Eigentlich bin ich ja nicht abergläubisch. Dass es allerdings eine besonders gute Idee ist, ausgerechnet an einem Freitag, den 13. mit dem FC St. Pauli auswärts zu fahren, habe ich schon vor Fahrtantritt bezweifelt. Zwar ist man als Fan des Hamburger Zweitligisten einiges gewohnt, doch der Trip zum fast sicheren Aufsteiger nach Fürth entpuppte sich als kompletter Reinfall.
Dabei fing alles so nett an: Vor dem Baukasten-Stadion, das ein Gästefan mit weit aufgerissenen Augen als "Attrappe" bezeichnete, empfangen uns keine Heerscharen von Polizisten, sondern freundliche Ordner. Drinnen überzeugt das kulinarische Angebot mit Rostbratwurst-Duo im Brötchen ("Semmel") und Hefeweizen (leider nur light).
Getrübt wird der positive Eindruck nur von zwei Dingen: Dem Umstand, dass für den gesamten Gästebereich nur ein gutes Dutzend Dixi-Klos zur Verfügung steht. Wenig bundesligareif. Und dem Auftritt des FC St. Pauli. Gar nicht bundesligareif. Von der ersten Minute an verpennt das Team vom mittlerweile am Millerntor nicht mehr unumstrittenen Trainer André Schubert das Spiel. Dabei ging es um eine der letzten Chancen auf einen Aufstiegs- beziehungsweise Relegationsplatz.
Die meisten Ballkontakte im ersten Durchgang haben bezeichnenderweise nicht St. Paulis Stürmer, sondern Torhüter Philipp Tschauner. Fürth führt verdient zur Halbzeitpause, die mit angespanntem Warten vor dem Dixi überbrückt wird. Auch im zweiten Durchgang findet St. Pauli kaum statt. Dafür sticht ein ehemaliger St. Paulianer hervor.
Asamoah: Vom Frauenheld zum Schwalbenkönig
Wer den früheren Nationalspieler Gerald Asamoah in diesem Spiel erlebt, bekommt den Eindruck, der Stürmer würde in Fürth nach Schwalben bezahlt werden. Immer wieder hebt er ab, fällt theatralisch und fordert Freistöße gegen seine alten Kollegen. Der Siegtorschütze des Hamburger Derbys aus der vergangenen Saison verspielt nicht nur bei mir an diesem Tag einen Teil seines Kultstatus. Vom Frauenheld von Hamburg zum Schwalbenkönig von Fürth - so kann man auch als Aufsteiger seinen ganz persönlichen Abstieg erleben.
Das Thema Aufstieg ist nach der verdienten 1:2-Niederlage für den FC St. Pauli durch, dafür dürfen die Fürther für die Bundesliga planen. Dementsprechend ausgelassen ist die Stimmung im Stadion mit dem schönen Namen Trolli Arena. Dazu kann man dem Team und dem engagierten Trainer Mike Büskens, für den ich Fürth an diesem lauen Frühlingsabend auf meiner Sitzsschale direkt hinter dem Tor mehrfach beineide, nur gratulieren.
Der Terminkalender führt mich einen Tag später nach München. Und wo ich schon mal da bin, ist natürlich auch ein Besuch in der Allianz Arena drin. Nach all den Emotionen vom Freitagabend kommt die Partie zwischen dem FC Bayern München und dem FSV Mainz 05 gerade recht zum Abschalten.
Das dürften auch die meisten Fans getan haben, die sich diese Zumutung von einem Fußballspiel im TV angeschaut haben. Eine wild durchrotierte Bayern-Elf, die nicht in der Lage ist, Druck auf eine Mainzer Maurertruppe auszuüben, will also am Dienstagabend Real Madrid (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) schlagen. Mich beschlichen da im Stadion doch so manche Zweifel. Zweifelhaft auch der Auftritt von Arjen Robben im Spiel eins nach seinem schon fast tragischen Einsatz in Dortmund. Wenn Robben beim FC Bayern für theatralisches Fallen und Schwalben bezahlt würde, das Festgeldkonto der Münchner wäre im Dispo.
Da ist es dann auch wenig schade, dass ich diesen Versuch eines Fußballspiels eine Viertelstunde vor dem Abpfiff verlassen muss, um den letzten Zug aus der bayerischen Landeshauptstadt nach Frankfurt zu bekommen. Die Main-Metropole dient als Zwischenstopp auf dem Weg zum eigentlichen Höhepunkt des Wochenendes: Dem Rhein-Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln.
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