Ausschreitungen bei Dortmund vs. Hertha Polizei verteidigt Einsatz gegen Berliner Fans

Über 60 Verletzte - so lautet die Bilanz nach den Krawallen bei Herthas Auswärtsspiel in Dortmund. Die Polizei nannte ihr Vorgehen alternativlos, der DFB kündigte Ermittlungen gegen die Klubs an.

Auswärtsspiel beim BVB: Feuerwerkskörper brennen im Berliner Fanblock
DPA

Auswärtsspiel beim BVB: Feuerwerkskörper brennen im Berliner Fanblock


Zwei Tage nach den Ausschreitungen rund um das Bundesligaspiel zwischen Borussia Dortmund und Hertha BSC (2:2) hat die Dortmunder Polizei ihren Einsatz gegen Berliner Ultras verteidigt.

"Es gab vonseiten der Randalierer kein Interesse am Spiel und keinerlei Rücksicht. Wir mussten zu der Prognose kommen, dass hinter dem Schutz einer solchen Fahne die Vorbereitungen weiterer Straftaten zu befürchten ist", sagte Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange auf einer Pressekonferenz in Dortmund. Welche Straftaten Lange meint, sagte er nicht.

Hertha-Ultras hatten am Samstag hinter einem Spruchband mit der Aufschrift "15 Jahre Hauptstadt-Mafia" Pyrotechnik gezündet, daraufhin schritt die Polizei ein und wollte das Banner einziehen. Polizeichef Lange nannte das Vorgehen alternativlos, um weitere Attacken zu verhindern und um unbeteiligte Zuschauer zu schützen. In einer gemeinsamen Erklärung der Fanhilfen von Dortmund und Hertha war der Einsatz der Polizei als unverhältnismäßig kritisiert worden. Das "Fanprojekt Dortmund" schrieb in einer Stellungnahme, das Verhalten der Hertha-Anhänger sei aufs "Schärfste zu verteilen", kritisierte zugleich aber auch die Strategie der Polizei.

Danach eskalierte die Lage im Stadion, vor allem wegen des aggressiven Vorgehens der Ultras. Die Berliner Anhänger lieferten sich eine Prügelei mit den Polizisten. Die Beamten seien unter anderem mit Abwasserrohren geschlagen und mit Pyrotechnik beworfen worden, sagte Einsatzleiter Edzard Freyhoff.

Die Bilanz: Sechs Polizisten seien leicht verletzt worden. Außerdem seien 45 Stadionbesucher aus Berlin verletzt worden, 35 durch Reizgas und zehn durch Gewaltanwendung der Polizei. Es habe zudem zehn unbeteiligte Zuschauer mit Atembeschwerden gegeben, die in Folge von Pyrotechnik und der Rauchgasentwicklung zustande gekommen sein sollen.

DFB ermittelt, Polizei liegt "ausreichendes Videomaterial vor"

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ermittelt nun gegen beide Klubs. Das entspreche "dem üblichen Prozedere in solchen Fällen", teilte der DFB mit. Beide Klubs werden zu Stellungnahmen aufgefordert.

Hertha BSC hat die Vorfälle bereits verurteilt und Kritik an der Polizei zurückgewiesen. "Ich finde es abenteuerlich. Einen möglicherweise unverhältnismäßigen Einsatz der Polizei mit Gewalt zu rechtfertigen, das muss mir mal einer erklären", sagte Hertha-Chef Michael Preetz.

Zu Spielbeginn hatten Berliner Anhänger Pyrotechnik gezündet und den Nord-Ost-Bereich des Signal Iduna Parks eingenebelt. Schiedsrichter Sascha Stegemann musste den Anpfiff hinauszögern, bis wieder freie Sicht war. Um sich zu tarnen, versteckten sich die Berliner Fans unter ihrer Fahne, die als Sichtschutz genutzt wurde.

In der Halbzeit hätte die Gruppe aus Berlin als weitere Reaktion auf den Entzug des Banners zunächst Sanitärräume unter der Tribüne demoliert und sei danach unter anderem mit Kloschüsseln auf die Ordnungshüter losgegangen. Freyhoff sagte zudem, dass Dortmunder Ultras versucht hätten, die Berliner Hooligans gegen die Polizei zu unterstützen. Dies sei verhindert worden.

Die Ermittlungen sind am Montagvormittag gestartet. "Es liegt ausreichendes Videomaterial vor, dass es uns ermöglichen wird, viele Täter zu überführen", sagte Ronald Aßmus, der Leiter der Ermittlungskommission.

jan/sid



insgesamt 100 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mr-mucki 29.10.2018
1. bitte Geisterspiele
bitte dfb bis zum 18 Spieltag nur Geistetspiele für Dortmund und bis zum 30 Spieltag für Berlin. aussderm spürhunde und ganzkörper dedektoren am Stadioneingang einsetzten wo jeder Besucher durch muss. diese Idioten werden es sonst nicht begreifen. schade für die restlichen Zuschauer
Benzinger 29.10.2018
2. Hooligans
und wir Steuerzahler dürfen das wieder bezahlen. Wenn die Vereine den Einsatz der Polizei bezahlen müssten, würden sie sehr schnell dafür sorgen, dass diese Chaoten nicht mehr im Stadion ihr Unwesen treiben können.
btwesten 29.10.2018
3. Ich glaube es hackt!!
Der Einwand der Fanhilfen daß der Einsatz der Polizei unverhältnismäßig sei ist ja wohl nicht zu glauben. Wenn Menschen sich ein "Fußballspiel" anschauen wollen - gerne. Wenn Menschen dort nur zum Zweck der Randale auftauchen - geht garnicht. Zum 100er Male, wie zum Teufel komme ich dazu, diesen versch... Blödsinn mit meinen Steuern zu finanzieren?? Laßt endlich die Vereine oder die Bundesliga oder was weiß ich wen dafür aufkommen aber nicht mich.
Hagar001 29.10.2018
4. Es sollte technisch reagiert werden
Heutzutage sollte es kein Problem sein die Blöcke so zu überwachen das entsprechende Täter eindeutig identifiziert werden können. Sollte diese maskiert sein, dann einfach mit einem Farbstoff markieren. Man kann seit Jahren Erbsen und Maiskörner auf einem schnell laufenden Fließband mittels Luftstoß selektieren, da sollte es doch möglich sein entsprechende Objekte von der Größe eines Menschen zu markieren, ggf. auch so das diese es nicht merken. Dann beim verlassen entsprechend aussortieren. Bestrafen, fertig.
EhemalsWestBerlinerFossil 29.10.2018
5. Das reicht keinesfalls...
Zitat von Hagar001Heutzutage sollte es kein Problem sein die Blöcke so zu überwachen das entsprechende Täter eindeutig identifiziert werden können. Sollte diese maskiert sein, dann einfach mit einem Farbstoff markieren. Man kann seit Jahren Erbsen und Maiskörner auf einem schnell laufenden Fließband mittels Luftstoß selektieren, da sollte es doch möglich sein entsprechende Objekte von der Größe eines Menschen zu markieren, ggf. auch so das diese es nicht merken. Dann beim verlassen entsprechend aussortieren. Bestrafen, fertig.
..., denn dieses Abbrennen der Pyrotechnik ist sehr gefährlich. In Dortmund mussten mehrere Personen aufgrund von Atembeschwerden medizinisch betreut werden. Wenn dort jemand dabei gewesen wäre, der wie ich lungenkrank ist, hätte das zum Tod führen können. So etwas im direkten Umfeld von Unbeteiligten zu machen ist nicht nur grob fahrlässig, sondern durchaus vorsätzliche schwere Körperverletzung. Die Ordnungskräfte müssen also mit allen Mitteln verhindern, dass diese Leute eventuell weiterhin so etwas machen. In diesem Fall wurde bewusst in Kauf genommen, dass Leute verletzt oder vielleicht sogar getötet werden, "bewusst" jedenfalls, sofern bei den Beteiligten Intelligenz vorhanden ist. Das sind im Sinne des Wortes Verbrecher!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.