BVB-Siegtorschütze Sancho Nach oben

Nach einer für ihn schwierigen Woche hat Jungstar Jadon Sancho das Revierderby für Borussia Dortmund entschieden. Kapitän Marco Reus ist stolz - und die Fans feiern.

Jadon Sancho
SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX

Jadon Sancho

Aus Dortmund berichtet


Der Blick ging gen Himmel, Jadon Sancho schickte einen Gruß nach oben. Soeben hatte er mit seinem Tor das Spiel entschieden. Das Spiel, in dem ein Sieg mehr bringt als nur drei Punkte.

Noch am Donnerstag hatte Sancho mit dem Training ausgesetzt, war noch London geflogen, zu seiner Familie, um den Tod seiner Großmutter zu betrauern.

Freitagabend kam er zurück. "Er wollte unbedingt trainieren und dann auch spielen. Aber klar, es war eine schwierige Woche für ihn", sagte Lucien Favre. Der Trainer gewann gleich sein erstes Derby mit Borussia Dortmund beim FC Schalke 04 mit 2:1.

"Es ist ein großartiges Gefühl, das Tor zum Sieg geschossen zu haben. Starke Leistung von den Jungs", schrieb Sancho bei Instagram. Dazu postete er ein Foto, das ihn auf den Knien zeigt, das Gesicht auf den Rasen gedrückt. "Es war eine schwierige Woche für mich persönlich. Das Tor widme ich meiner Oma. Ich werde sie immer lieben. Ich weiß, dass sie mit einem Lachen auf mich blicken wird", schrieb Sancho weiter.

Es gab schon vorher viele Gründe für die Familie Sancho, auf den 18 Jahre alten Jadon stolz zu sein. Er ist englischer Nationalspieler, gehört zur ersten Besetzung beim Tabellenführer der Bundesliga, erzielte in dieser Saison nun schon fünf Tore, dazu kommen acht Assists.

Großer Empfang für die Derbysieger

Hunderte Fans des BVB empfingen die Derbysieger am Abend. Sie zündeten Feuerwerkskörper am Trainingsgelände im Dortmunder Stadtteil Brackel und feierten die Spieler. Die Bilder erinnerten an ein Derby im September 2010, als Shinji Kagawa von den Fans auf Händen getragen wurde. Der Japaner hatte in seinem ersten Spiel gegen Schalke zwei Tore zum Sieg beigetragen.

Für Sancho war es schon das zweite Derby. Das erste hatte er sang- und klanglos mit 0:2 in Gelsenkirchen verloren. Damals empfingen die Fans die Mannschaft mit Beleidigungen.

"Ich bin unheimlich stolz", sagte Marco Reus nun, in der Hochstimmung des Sieges. "Vor allem Jadon tut's unheimlich gut. Es zeigt auch seine gute Mentalität, dass er unbedingt spielen und uns helfen wollte."

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Sancho zeigte bei seinem Treffer, dass er nervenstark beim Torschuss ist. Er zeigte bei zahlreichen Dribblings seine Finten. Die Eigenschaft, die Sancho jedoch zu einem solch außergewöhnlichen Talent macht, ist sein Tempo. Sogar die Fans des FC Schalke raunten mit leiser Anerkennung, wenn Sancho an mehreren Königsblauen vorbeizog.

Kurz mal aufgedreht, Doppelpass mit Raphaël Guerreiro, im Sprint mit Ball locker an Sebastian Rudy und Salif Sané vorbei - 2:1. "Das war eine Ausnahmeleistung, wenn man weiß, was in dieser Woche war", lobte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc den Flügelspieler, der im Sommer 2017 von Manchester City nach Dortmund gekommen war.

Der FC Bayern hätte ihn auch gerne gehabt, um für die Zeit nach Franck Ribéry und Arjen Robben gewappnet zu sein, die bald anbrechen wird. Sancho war aber schon sehr weit in den Verhandlungen mit dem BVB und sah dort die Chance, auf Anhieb häufiger zu spielen. Inzwischen kommt er auf 26 Bundesligaspiele und fünf Einsätze in der Champions League.

Weltmeister ist er auch bereits geworden, mit der U17 Englands. Das Turnier in Indien verließ er aber im Oktober 2017 nach Absprache zwischen Verband und dem BVB nach der Vorrunde. Damals hatte gerade Dortmunds sportlicher Sinkflug unter Trainer Peter Bosz begonnen, den ein 4:4 gegen den FC Schalke nach 4:0-Pausenführung beschleunigte.

Etwa 14 Monate später ist der BVB souveräner Tabellenführer und Favorit auf die Meisterschaft. "Es ist eine Menge drin in dieser Saison. Da brauchen wir gar nicht drumherum zu reden", sagte Reus in Gelsenkirchen. Der Derbysieg dank Sancho lässt die Dortmunder nun auch verbal offensiver auftreten.



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
rjb26 09.12.2018
1. da gibt es nichts zu diskutieren
die Dortmunder haben ein tolles Team, einen tollen Trainer und tolle Fans
andreasm.bn 09.12.2018
2. Jadon ist ein richtig Guter,...
er sollte es nur ab und zu mit den Dribblings und Übersteigern nicht übertreiben, flanken bringt da manchmal mehr Zählbares.
sirraucheinviel 09.12.2018
3.
Zitat von andreasm.bner sollte es nur ab und zu mit den Dribblings und Übersteigern nicht übertreiben, flanken bringt da manchmal mehr Zählbares.
Nunja, 8 Assists in der Saison zeigen doch eigentlich, daß er das schon gut verinnerlicht hat und mittlerweile brutal mannschaftsdienlich spielt, oder ?
immerfroh 09.12.2018
4.
Zitat von andreasm.bner sollte es nur ab und zu mit den Dribblings und Übersteigern nicht übertreiben, flanken bringt da manchmal mehr Zählbares.
Lässt ihn mal so spielen. Er ist erst 18. Diese Spielweise erinnert schon an den jungen M.Götze. Wenn man als solches Talent zu früh in taktische Korsetts gezwängt wird, kann das eben dazu führen, wo der gegenwärtige M.Götze jetzt steht.
Broko 09.12.2018
5.
So richtig vom Hocker reißt einen dieser Fußball auch nicht: I.d.R. 70 Minuten Zweckfußball, dann ein lichter Moment - mal sehen, wie lange das noch gutgeht! Die Meisterschaft ist noch lange nicht entschieden - mal sehen, was passiert, wenn sich die ersten Leistungsträger in größerer Zahl wie beim FC Bayern verletzen, oder wie der BVB durch den Januar/Februar kommt, wenn das Geläuf tiefer wird ...
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