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Dortmund fünf Punkte hinter Bayern: Noch wagen sie nicht zu träumen

Aus Wolfsburg berichtet

Bundesliga: Vom Ausgleich angestachelt Fotos
DPA

Borussia Dortmund besiegt den extrem heimstarken Vizemeister VfL Wolfsburg in letzter Sekunde, ist nur noch fünf Punkte von Tabellenführer Bayern München entfernt - und bleibt doch vorsichtig. Warum eigentlich?

Für die schwarz-gelben Helden, die nach dem Abpfiff vor ihren Fans getanzt und gesungen hatten, blieb es ein wundersamer Abend. Stark gestartet, lange gewackelt und ganz spät gejubelt: Als die Profis von Borussia Dortmund schöne Geschichten zu ihrem 2:1-Erfolg beim VfL Wolfsburg erzählen sollten, sahen sie äußerst glücklich und ratlos zugleich aus. "Das war ein dreckiger Sieg", sagte Abwehrspieler Sven Bender, "aber er fühlt sich gut an."

Ein Siegtor in der Nachspielzeit, das der eingewechselte Japaner Shinji Kagawa erzielt hat, macht Dortmund zum Team der Stunde in der Fußball-Bundesliga - wenn man denn vom 2. Tabellenplatz aus abwärts blickt.

Fünf Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Bayern München, neun Zähler Vorsprung auf Verfolger Borussia Mönchengladbach: Angesichts einer solchen Konstellation und dem Erfolgserlebnis beim heimstarken Vizemeister Wolfsburg hätte sich doch eigentlich jemand finden lassen müssen. Einer, der große Töne spuckt und Bock auf noch mehr hat.

Doch die Freude über diesen Triumph am 15. Spieltag fiel größer als der Mut und die Angriffslust aus. "Die Tabelle interessiert mich nicht", meinte BVB-Torhüter Roman Bürki und klang ziemlich sachlich. Dabei spricht der Schweizer nur das aus, was sein Trainer vorlebt. Thomas Tuchel möchte nicht über größere Ziele als Rang zwei reden.

"Ein Stück zu euphorisch"

Dortmund bewirbt sich seit Wochen erfolgreich darum, erster Gratulant zum nächsten Titelgewinn des FC Bayern sein zu dürfen. Aber der wiedererstarkte Klub weigert sich noch, die Münchner mit voller Wucht zu attackieren. "Wir sind die Herausforderer von Gladbach, Leverkusen und Wolfsburg", sagt Tuchel.

Was lässt diesen Verein, der den Übergang vom langjährigen Cheftrainer Jürgen Klopp zu dessen Nachfolger Tuchel elegant meistert, eigentlich zögern? Offenbar Partien wie die in Wolfsburg mit erstaunlich wechselhaften Leistungen. Die Borussia hatte vor 30.000 Zuschauern stark angefangen, durch ein Tor von Marco Reus (32. Minute) verdient geführt - und kam dann ins Wanken.

Nach dem Seitenwechsel hatte ihr Gastgeber den Ton angegeben und war in der Schlussminute, nachdem Lukasz Piszczek den VfL-Angreifer Andre Schürrle gefoult hatte, per Elfmetertor von Ricardo Rodriguez zum 1:1 gekommen. Doch der Jubel wurde durch Kagawas späten Treffer regelrecht erstickt. "Das ist Wahnsinn. Das müssen wir erst mal abschütteln", gestand der Wolfsburger Julian Draxler. Sein Team hatte nicht mit Wucht die Entscheidung gesucht, sondern die Borussia mit Fehlern zum Siegtreffer eingeladen. "Vielleicht", fragte sich VfL-Trainer Dieter Hecking, "waren wir ein Stück zu euphorisch."

Höhnische Gesten in Richtung Wolfsburg

Man darf sich durchaus darüber freuen, wenn es gelingt, eine spielstarke Elf wie Borussia Dortmund in akute Verlegenheit zu bringen. 50 Minuten lang, so rechnete es selbst der gegnerische Trainer vor, hatten die Wolfsburger die Partie dominiert und waren nicht an ihrem Rückstand verzweifelt. Aber es fehlte an der nötigen Cleverness, um die Borussia aufzuhalten.

Die Dortmunder sahen vor allem nach dem Abgang von Antreiber Ilkay Gündogan verwundbar aus. Er war nach 55 Minuten mit Rückenschmerzen ausgetauscht worden. Und dass ihnen Sekunden nach dem Wolfsburger Ausgleich der Siegtreffer gelungen ist, könnte sich eines Tages als besonders sensibler Punkt der Saison 2015/2016 erweisen. "Dass wir da noch mal getroffen haben, kam extrem überraschend. Aber wir haben einen kleinen Meilenstein erreicht", sagte Gündogan voller Stolz.

29 Heimspiele in Folge hatte der VfL Wolfsburg in der Bundesliga nicht mehr verloren. Eine solch stolze Serie zu beenden und so viel Moral wie Dortmund in der packenden Schlussphase zu beweisen - das lässt aufhorchen. Als einziges Manko aus Sicht des BVB bleibt neben einem ungewöhnlich schwachen Auftritt von Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang zurück, dass Reus und Co. so verschwenderisch mit ihren vielen guten Torchancen umgegangen waren. Spieler und Trainer schlossen daraus, dass sie noch eine Menge besser machen und lernen können. "Es geht nicht anders", sagte Tuchel. "Wir müssen die Füße am Boden halten und nicht träumen."

Er war kurz vor dem Abpfiff von Schiedsrichter Tobias Stieler auf die Tribüne verbannt worden - als Strafe für einen Tritt gegen die Werbebande und höhnische Gesten in Richtung Wolfsburger Ersatzbank. Dieser emotionale Ausbruch, den Tuchel einer Mischung aus Wut und Freude zuschrieb, lässt auf großen Ehrgeiz schließen. Die Liga und ihre Fans sehnen sich nach einer Borussia aus Dortmund, die ihre direkte Rückkehr in die Champions League und am besten gleich noch mehr anstrebt.

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insgesamt 61 Beiträge
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1.
Broko 06.12.2015
Weil er weiß, dass Bayern den besseren Kader hat?
2. Wenn Gladbach...
roppel 06.12.2015
die ersten Spiele nicht vergeigt hätte, wären sie die klare Nummer 2 hinter den Bayern. Besseren Fussball als der BVB spielen sie unter Schubert zweifellos. Der BVB lebt eher von seinen hervorragenden Einzelspielern wie z.B. Aubameyang. In München gab's 5:1 auf die Mütze, Gladbach hat....
3. Genau richtig
Sal.Paradies 06.12.2015
Die Einstellung von Tuchel und der Mannschaft ist vollkommen richtig. Und sie zeugt auch von einem gerüttelt Mass an Realitätssinn. Und gerade das Spiel gegen die Wölfe zeigt dies auf. Der BVB "muss" dieses Spiel in der 1.Halbzeit entschieden haben, aber mal wieder wurden reihenweise Hochkaräter versemmelt. Dann die 2.Halbzeit, die zeigte, "warum" der BVB (im Moment) noch kein wirklicher Konkurrent der Bayern sein kann. Die Borussia die in die 2.Halbzeit auflief war eine gänzlich andere. Keine Ballsicherheit, den Ball schnellstmöglich verloren, keine Chancen mehr heraus gespielt, fahrig+unkonzentriert, also das genaue "Gegenteil" von Halbzeit 1. Und der Elfmeter in der 90.Minute passt dazu wie die Faust auf`s Auge. Klasse war, dass die Mannschaft nochmals so effizient nach vorne spielte, um die Entscheidung zu suchen. Und wie sie es heraus gespielt hatten, war einfach Top. Wie man also sieht war da viel Licht, aber auch einiges an Schatten. Vergessen darf man allerdings auch nicht, dass dem BVB 3 wichtige Leute fehlten. Insofern ist da noch Luft nach oben. Der BVB ist ganz klar die Nummero 2 im deutschen Fussball, da können die Wölfe noch so viel hoffen und hinein interpretieren, denn sie selbst sind es definitiv nicht ! Aber zu den Bayern fehlt der Borussia noch ein kleines Stück = solche Totalaussetzer wie in Hamburg dürfen nicht mehr vorkommen. Und wenn gerade im Rückspiel gegen die Bayern eine Top-Leistung abgerufen wird, dann....ja..dann ist vieles möglich... ;-)
4. typisch SpOn
the_speaker 06.12.2015
als die Bayern vor zwei, drei Wochen deutliche Siege geholt hat und Dortmund in Hamburg und danach in der Europa league verloren hat, da war Bayern bereits Meister, die Liga langweilig und überhaupt gibts nur den FC Barcelona als möglichen Herausforderer des FC Bayern. Jetzt hat Bayern mal verloren und Dortmund drei Punkte gut gemacht, schon findet SpOn wieder, Dortmund kann Meister werden und sollte nicht so demütig sein... Ich verstehe ja das Berichte, die mit dem FC Bayern zu tun haben, nie ganz emotionslos geschrieben werden. Aber ganz frei von Sachlichkeit sollten sie eben auch nicht geschrieben werden. So beweist SpOn nur wieder seinen mittlerweile auf Bild-Zeitung-Niveau gesunkenen Standard.
5. Weil es bedeutngslos ist
Bueckstueck 06.12.2015
Dortmund wird noch mehr Spiele verlieren als Bayern - das Erste steht ja auch schon fest. Wer gegen Hamburg verliert muss nicht mal im Tiefschlaf von der Meisterschaft träumen.
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