BVB-Niederlage gegen Werder An sich selbst gescheitert

Die Niederlage gegen Bremen bedeutet für den BVB einen neuen Tiefpunkt. Der Trainer steht vor dem Aus, aber auch die Mannschaft muss sich hinterfragen. Werder bezahlt den Sieg indes teuer.

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Szene des Spiels: In der 72. Minute fiel der Ball Shinji Kagawa vor die Füße. Es war die große Gelegenheit zum Ausgleich, Werder-Torwart Jiri Pavlenka war bereits geschlagen. Aber Kagawa scheiterte doch noch: an seinem eigenen Stürmer. Der Japaner schoss Pierre-Emerick Aubameyang an, der vor der Torlinie saß, vom Rücken des Angreifers flog der Ball über die Latte. Chance vertan.

Das Ergebnis: Der Ausgleich fiel nicht mehr. Werder gewann 2:1. Die Dortmunder Negativserie geht weiter: Von den vergangenen 13 Partien hat der BVB eine gewonnen (gegen Magdeburg). Hier geht's zum Bericht aller Bundesligaspiele des Nachmittags.

Die erste Hälfte: Werder machte ein sehr gutes Auswärtsspiel, kam zu mehreren gefährlichen Abschlüssen. Und Dortmund? Es war unmöglich, sich vorzustellen, dass diese Mannschaft vor zehn Wochen mit fünf Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze stand. Der BVB änderte sein Spiel, setzte deutlich weniger als gewohnt auf Pressing, hatte selbst aber nicht eine gefährliche Offensivaktion. Maximilian Eggestein erzielte nach Vorlage von Max Kruse die verdiente Führung für Werder (33.).

Sahin oder Weigl? Das war beim BVB meist die Frage, wenn es um die Besetzung der Position vor der Abwehr ging. Gegen Werder hieß die Antwort erstmals in dieser Bundesliga-Saison: weder noch. Das war wohl ein Fehler. Ohne Nuri Sahin und Julian Weigl und mit Mahmoud Dahoud als einzigem Sechser fand bei Dortmund kaum ein Spielaufbau statt. Stattdessen gab es viele lange und damit oft verlorene Bälle. Kurz vor der Pause stellte Trainer Peter Bosz dann um und ließ mit zwei Sechsern spielen, direkt nach der Pause kam Sahin in die Partie.

Die zweite Hälfte: Dortmund spielte mit Sahin deutlich strukturierter und hatte erste gute Abschlüsse. Pierre-Emerick Aubameyang und Philip Bargfrede bugsierten den Ball schließlich im Zweikampf ins Bremer Tor (57.). Danach gab der BVB das Spiel aber wieder aus der Hand. Theodor Gebre Selassie erzielte nach einer Ecke unbedrängt die erneute Führung (65.). Werder ließ zahlreiche Konterchancen noch ungenutzt, aber auch Dortmund ging zu fahrlässig mit seinen wenigen Möglichkeiten um.

Teure Punkte: Das Geheimnis der Bremer Offensivgefahr ist eigentlich keines. Es hat gleich zwei Namen: Max Kruse und Fin Bartels. Drei seiner vier Saisontore hat Kruse nach Vorlage von Bartels erzielt. Noch vor der Halbzeit musste Bartels allerdings verletzt ausgewechselt werden - mit Verdacht auf einen Achillessehnenriss, es droht eine sehr lange Pause. In der zweiten Hälfte musste mit Zlatko Junuzovic dann ein weiterer wichtiger Spieler verletzt vom Feld.

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Bundesliga 15. Spieltag: Frechheit

Ende der Geduld: Schon zur Pause und später auch beim Schlusspfiff, als das Stadion bereits auffällig leer war, gab es Pfeifkonzerte von den Rängen. Eine Seltenheit in Dortmund. Ein vollkommen konsternierter Kapitän Marcel Schmelzer zeigte nach dem Spiel Verständnis. Er bezeichnete die Leistung der Mannschaft als "Frechheit" und "Wahnsinn" und sagte: "Das war kacke."

Erkenntnis des Spiels I: Das Spiel galt als Endspiel für Bosz. Er hat es verloren. Der Druck wird größer, eine Entlassung wahrscheinlicher. Die Dortmunder Krise liegt aber nicht einzig im Trainer begründet. Auch als dieser seine taktischen Fehler korrigierte und Dortmund nach der Pause kurzzeitig verbessert spielte, gab das Team die Partie wieder leichtfertig aus der Hand - durch zahlreiche individuelle Fehler.

Erkenntnis des Spiels II: Auch bei Werder blickt man aktuell auf den Trainer, allerdings deutlich positiver. Unter Florian Kohfeldt funktioniert das Team sehr gut und hat nun erstmals seit einem halben Jahr einen Auswärtssieg gefeiert. Und dennoch: Durch die wohl schwere Verletzung von Bartels und die damit verbundene Schwächung Kruses könnte der Sieg in Dortmund letztlich aber sogar trotzdem noch einen Rückschlag im Abstiegskampf bedeuten.

Borussia Dortmund - Werder Bremen 1:2 (0:1)
0:1 Eggestein (26.)
1:1 Bargfrede (57., Eigentor)
1:2 Gebre Selassie (65.)
Dortmund: Bürki - Sokratis, Subotic, Schmelzer - Bartra, Kagawa, Dahoud (82. Isak), Guerreiro (46. Sahin) - Jarmolenko (46. Schürrle), Aubameyang, Pulisic
Bremen: Pavlenka - Veljkovic, Bargfrede, Moisander - Gebre Selassie, Delaney, Augustinsson - Maximilian Eggestein, Junuzovic (53. Gondorf) - Bartels (33. Kainz, 84. Bauer), Kruse
Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)
Gelbe karten: keine
Zuschauer: 81.160



insgesamt 41 Beiträge
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spon_2937981 09.12.2017
1.
Mist. Jetzt muss Bosz wohl gehen. Ich hätte es lieber gesehen, wenn Dortmund MIT Bosz zum Pokalspiel nach München gefahren wären. Mit neuem Trainer steigen die Chancen für Dortmund beträchtlich, was überhaupt nicht in meinem Sinne ist.
marjebrun 09.12.2017
2. Gute Trainer sind doch Mangelware..
..es sei denn, man kauft sich a) Herrn Diego Simeone aus seinen Vertrag bei Athl. Madrid heraus, oder man sagt mit sehr viel Geld und mit viel öffentlicher Wirksamkeit Entschuldigung zu Herrn Tuchel und stellt diesen wieder ein.
steingärtner 09.12.2017
3. Irgendwann wird's schon wieder
Mal verliert man, und mal gewinnen die anderen.
Levator 09.12.2017
4. Nö
Heute ist der BVB ist an guten Bremern gescheitert, hellwach und immer einen Tick schneller, sowohl mental und mit dem Geläuf. Allgemein ist er BVB an seiner fortwährenden Überheblichkeit gescheitert, bis zum 7. Spieltag, war man sage und schreibe 5 Punkte und 10 Tore vor dem nächstplatzierten Verein (Bayern). Ab diesem Zeitpunkt hatte man einen völligen Kontrollverlust, möglicherweise auf einer Selbstüberschätzung basierend. Die "Fans" taten das Übrige dazu, hier im Forum und woanders in den Stadien. Euphorisiert und geblendet worden. Von wem, darf sich jeder selbst ausmalen.... Heute gegen Bremen war das Spiel nur eine Wasserstandsmeldung. Es wird noch weiter runter gehen.....
letitbe 09.12.2017
5. Bvb
Heute war es so richtig schön Bremen die Daumen zu drücken, aber war ja gar nicht nötig, der BVB schlägt sich eh selber! Alle haben wieder für meinen FCB gespielt, echt geil,!Dankeschön!
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