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Gladbacher Abwehrprobleme: Schlechter als Hannover

Von Sebastian Winter, Augsburg

Gladbach gegen Augsburg: Verrückte fünf Minuten Fotos
AP/dpa

Mönchengladbach hat in Augsburg wichtige Punkte verloren. Trainer Schubert lobte den Gegner - und lenkte so von der eigenen Schwäche ab: Die Borussia stellt die drittschwächste Defensive der Liga.

Augsburgs Trainer Markus Weinzierl fühlte sich sehr geschmeichelt am frühen Sonntagabend, als er nach dem 2:2-Unentschieden gegen Borussia Mönchengladbach den Worten von André Schubert lauschte. Gladbachs Übungsleiter hatte nämlich zu einer Lobeshymne an die gegen Liverpool in der Europa League nur knapp gescheiterten Augsburger angesetzt: "Ihr habt den deutschen Fußball in Europa toll vertreten. Heute seid ihr auch wieder 120 Kilometer marschiert. Ich wünsche der Mannschaft jetzt möglichst viele Siege, denn Augsburg gehört in die erste Liga."

Den Gegner in den Himmel zu loben, ist unter Trainern immer auch eine beliebte Strategie, um von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Und die gab es zuhauf im Gladbacher Spiel.

Die noch immer abstiegsgefährdeten Augsburger, die mit vier Punkten Vorsprung vor dem Relegationsplatz liegen, hatten die auf die Champions-League-Qualifikation hoffenden Gladbacher jedenfalls extrem unter Druck gesetzt mit ihrem kampfbetonten Stil. Man sah das am Anfang, als der starke Winterzugang Alfred Finnbogason nach einem Gladbacher Fehlpass alleine auf Borussia-Torwart Yann Sommer zulief und gerade noch von Verteidiger Andreas Christensen gestoppt werden konnte. Man sah das am Ende, als Finnbogasons Drehschuss in der Nachspielzeit an den rechten Pfosten klatschte. Und man sah zwischendrin, in vielen Momenten des Spiels, dass die Gladbacher Abwehr derzeit eben nicht eines Champions-League-Teilnehmers würdig ist, sondern eher der eines Abstiegskandidaten gleicht.

40 Gegentore in 23 Spielen

Die Statistik spricht jedenfalls dafür: Mit 40 Gegentreffern in 23 Ligaspielen stellt die Borussia die drittschlechteste Defensive der Bundesliga, noch hinter Hoffenheim und Hannover. Und dass sie nach ihrer Führung durch Raffael (33. Minute) gegen Augsburg nicht noch mehr als "nur" die beiden Tore durch - natürlich - Finnbogason per wunderbarem Kopfball (50.) und Caiuby (53.) erlitten, hatten sie dem ungenauen Abschluss der Augsburger zu verdanken. Ein Satz von Gladbachs Sportdirektor Max Eberl sprach jedenfalls Bände: "Insgesamt können wir mit dem einen Punkt gut leben."

Die Abwehrschwäche zieht sich durch die Saison der Borussen, Trainer Schubert scheint sie derzeit nicht in den Griff zu kriegen. Gladbachs Problem bleiben bei aller Offensivwucht, die die Mannschaft entfalten kann, die Ungenauigkeiten in der gegnerischen Hälfte. Weil sie zu oft unnötig den Ball verlieren - und dann Schwächen im defensiven Umschalten offenbaren. Mehrmals kam Augsburg über die Flügel zu schnell nach vorne oder überbrückte das Mittelfeld mit hohen Bällen, die die Borussia schlecht verteidigte. "Der kontrollierte Abschluss hat gefehlt. Gleichzeit haben wir auch zu viel zugelassen, weil wir hier und da nicht einfach genug agiert haben", sagte Schubert. Er meinte wohl: einfach zu ungeordnet und fahrlässig.

Ein Beispiel dafür war die Entstehung des zweiten Augsburger Treffers: Getümmel in Gladbachs Strafraum, einen Schuss von Augsburgs Koo Ja-cheol lenkt Granit Xhaka unfreiwillig zu Caiuby - Tor. "Wir kommen sehr passiv aus der Pause, das darf uns nicht passieren", kritisierte Xhaka gleich auch sich selbst.

Augsburg wird zum Angstgegner

Für die Borussia bleibt die Erkenntnis, dass sie in Augsburg nicht gewinnen kann. Im fünften Gastspiel war es das dritte Unentschieden - bei zwei Niederlagen. Immerhin hat Mainz gegen Leverkusen gewonnen, was den Gladbachern entgegenkommt, da sie nun auch weiterhin vor den beiden Konkurrenten stehen. "Es war ein Auf und Ab. Augsburg ist eine sehr unangenehme Mannschaft, sie nehmen jeden Zweikampf an", versuchte Patrick Herrmann noch eine Erklärung. Aber auch dieses Argument war unglücklich gewählt, denn genau daran mangelte es der Borussia.

Ausgerechnet Herrmann, bei dem im Oktober 2015 ein Kreuzbandriss diagnostiziert worden war, taugte dann doch noch für eine schöne Geschichte aus Gladbacher Sicht. Nach nur vier Monaten Pause war der 25 Jahre alte Nationalspieler auf den Rasen zurückgekehrt, was auch seinen Trainer glücklich machte: "Wenn man in die Gesichter der Jungs blickt, wenn sie das erste Mal wieder auf dem Platz stehen, wie bei Patrick Herrmann, sieht man, dass die Gesundheit viel wichtiger ist als irgendwelche Punkte oder Ergebnisse."

André Schubert hatte dadurch auch noch einen Grund mehr, nicht über seine Defensive sprechen zu müssen. Und über zwei Punkte, die er trotz Herrmanns Rückkehr schmerzlich vermissen wird.

FC Augsburg - Borussia Mönchengladbach 2:2 (0:1)
0:1 Raffael (33.)
1:1 Finnbogason (50.)
2:1 Caiuby (53.)
2:2 Johnson (55.)
Augsburg: Hitz - Verhaegh, Gouweleeuw, Klavan, Max - Morávek (46. Koo, 78. Janker), Kohr - Bobadilla (84. Esswein), Altintop, Caiuby - Finnbogason
Mönchengladbach: Sommer - Elvedi, Christensen, Nordtveit, Wendt - Traoré (67. Herrmann), Dahoud (64. Hinteregger), Xhaka, Johnson - Hazard (86. Brouwers), Raffael
Schiedsrichter: Kircher
Zuschauer: 29.665

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insgesamt 3 Beiträge
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1. es fehlt die Frische
det42 28.02.2016
... warum auch immer. Die Mannschaft agierte nicht frisch und konzentriert. Nicht mehr so lauffreudig, recht viele Fehlpässe und oft nachlässig in Zweikämpfen. Mir kommt es so vor, als ob es schlicht konditionelle Mängel gibt... eigentlich seltsam, wo sie doch nur noch in der Liga spielen...
2.
yaboy 29.02.2016
Muss man Hannover jetzt immer als Negativbeispiel nehmen?
3. Das kann man....
bigmitt 29.02.2016
....natürlich so sehen, das man den 2 "verlorenen " Punkten am Ende der Saison nachtrauert. Genauso kann es aber auch der Punkt sein der am Ende Platz 4 sichert. Borussia hat noch alle Konkurrenten im direkten Duell ( Hertha, Schalke, Leverkusen sogar zu Hause) vor sich. Trotzdem muss hinten wieder Ruhe einkehren. Mit dem Hurrastil und dem Druck immer eins mehr Schiessen zu müssen als der Gegner wird es zwangsläufig schwer werden ( Siehe Zorniger in Stuttgart )
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