Dortmunds Niederlage in Madrid Bayern, hingeschaut!

Dortmund hat gegen Atlético Madrid verloren und den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale der Champions League verpasst. Profiteur der gezeigten Schwächen ist der FC Bayern, BVB-Gegner beim Bundesliga-Spitzenspiel am Samstag.

Aus Madrid berichtet


Tief in der Nacht teilte Borussia Dortmund mit, dass die Pressekonferenz vor dem nächsten Bundesligaspiel am Donnerstag um 13 Uhr beginnen werde.

Donnerstag, 13 Uhr also. Spätestens dann wird Lucien Favre nicht mehr darum herumkommen, über den FC Bayern zu sprechen. Am Dienstag, in der letzten Stunde des Tages, ging der Trainer des BVB dem Thema noch galant aus dem Weg, als er danach gefragt worden war. Atlético Madrid sei eine "sehr, sehr, gute Mannschaft", sagte Favre, sie sei in den vergangenen acht Jahren "immer top" gewesen.

Das dürfte Konsens sein. Und es erklärte auch den 2:0-Sieg Atléticos gegen den BVB in der Champions League, den jeder im Tross des Bundesligisten zurecht als "verdient" einstufte. Das war allerdings keine Antwort auf die Frage, welche Auswirkungen die erste Niederlage in einem Pflichtspiel unter Favre auf das Topspiel der Bundesliga am Samstag gegen Bayern München (18.30 Uhr; TV: Sky; Liveticker SPIEGEL ONLINE) haben könne.

Zurück auf dem Boden der Realität

Sebastian Kehl, deutlich redseliger als der Trainer, näherte sich dem Thema an. Er sagte zwar: "Für das Spiel am Samstag ändert sich nicht viel. Wir werden uns durch die Niederlage nicht verunsichern lassen." Allerdings sprach der Leiter der Lizenzspielerabteilung auch Punkte an, die gegen Atlético schiefliefen und somit den Münchnern die Taktik vorgeben könnten: "Sie haben uns den Schneid abgekauft. Wir haben mit unserer jungen Mannschaft Lehrgeld bezahlt, sind teilweise ausgekontert worden."

Das Hinspiel, zwei Wochen zuvor, gewann der BVB glanzvoll mit 4:0. Er habe die Reifeprüfung bestanden, hieß es danach. Nun fiel er durch, ein paar Tage vor der großen Prüfung gegen den Meister der vergangenen sechs Jahre. "Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass wir nach dem Superstart mal wieder auf dem Boden der Realität angekommen sind", sagte Torwart Roman Bürki in Madrid. Nun seien die Sinne geschärft vor dem Duell zwischen den beiden führenden deutschen Klubs in der Fußballbranche.

Die Offensive blieb harmlos wie selten

Vielleicht kratzt es aber auch am Selbstbewusstsein des Tabellenführers, denn ihm wurde bei Atlético vor Augen geführt, was ihn aus der Ruhe bringt. Nach gemächlichem Beginn änderten die Madrilenen nach etwa einer halben Stunde ihre Taktik. Sie überließen dem Bundesligisten weiterhin großzügig den Ball, am Ende kam der BVB auf eine Quote von 63 Prozent.

Aber Atlético griff weiter vorne und aggressiver an, nahm Dortmunds zentrale Mittelfeldspieler Axel Witsel und Thomas Delaney in Manndeckung, wodurch die Verbindungsstationen im Spiel des BVB abgeschnitten waren. Die Offensive blieb dadurch harmlos wie selten. Die Statistiker verzeichneten nur vier Abschlüsse, keiner davon kam auf das Tor von Jan Oblak. Das, so sagten die Statistiker auch, seien die schlechtesten Werte der Borussia in der Champions League seit 2003 damit begonnen wurde, solche Daten zu erheben.

Lucien Favre bleiben drei Tage und viele Aufgaben

"Der Trainer wird sicher ein paar Dinge gesehen haben, die wir verbessern können", sagte Innenverteidiger Manuel Akanji, und damit dürfte er ein bisschen untertrieben haben. Lucien Favre bleiben drei Tage, um den BVB auf das Spiel gegen die Münchner vorzubereiten. Ihm wird sich die Frage stellen, ob er erneut Paco Alcácer im Sturmzentrum aufbietet oder Mario Götze, der deutlich mehr in Kombinationen eingebunden wird. Favre wird Witsel und Delaney an die Hand geben müssen, wie sie sich einer Manndeckung entziehen, falls auch die Münchner das altmodische, aber oft so effiziente Mittel einsetzen werden.

Akanji hofft, dass die Bayern zumindest nicht so fies sein werden wie die Madrilenen und weitestgehend darauf verzichten, den Ball haben zu wollen: "Ich glaube nicht, dass die Bayern so spielen werden wie Atlético." Am Donnerstag um 13 Uhr wird auch Favre auch etwa über die Bayern sagen. Was er plant, wird er galant verschweigen.

Atlético Madrid - Borussia Dortmund 2:0 (1:0)
1:0 Saul (33.)
2:0 Griezmann (80.)
Madrid: Oblak - Juanfran, Gimenez (46. Montero), Lucas, Filipe Luis - Rodrigo, Thomas - Saul, Correa (81. Vitolo) - Griezmann, Kalinic (62. Gelson)
Dortmund: Bürki - Piszczek, Akanji, Toprak, Hakimi - Witsel, Delaney - Pulisic (59. Gurreiro), Reus, Sancho (79. Brunn Larsen)- Paco Alcacer (75. Mario Götze)
Schiedsrichter: Orsato (Italien)
Gelbe Karten: Correa / Sancho, Akanji, Reus
Zuschauer: 61.023



insgesamt 40 Beiträge
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Thorkh@n 07.11.2018
1. Die Bayern ...
... sollten ihr eigenes CL-Spiel heute Abend erst einmal gewinnen, ehe sie an das Zerlegen des schwarz-gelben Bärenfells denken dürfen. Mal schauen, was für Erkenntnisse der BVB heute Abend aus den gezeigten Schwächen der Bayern wird ziehen können. Kommt Zeit, kommt Rat ...
gammoncrack 07.11.2018
2. Zum Erfolg gehören bekanntlich auch NIederlagen.
Ich halte die von gestern für sehr wichtig für den BVB. Gerade die jungen Spieler müssen lernen, mit Niederlagen umzugehen, sogar mit einer Niederlagenserie. Der Analytiker Favrè wird schon wissen, woran es gehapt hat. Sehr gut möglich, dass das psychologische Moment eine größere Rolle spielte und das Spiel des BVB sehr beeinflusst hat. Die Serie der vergangenen Wochen führt schnell dazu, Spiele zu leicht zu nehmen. Das gestern sollte eine Lehre gewesen sein, was Favrè vielleicht sogar als positives Ergebnis mitnimmt. Vermutlich haben einige Spieler bereits das Bayern-Spiel im Kopf gehabt, da das Erreichen des CL-Achtelfinales kopfmäßig wohl schon erledigt war. Verliert der BVB am WE gegen die Bayern, wird man sich natürlich sofort auf "bisher war alles Glück" zurückziehen. Wenn die Spieler das realisieren, werden wir wohl einen ganz anderen Auftritt sehen. Hier können sie die vergangenen Wochen bestätigen, kein Glück, sondern Können.
Oihme 07.11.2018
3. Mir ist es ...
... ganz recht, dass der lange erwartete Rückschlag und das vorläufige Ende der Rekordserie zu einem Zeitpunkt und dazu noch in einem Wettbewerb gekommen ist, wo das fast folgenlos ist. Und deshalb am schnellsten und leichtesten reparabel. Selbst für die BVB-Fans war das von allen denkbaren Szenarien am erträglichsten, weil die wenigsten das Spiel gesehen haben dürften und man sich deshalb über das BVB-Gekicke nicht einmal groß zu ärgern brauchte. :-) Die Bayern mögen in Hinblick auf das Spiel am Samstag sicherlich genau hingeschaut haben, aber ob sie aktuell eine ähnliche Klasse wie Atletico auf den Platz bringen können, um die Schwächen des BVB ebenfalls auszunutzen, steht in den Sternen.
tucson58 07.11.2018
4. Es wird so kommen wie immer !
Der BVB Start gigantisch in die Saison und spielt in der Vorrunde zunächst eine gute Rolle und dann vergeigen sie ihren Vorsprung zu den Bayern wieder und am ende heulen sie wieder das Bayern die Bui langweilig macht , Aber das der BVB aus einem 6 Punkte Vorsprung nicht ausbauen kann und ihn wieder hergibt will dann keiner wissen . Es ist ja nicht das erstenmal das der FC Bayern sehr schwach dasteht und von Pleiten gebeutelt wird. Aber weder der BVB noch andere "Bayernjäger" schaffen es das so zu nützen um Bayern hoffnungslose zu distanzieren um die Meisterschaft zu gewinnen. Siehe letzte Saison da hat der BVB die Tabellenspitze bis zum 9 Spieltag inne gehabt und den Rest kennen wir ja !
derLordselbst 07.11.2018
5. eingeschränkte Wahrnehmung
Es ist natürlich durchaus möglich, dass so eine junge Mannschaft wie die des BVBs noch nicht stabil und erfahren genug ist, um die ganze Saison vorne zu liegen. Positiv ist aber, dass die Zeiten vorbei sind, wo andere Bundesligamannschaften bei Bayernspielen in Schockstarre verfallen und die Punkte auf dem Silbertablett servieren. Das liegt einerseits daran, dass es ein paar Mannschaften gerade richtig gut machen und ihre Möglichkeiten mal nutzen. Das liegt andererseits daran, dass es im Moment eine eingeschränkte Wahrnehmung der Realität nicht nur bei irgendwelchen Forenpostern gibt, sondern auch beim FC Bayern. Zu kleiner Kader, ineffiziente Jugendarbeit, das im Stich lassen von alternden Stars, die weiter 100% leisten sollen, die verpasste Möglichkeit, die Führungsriege zu erneuern (Honeßs "Auszeit"), statt dessen die Etablierung eines Ja-Sagers als Sportdirektors. Daher ist die Situation nicht mit der letzten Saison vergleichbar.
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