Zweiter BVB-Sieg in Folge "Mal schauen, was jetzt in München möglich ist"

Sie hatten gegen Hoffenheim viel Glück, aber derzeit zählt für die Bosse von Borussia Dortmund nur das Ergebnis: Nach dem knappen Sieg spielt der BVB am Mittwoch im Pokal bei den Bayern. Geht da was?

Aus Dortmund berichtet


Es wird derzeit viel gesungen im Dortmunder Fußballstadion. Am Adventssonntag feiert das "Mitsing-Konzert für die ganze Familie" Premiere. Weihnachtslieder wie "Stille Nacht" und "White Christmas" verspricht das Programm. Bereits am Samstag war der Chor der "Sonnenkinder" im Stadion, wie seit fast drei Jahrzehnten vor jedem letzten Heimspiel eines Kalenderjahres.

Nach Dortmunds Partie gegen Hoffenheim gab es jedoch nur noch ein Lied, das von Zehntausenden geschmettert wurde: "Der BVB ist wieder da", sang die Südtribüne, die Spieler hüpften dazu im Takt. Die Freude war verständlich: Das 2:1 gegen die TSG Hoffenheim war der zweite Sieg hintereinander, der zweite unter dem neuen Trainer Peter Stöger, der erste Heimsieg seit September, der erste Erfolg in dieser Saison nach einem Rückstand.

Warum das gelang, war den Dortmundern bewusst. Julian Weil sprach richtigerweise von einem "Quäntchen Glück", Jeremy Toljan von "zwischendurch etwas Glück", und auch Trainer Peter Stöger bewertete die Zeit zwischen dem 0:1 in der 21. Minute und dem Ausgleich in der 63. Minute ehrlich: "In der Phase haben wir Glück, dass das 2:0 nicht fällt."

Die Hoffenheimer sprachen folgerichtig vom Pech, das sie in der Partie hatten. Torhüter Oliver Baumann wies darauf hin, dass TSG-Mittelfeldspieler Steven Zuber vor dem Tor von Christian Pulisic in der 89. Minute "im Rasen hängen geblieben" sei. Zuber hatte gerade seinen Frust an Metallkoffern im Kabinengang ausgelassen, als Baumann die fünfte Saisonniederlage der TSG erklärte.

"Zu viele Fehlpässe"

Auch das Selbstbewusstsein scheint bei den Hoffenheimern verflogen: Auf die Frage, ob er die TSG, in der Qualifikation zur Champions League gescheitert, in der Europa League und dem DFB-Pokal ausgeschieden, noch für eine Spitzenmannschaft halte, sagte Baumann: "Dann hätten wir hier heute gewonnen."

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Dortmunds Sieg gegen Hoffenheim: Erst US-Fußballer des Jahres, dann Last-minute-Torschütze

Dabei hatten die Dortmunder keineswegs geglänzt, sondern waren auf Sicherheit bedacht und spielten zurückgezogen. Stögers Soforthilfeprogramm ist allein auf das Sammeln von Punkten ausgerichtet, Komplimente soll es erst im neuen Jahr geben. "Wenn wir gut arbeiten, werden wir im Frühjahr auch wieder eine richtig gute Mannschaft sehen", sagte der Trainer. Einige Profis, die für Spielkultur sorgen, werden dann nach ihren Verletzungen wieder dabei sein, etwa Marco Reus und Mario Götze.

Stöger bemängelte nach der Partie gegen Hoffenheim "zu viele Fehlpässe" und schwaches Zweikampfverhalten nach den Ballverlusten. Auch das erklärte er mit der langen Negativserie unter seinem Vorgänger Peter Bosz: "Das ist doch klar, dass das nicht spurlos an den Spielern vorübergeht."

Nur Kagawa in Form

Pierre-Emerick Aubameyang verwandelte einen Foulelfmeter zum Ausgleich, war ansonsten jedoch schwach, Andrej Jarmolenko dribbelte sich in Serie fest, Marcel Schmelzer lieferte als linker Verteidiger eine ganz schwache Leistung ab. Es war schwierig, außer Shinji Kagawa einen Dortmunder Spieler mit guter Tagesform zu finden.

All das machte das Ergebnis und den Spielverlauf noch mysteriöser. Der Sieg für den BVB war in erster Linie ein Geschenk der TSG. Es sorgte für den versöhnlichen Abschluss der Hinrunde mit 28 Punkten. Das sind dank des fulminanten Starts nur zwei weniger als eine Saison zuvor unter Thomas Tuchel.

Bevor für die Dortmunder die kurze Weihnachtspause beginnt, steht am Mittwoch noch das Achtelfinale des DFB-Pokals beim FC Bayern an (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). "Mal schauen, was jetzt noch in München möglich ist", sagte Stöger: "Angenehm wird es dort sicher nicht und spannend allemal."

Der zweite Teil dieser Prognose schien zuletzt abwegig. Inzwischen gibt es in Dortmund jedoch wieder die zarte Hoffnung, dass die eigenen Fans auch in München singen werden - ein recht bekanntes Lied über Berlin.

Borussia Dortmund - TSG Hoffenheim 2:1 (0:1)
0:1 Uth (21.)
1:1 Aubameyang (63., Foulelfmeter)
2:1 Pulisic (89.)
Dortmund: Bürki - Toljan, Sokratis, Toprak, Schmelzer - Weigl - Kagawa, Guerreiro - Jarmolenko (73. Dahoud), Aubameyang, Pulisic (90.+3 Subotic)
Hoffenheim: Baumann - Posch (90. Akpoguma), Vogt, Benjamin Hübner - Kaderabek, Grillitsch, Zuber - Amiri, Demirbay - Uth (69. Szalai), Gnabry (63. Kramaric)
Schiedsrichter: Osmers
Gelbe Karten: -
Zuschauer: 81.000



insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
twister13 17.12.2017
1. Will ich auch
Wenn jetzt tatsächlich irgendein BVB Fan, Verantwortlicher, Spieler oder sogar Trainer auf einen Sieg gegen die Bayern setzt will ich auch was von dem Zeug das die rauchen. Gerade den Trainer gefeuert, mit Mühe und Not mal zwei Siege, nach wieviel Niederlagen, 8, eingefahren und sofort wieder den Höhenrausch. So geht Selbstbetrug. Und so wird der Absturz am Mittwoch umso heftiger. Der BVB sollte sich nochmals den Sieg der Bayern gegen PSG anschauen. Und dann entscheiden ob sie besser als PSG sind. Das müssten sie nämlich sein um was zu reissen.
jens1975 17.12.2017
2. Zwei Siege
...unter Stöger. Zeit zum Durchatmen - mehr nicht. Sowohl gegen Mainz als auch gegen Hoffenheim war der BVB nicht die bessere Mannschaft. Die Truppe wirkt verunsichert, nicht eingespielt und teilweise einfach überfordert (Schmelzer, Toprak, Dahoud).
Papazaca 17.12.2017
3. Ich glaube an den BVB, erwarte aber keine Wunder
Der BVB wird sich sicher bekrabbeln. Es soll auch Probleme innerhalb der Mannschaft geben. Stöger ist für mich der richtige Mann, das auf die Reihe zu bekommen. Aber er kann nicht zaubern. Bayern war am Ende von Ancelotti auch von der Rolle. Das passiert halt im Leben. Jetzt sofort Wunder vom BVB zu erwarten ist unrealistisch. Das Pokalspiel gegen die Bayern kommt wahrscheinlich zu früh. Über ein Wunder würde ich mich trotzdem sehr freuen
immerfroh 17.12.2017
4.
Zitat von twister13Wenn jetzt tatsächlich irgendein BVB Fan, Verantwortlicher, Spieler oder sogar Trainer auf einen Sieg gegen die Bayern setzt will ich auch was von dem Zeug das die rauchen. Gerade den Trainer gefeuert, mit Mühe und Not mal zwei Siege, nach wieviel Niederlagen, 8, eingefahren und sofort wieder den Höhenrausch. So geht Selbstbetrug. Und so wird der Absturz am Mittwoch umso heftiger. Der BVB sollte sich nochmals den Sieg der Bayern gegen PSG anschauen. Und dann entscheiden ob sie besser als PSG sind. Das müssten sie nämlich sein um was zu reissen.
Immer wieder lustig solche Beiträge wie Ihrer. Woher nehmen Sie die Erkenntnis, dass der BVB und dessen Fans jetzt dem Höhenrausch verfallen ? Das konstruieren Sie sich doch gerade selbst. Was ist an der Aussage "im Pokal ist alles möglich" Selbstüberschätzung oder Selbsbetrug ? Natürlich sind die Bayern klarer Favorit, wie in den Pokalspielen in den Jahren davor auch. Das kann doch aber keinen Gegner davon abhalten, in München siegen zu wollen. Sollen sich jetzt alle demütig vor den Bayern in den Staub werfen und sich untertänigst überrollen lassen ? Manche Bayernfans scheinen von der Dominanz ihrer Mannschaft schon so gelangweilt, dass sie nicht vorhandene Themen konstruieren müssen.
scooby11568 17.12.2017
5. @ twister tut mir leid, sehe ich nicht so
Klar ist der BVB in einer Krise, gegen Bayern ist das aber alles vergessen. Das wird kein Spaziergang. Allerdings hat sich Bayern die letzten Spiele auch kein Bein ausgerissen. Wenn sie spielen wie gegen Paris, werden sie auch gewinnen. Ein Bayern-Fan
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