Drei Fußballspiele an drei Tagen: 2000 Kilometer, zwei Grottenkicks und ein geplatzter Traum

Katastrophale Kiezkicker, desolate Bayern und ein würdiger Derbysieger: Sportredakteur Mike Glindmeier hat ein komplettes Fußball-Wochenende mit drei völlig unterschiedlichen Spielen erlebt. Am Ende entschädigte Mönchengladbach den St.-Pauli-Fan für den 2000-Kilometer-Trip.

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AP

Eigentlich bin ich ja nicht abergläubisch. Dass es allerdings eine besonders gute Idee ist, ausgerechnet an einem Freitag, den 13. mit dem FC St. Pauli auswärts zu fahren, habe ich schon vor Fahrtantritt bezweifelt. Zwar ist man als Fan des Hamburger Zweitligisten einiges gewohnt, doch der Trip zum fast sicheren Aufsteiger nach Fürth entpuppte sich als kompletter Reinfall.

Dabei fing alles so nett an: Vor dem Baukasten-Stadion, das ein Gästefan mit weit aufgerissenen Augen als "Attrappe" bezeichnete, empfangen uns keine Heerscharen von Polizisten, sondern freundliche Ordner. Drinnen überzeugt das kulinarische Angebot mit Rostbratwurst-Duo im Brötchen ("Semmel") und Hefeweizen (leider nur light).

Getrübt wird der positive Eindruck nur von zwei Dingen: Dem Umstand, dass für den gesamten Gästebereich nur ein gutes Dutzend Dixi-Klos zur Verfügung steht. Wenig bundesligareif. Und dem Auftritt des FC St. Pauli. Gar nicht bundesligareif. Von der ersten Minute an verpennt das Team vom mittlerweile am Millerntor nicht mehr unumstrittenen Trainer André Schubert das Spiel. Dabei ging es um eine der letzten Chancen auf einen Aufstiegs- beziehungsweise Relegationsplatz.

Die meisten Ballkontakte im ersten Durchgang haben bezeichnenderweise nicht St. Paulis Stürmer, sondern Torhüter Philipp Tschauner. Fürth führt verdient zur Halbzeitpause, die mit angespanntem Warten vor dem Dixi überbrückt wird. Auch im zweiten Durchgang findet St. Pauli kaum statt. Dafür sticht ein ehemaliger St. Paulianer hervor.

Asamoah: Vom Frauenheld zum Schwalbenkönig

Wer den früheren Nationalspieler Gerald Asamoah in diesem Spiel erlebt, bekommt den Eindruck, der Stürmer würde in Fürth nach Schwalben bezahlt werden. Immer wieder hebt er ab, fällt theatralisch und fordert Freistöße gegen seine alten Kollegen. Der Siegtorschütze des Hamburger Derbys aus der vergangenen Saison verspielt nicht nur bei mir an diesem Tag einen Teil seines Kultstatus. Vom Frauenheld von Hamburg zum Schwalbenkönig von Fürth - so kann man auch als Aufsteiger seinen ganz persönlichen Abstieg erleben.

Das Thema Aufstieg ist nach der verdienten 1:2-Niederlage für den FC St. Pauli durch, dafür dürfen die Fürther für die Bundesliga planen. Dementsprechend ausgelassen ist die Stimmung im Stadion mit dem schönen Namen Trolli Arena. Dazu kann man dem Team und dem engagierten Trainer Mike Büskens, für den ich Fürth an diesem lauen Frühlingsabend auf meiner Sitzsschale direkt hinter dem Tor mehrfach beineide, nur gratulieren.

Der Terminkalender führt mich einen Tag später nach München. Und wo ich schon mal da bin, ist natürlich auch ein Besuch in der Allianz Arena drin. Nach all den Emotionen vom Freitagabend kommt die Partie zwischen dem FC Bayern München und dem FSV Mainz 05 gerade recht zum Abschalten.

Das dürften auch die meisten Fans getan haben, die sich diese Zumutung von einem Fußballspiel im TV angeschaut haben. Eine wild durchrotierte Bayern-Elf, die nicht in der Lage ist, Druck auf eine Mainzer Maurertruppe auszuüben, will also am Dienstagabend Real Madrid (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) schlagen. Mich beschlichen da im Stadion doch so manche Zweifel. Zweifelhaft auch der Auftritt von Arjen Robben im Spiel eins nach seinem schon fast tragischen Einsatz in Dortmund. Wenn Robben beim FC Bayern für theatralisches Fallen und Schwalben bezahlt würde, das Festgeldkonto der Münchner wäre im Dispo.

Da ist es dann auch wenig schade, dass ich diesen Versuch eines Fußballspiels eine Viertelstunde vor dem Abpfiff verlassen muss, um den letzten Zug aus der bayerischen Landeshauptstadt nach Frankfurt zu bekommen. Die Main-Metropole dient als Zwischenstopp auf dem Weg zum eigentlichen Höhepunkt des Wochenendes: Dem Rhein-Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln.

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1.
oaonorm1 16.04.2012
Zitat von sysopKatastrophale Kiezkicker, desolate Bayern und ein würdiger Derbysieger: Sportredakteur Mike Glindmeier hat ein komplettes Fußball-Wochenende mit drei völlig unterschiedlichen Spielen erlebt. Am Ende entschädigte Mönchengladbach den St.-Pauli-Fan für den 2000-Kilometer-Trip. Drei Fußballspiele an drei Tagen: 2000 Kilometer,*zwei Grottenkicks*und ein geplatzter Traum - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,827758,00.html)
Ich empfehle demjenigen der für die Zeile unter dem 11. Bild verantwortlich ist mal Southpark zu schaun. Am besten gleich die Folge in der Biker von den Kindern als Fags beschimpft werden. Darin regen sich alle nicht schwulen darüber auf, aber die Schwulen an sich finden es klasse. Immer dieses Homophobe unverständniss dafür das die Bezeichnung als schwuler Kölner nur für nicht schwule Kölner eine "Beleidigung" sein kann. Wenn Leute das dann als allgemein beleidigend empfinden liegt es wohl daran das sie schwul sein für falsch und eine Unart halten. Nur wer sich damit ärgern lässt, dass man ihm ein "du bist schwul" an den Kopf wirft, hat eindeutig Probleme mit Schwulen an sich.
2.
Charlie Mops 16.04.2012
Zitat von sysopIch lasse sie in dem Glauben und verschweige bewusst, dass Reus erst dreimal in dieser Saison verwarnt wurde Drei Fußballspiele an drei Tagen: 2000 Kilometer,*zwei Grottenkicks*und ein geplatzter Traum - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,827758,00.html)
Auch wenn sich diese Leute in ihrer Prognose glücklicherweise geirrt haben, hätten sie dem Autor auf Anfrage sicher erklärt, daß man in einem Spiel tatsächlich auch zwei gelbe Karten bekommen kann, um eine Spielsperre zu provozieren. Aber glücklicherweise hat Herr Reus durch seine Klasse-Leistung gezeigt, was er von solchen Mutmaßungen hält! ;)
3. der Artikel
gekreuzigt 16.04.2012
Zitat von sysopKatastrophale Kiezkicker, desolate Bayern und ein würdiger Derbysieger: Sportredakteur Mike Glindmeier hat ein komplettes Fußball-Wochenende mit drei völlig unterschiedlichen Spielen erlebt. Am Ende entschädigte Mönchengladbach den St.-Pauli-Fan für den 2000-Kilometer-Trip. Drei Fußballspiele an drei Tagen: 2000 Kilometer,*zwei Grottenkicks*und ein geplatzter Traum - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,827758,00.html)
ist so, wie Pauli gespielt hat. Warum gibt es bei Spon eigentlich diese Tummelwiese für Pauli-Fans? Dieses ewige Pro-Pauli-Getue (Kult!) und Anti-Bayern-Gehabe (Schnösel!) langweilt doch etwas.
4.
tipp-ex 16.04.2012
Ach, Herrr Glindmeier ist St.Pauli-Fan? Wer hätte das gedacht? Das merkt man bei der immer so ausgewogenen Berichterstattung (fast) nie. Abgesehen davon - aus Fürther Sicht war das Spiel eher kein Grottenkick. Die Paulianer konnten halt nur nicht mithalten bei einem zukünftigen Erstligisten.
5. xxx
hattrick73 16.04.2012
St.-Pauli-Fan-Magazin oder wo kommt das her ?
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