abwarten, ob nun auch mal das große Geld in die Hand genommen wird, oder wieder auf Hoffnung auf günstige Nachwuchskräfte gesetzt wird.
Oihme 12.03.2018
4. Goretzka und Gnabry haben bisher keine Sekunde für Bayern gespielt
Zitat von gnarzeDa muss ich Sie leider enttäuschen, auch die nächste Saison wird wieder langweilig, weil qualitativ auf ganz weitem Feld keine Mannschaft den Bayern das Wasser reichen kann. Die Bayern haben zusätzlich bereits jetzt den Generationswechseleingeleitet und sind trotzdem qualitativ besser geworden, ohne weitere Transfers, die noch folgen könnten. Goretzka ist trotz seiner Jugend bereits ein herausragender Spieler, und Gnarby hat in Hoffenheim einen weiteren Schritt getan. In Dortmund - dem finanziell zweitbesten aufgestellten Verein - kann man nur hoffen, dass einige Neuzugänge einschlagen werden. Da hängt aber noch einiges in der Schwebe, mit großem Unsicherheitsfaktor. Mal abwarten, ob nun auch mal das große Geld in die Hand genommen wird, oder wieder auf Hoffnung auf günstige Nachwuchskräfte gesetzt wird.
Vielleicht bemerken Sie ihren Logik-Fehler selbst. Erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit von Ihnen der Durchbruch noch nicht einmal in München spielender Bayern-Verpflichtungen als sicher verkündet wird, aber gleichzeitig den jungen BVB-Spielern, die in dieser und der letzten Saison im BVB-Trikot ihr herausragendes Können längst unter Beweis stellten, jede Qualität abgesprochen wird.
diewildedreizehn 12.03.2018
5. Guter Witz
Das "herausragende Können von jungen BVB-Spielern" - der war echt klasse. Nicht einfach nur ordentlich bis manches mal gut, nein, es muss gleich herausragend sein. Ich leg mich nieder. Und ich bin ja so was von gespannt auf die kommenden herausragenden Leistungen dieser herausragenden Spieler. ;-)
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