BVB-Profi Nuri Sahin Die Rückkehr des Jahrhunderttalents

Als Spitzenreiter in die Länderspielpause: Borussia Dortmund hat nach einer turbulenten Saison aktuell allen Grund zur Freude. Daran hat Rückkehrer Mario Götze Anteil, noch mehr aber Nuri Sahin. Das zeigt der SPIX.

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Nuri Sahin hat eine Tortur hinter sich. Knieprobleme, Sehnenreizung, Trainingsrückstand - der mittlerweile 28-Jährige fehlte in den vergangenen drei Spielzeiten monatelang verletzungsbedingt und bestritt während dieser Zeit gerade einmal 30 Pflichtspiele, weit über 100 Partien wären möglich gewesen. Den Tiefpunkt erlebte Sahin im letzten Pflichtspiel unter Borussia Dortmunds Ex-Trainer Thomas Tuchel Ende Mai: Er war zwar endlich mal fit, Tuchel berief den Mittelfeldstrategen trotzdem nicht in den Kader. Der BVB gewann ohne Sahin den DFB-Pokal gegen Eintracht Frankfurt.

Seit diesem Sommer ist Tuchel weg. Und Nuri Sahin spielt so stark wie lange nicht mehr.

Im System von Neu-Trainer Peter Bosz blüht der türkische Nationalspieler auf. Zuletzt war Sahin die prägende Figur bei Dortmunds 2:0-Erfolg über Hertha BSC, er schoss ein Tor selbst und bereitete den Führungstreffer von Pierre-Emerick Aubameyang vor. Im SPIX-Ranking war Sahin am zweiten Spieltag der mit Abstand stärkste BVB-Profi (siehe Team-Grafik am Ende des Textes).

Bosz-Fußball und Sahins Fähigkeiten - das passt

Sahin gilt eigentlich als Sechser, diszipliniert, gut in der Balleroberung und dynamisch, um schnell einen Gegenangriff einzuleiten. Gegen Berlin bewies das frühere Jahrhunderttalent (Sahin war bei seinem Erstliga-Debüt 2005 gerade einmal 16 Jahre alt) noch mehr: Vollstreckerqualitäten im Angriff. Sahins hoher SPIX-Wert kam vor allem durch die Kategorien "Torgefahr" und "Chancenkreation" zustande. Der Spielmacher hielt sich so nah am Tor des Gegners auf, dass er im SPIX als offensiver Mittelfeldspieler geführt wurde. Im Ligavergleich war auf dieser Position nur Leipzigs Emil Forsberg noch besser (die Elf des 2. Spieltags finden Sie hier).

Sahins Fähigkeiten und die Spielidee von Coach Bosz - das könnte auch in Zukunft zusammenpassen. Wenn es denn so weitergeht. An den ersten beiden Spieltagen ähnelte der Fußball, den der niederländische Trainer aktuell spielen lässt, der Zeit unter Dortmunds Ex-Trainer Jürgen Klopp: hohes, aggressives Pressing, den Gegner in die eigene Hälfte drängen und Fehler erzwingen. Diese Taktik passte zu Sahin damals wie heute, und so schlug der BVB nicht nur Hertha, sondern auch den VfL Wolfsburg. Vor der ersten Länderspielpause der Saison ist Dortmund mit 5:0 Toren und sechs Punkten Spitzenreiter.

Eine Momentaufnahme nach zwei Spieltagen. Sie gibt Hinweise darauf, dass der BVB die vergangenen Monate gut verkraftet hat. Der Bombenanschlag auf den Mannschaftbus, die Trennung von Coach Tuchel, zuletzt das Transferhickhack um Millionenabgang und Shootingstar Ousmane Dembélé, all das verarbeitet das Team schnell.

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Dortmunds Nuri Sahin: Plötzlich Vollstrecker

Sahin hat daran Anteil. Er ist in der Mannschaft beliebt, hat Einfluss und stellt nach Monaten körperlicher Beschwerden wieder seine sportliche Bedeutung unter Beweis. Die aktuelle Form erinnert an frühere Zeiten, als der bis heute jüngste Spieler der Bundesligageschichte Antreiber der Dortmunder Meistermannschaft 2011 war. Mit seinem Wechsel zu Real Madrid im selben Jahr geriet die Karriere dann ins Stocken. Es kamen Verletzungsprobleme hinzu, Sahin kämpfte sich zwar immer wieder an die Mannschaft heran, doch so gut wie im Meisterjahr des BVB spielte er nicht mehr. Bis jetzt?

Wie integriert sich Yarmolenko? Wie macht sich Götze?

Als nächste Bundesligagegner warten mit dem SC Freiburg, Köln und dem HSV machbare Aufgaben. Es ist gut möglich, dass Sahin auch dort glänzt, Borussia Dortmund diese Partien für sich entscheiden und danach weiter oben stehen wird. Der erste Härtetest wartet erst später. Am 26. September empfängt Dortmund Titelverteidiger Real Madrid in der Champions League.

Bis dahin kann sich der BVB weiter "einspielen". Das ist gut für den Klub. Zumal es Spieler gibt, die noch einige Wochen benötigen, bis ihre Rollen klarer werden. Eine davon ist die von Zugang Andriy Yarmolenko, der als Dembélé-Ersatz verpflichtet wurde. Der Ukrainer ist schnell, geht wie der Franzose gerne ins Dribbling, der große Unterschied aber: Yarmolenko sucht den Torabschluss und baut weniger das Spiel auf. Wie wird er sich in das aktuell funktionierende BVB-Spiel integrieren? Mehr zur Neuverpflichtung lesen Sie hier.

Und: Welche Entwicklung wird Mario Götze in den kommenden Wochen nehmen? Nach seiner Stoffwechselerkrankung kam der 25-Jährige am ersten und zweiten Spieltag jeweils knapp über eine Stunde zum Einsatz. Seine Auftritte bei den zwei Bundesligasiegen waren passabel, im SPIX erreicht der Offensivprofi aktuell einen soliden Saisonwert, die Playercard zeigt Götzes Wert am zweiten Spieltag.

Was Götze noch fehlt, ist der Zug zum Tor. Sahin glänzt wieder als Spielmacher - es würde passen, wenn Götze, der Schütze des Weltmeistertors 2014, auch seine Torgefahr wiederentdeckt.

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Lencer2002 30.08.2017
1. Jahrhunderttalent?
Tragt doch zukünftig einfach noch ein bisschen dicker auf. Das ist immer gut für eine neutrale ausgewogene Berichterstattung.
gruebi01 30.08.2017
2. Na ja, wenn Müller "einzigartig im Weltfußball" ist, dann...
Zitat von Lencer2002Tragt doch zukünftig einfach noch ein bisschen dicker auf. Das ist immer gut für eine neutrale ausgewogene Berichterstattung.
... ist Nuri Sahin auch ein Jahrhunderttalent. Alles eine Frage der Maßstäbchen.
bodo_von_niebergall 30.08.2017
3.
Die Rückkehr des Jahrhunderttalents - geht es auch eine Nummer kleiner ?? - - anscheinend gibt es im Fussball nur noch sogenannte Stars, die sich im Endeffekt nur mehr als eine Sternschnuppe herausstellen. Sahin - diesen Retro-Fussballer nunmehr nochmals als Star zu bezeichnen ist wohl mehr als nur leicht übertrieben. Sahin mag der liebe und vorzeigbare Musterprofi des BVB sein, den man auch - weil phrasendreschend - ins aktuelle Sportstudio schicken kann doer zu anderen Interviews, aber an der Leistung gemessen und seinem Alter geschuldet, an dem Tempofussball der Jüngeren nicht mehr partizipieren kann. Zu Nuri - dem Schönwetter-Fussballer - der nur dann einigermassen glänzen kann, wenn kein Druck aussgeübt wird, ist jedes Wort zu viel gesagt, ausser der geniale Herr Schmelzer sieht ihn nach wie vor auf Weigl'schem Niveau ! - ha ha ha - selten so gelacht. Verstehe durchaus im Nachhinein TT der über die Weiterverpflichtung dieses vielfach bei anderen Vereinen gescheiterten und gerne zum BVB zurückgekehrten Retro-Spielers, um das Auffanglager der Rückkehrer weiter zu "verstärken", nur den Kopf schütteln konnte ! Dies war mal ein guter Fussballer, aber gefühlt muss dass Generationen her sein. Seine beste Zeit hatte er damals beim BVB; die nachfolgenden Stationen waren für ihn von keinem Erfolg gekrönt. Vielmehr konne er im Konzert der großen Fussballer nicht mitspielen, zu beschränkt waren seine spielerischen Möglichkeiten; langten sie noch für den BVB, für die großen europäischen Mannschaften waren diese nicht genug. Und nach seiner Rückkehr nach Dortmund, fand er niemals mehr zu alter Leistungsstärke zurück. Für den schnellen Stil des Fussballs war er zu langsam geworden; seine Verteidigungskünste zu marginal, zumal seine Schnelligkeit dem der gegnerischen Spieler nicht mehr gewachsen war. Letztes bestes Beispiel beim Spiel gegen Werder als er Kruse hinterherhechelte, dass er einem schon wieder leid tun konnte, zumal schuld an dem Tor für Werder. Nein - ein Schwalbe macht noch keinen Sommer !!! - warten wir doch mal ernsthaftere Gegner als Wolfsburg oder Hertha ab !
payblack 30.08.2017
4. Seit Klopp scheint es beim BVB nur noch Superlative zu geben.
Sahin ging vor sechs Jahren(!!) zu Real Madrid, hat seitdem nicht mehr konstant auf hohem Niveau gespielt - und jetzt wo er gegen eher mittelmäßige Gegner gute Auftritte gezeigt hat ist es die Rückkehr des Jahrhundert-Talents? Muss das gleich so dick aufgetragen sein? Das ist schon ein guter Fussballer, aber der verdient auch seit Jahren viele Millionen - ein gewisser Anspruch sollte also da sein. Das gleich gilt doch auch für Götze. Der wurde zu BVB-Zeiten doch dermaßen überhypt, der konnte doch fast nur noch scheitern. Schmelzer sagte noch vor wenigen Monaten, dass die Dortmunder Spieler überzeugt waren, dass sich Götze nach seinem Wechsel in den nächsten Jahren zum weltbesten Spieler entwickeln wird. Sooo schlecht war er ja bei Bayern gar nicht, er war bloß nicht überragend oder gar Weltklasse. Das Problem: Er verdiente aber so viel wie ein Weltstar - und diesem Anspruch wurde er nicht gerecht. Auch beim BVB verdient er viele, viele Millionen - dafür muss(!) er doch Leistung bringen ohne das es gleich eine Sensation wäre, wenn er mal 2-3 schöne Tore schiesst. Das ist ein netter Kerl, der mit Anfang 20 ein paar Fehler gemacht hat, aber es ist ihm zu gönnen das er sein großes Potential mal wieder über einen längeren Zeitraum abrufen kann. Und die, die Bayern München für sein "scheitern" verantwortlich machen sollten sich mal ernsthaft fragen, ob sie glauben, dass Götze es bei Real oder Barcelona geschafft hätte. Und zu Müller: Der hat als Leistungsträger der jeweiligen Mannschaften mit 24 alles gewonnen, Meister, Pokalsieger - okay, das wird bei Bayern erwartet- aber halt auch CL und WM-Titel. Der hat u.a. bei zwei gespielten WM`s 10 Tore(!) geschossen, es gibt weltweit keinen einzigen aktiven Fußballer mit ähnlichen Zahlen. Dazu ist er (wer es denn mag) ein Bayer mit Humor und Lockerheit, wenn der Mann nicht "einzigartig" ist - wer dann?
freudentanz 30.08.2017
5. Naja ...
... Nuri hat das Herz schon am rechten Fleck aber so überschwänglich brilliant ist er nun auch nicht. Aber offengestanden sind mir Kollegen wie Nuri 100x lieber als andere Naturtalente die jedes Jahr woanders gefeiert werden. Von mir aus könnte mein BVB im Mittelfeld der Liga spielen denn von den Legionären habe ich den Kanal voll. Ich weiß, ich weiß ich bin ein Träumer und die Klubambitionen hängen sehr hoch (was auch ok ist) aber wenn ich Boss wäre (Aki is ein guter Mann) würde ich mir für ein paar Jahre die Kohlen sparen und voll und ganz und ohne Kompromisse auf den eigenen Nachwuchs setzen, der imho jetzt schon richtig richtig gut ist. Blöd nur daß der Verein eine AG ist und zum Erfolg verdammt ist. Määh.
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