Schalkes Weiterkommen in Gladbach Die Maulwurf-Affäre

0:2 zurückgelegen, dann brachte ein Platzfehler Schalke in Gladbach zurück. Nun träumt der Klub vom Coup der "Eurofighter", sogar der einstige S04-Schreck Patrik Andersson konnte dem Team nichts anhaben.

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Ausgangslage: Das Staffelfinale der Miniserie mit Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 in den Hauptrollen stand an, es war das dritte Duell der Klubs innerhalb von 13 Tagen. Aus Gladbacher Sicht begann der Mehrteiler mit einem 4:2-Erfolg in der Bundesliga traumhaft. Danach: ein wenig Ernüchterung. Beim Achtelfinal-Hinspiel in der Europa League verpasste die Borussia den zweiten Sieg und kam zu einem 1:1. Auch die Generalprobe für das Rückspiel ging schief, das Team unterlag beim HSV und büßte Platz eins in der Bundesliga-Rückrundentabelle ein. Schalke feierte dagegen einen 3:0-Erfolg gegen Augsburg und schien Chancen auf ein Comeback in Episode III zu haben.

Startaufstellungen:
Mönchengladbach: Sommer - Jantschke, Christensen, Vestergaard, Wendt - Kramer, Dahoud - Herrmann, Johnson - Drmic, Raffael.
Schalke: Fährmann - Kehrer, Höwedes, Nastasic, Kolasinac - Geis, Bentaleb - Caligiuri, Goretzka, Choupo-Moting - Burgstaller.

Ergebnis: 2:2 (2:0). Schalke steht wegen der mehr geschossenen Auswärtstore im Viertelfinale. Hier geht's zum Spielbericht.

Erste Hälfte: Eine zähe Anfangsviertelstunde mussten die Zuschauer überstehen. Danach ließen Josip Drmic (17. Minute) und Raffael (22.) Großchancen ungenutzt und Andreas Christensen sorgte mit einem abgefälschten Schuss für die Gladbacher Führung (27.). Leon Goretzka verpasste nur drei Minuten später den Ausgleich. S04 übernahm die Kontrolle und hatte deutlich mehr Torschüsse, ging aber nicht zu viel Risiko - wohl aus Angst vor Gladbacher Konteraktionen.

In der Nachspielzeit erhöhte die Borussia genau durch eine solche Szene. Eric Maxim Choupo-Moting verspielte einen vielversprechenden Angriff kläglich, die Bestrafung folgte unmittelbar durch ein Traumtor von Mahmoud Dahoud (45.+2).

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Europa-League-Achtelfinale: Gladbach verspielt Zwei-Tore-Führung

Zweite Hälfte: Schalke ackerte und erarbeitete sich die Rückkehr. Zunächst mit einem kuriosen Treffer durch Goretzka, der bei seinem eher unplatzierten Schuss in der 54. Minute von einem Platzfehler profitierte (mehr dazu unter Déjà-vu I). Danach gelang Nabil Bentaleb in Folge eines umstrittenen Elfmeterpfiffs bei einem Handspiel von Dahoud der Ausgleich (68.). Nach Schalkes zweitem Auswärtstor versuchte Gladbach, schnell zu reagieren. Gefährlicher blieb Königsblau durch Konterszenen, hinten stand das Team weitestgehend sicher und rettete das Remis über die Zeit.

Alternative Bilanz: 3:3 nach Treffern, die Torschussstatistik aus Hin- und Rückspiel fiel deutlicher aus: 44:14 für Schalke.

Déjà-vu I: 2009 schied der Hamburger SV im Halbfinale des Uefa Cups gegen Werder Bremen aus. Mitverantwortlich dafür war eine Papierkugel (mehr zum Papierkugel-Gate lesen Sie hier). Nach dem 1:2 durch Goretzka - der Ball setzte am Fünfmeterraum auf und hüpfte unhaltbar ins Tor - fühlten sich viele an die Szene von damals erinnert, und im Social Web entfachten Diskussionen um den "wahren" Torschützen des Schalker Anschlusstreffers:

Déjà-vu II: Seit seinem legendären Freistoßtor zum Meistertitel 2001 ist Bayern Münchens Ex-Profi Patrik Andersson unvergessen. Auch bei Schalke, das nach dem Treffer des Schweden als "Meister der Herzen" weinte. Diesmal besuchte Andersson als Repräsentant des EL-Finals im schwedischen Solna und früherer Gladbach-Profi (1993-1999) den Borussia-Park und brachte Königsblau als Zuschauer sogar Glück. Zuvor hatte der 45-Jährige bereits die Achtelfinal-Paarungen gezogen.

Erkenntnis des Spiels: 20 Jahre nach dem Triumph der "Eurofighter" träumt Schalke weiter von einem internationalen Titel. Der Sieg in der Europa League würde zudem die Qualifikation zur Champions League sichern, angesichts des verbleibenden Teilnehmerfelds (mit Manchester United ist nur noch ein echter Hochkaräter im Wettbewerb) ist das nicht einmal unwahrscheinlich. In der Liga steht für Schalke aber Abstiegskampf an. Gladbach bleibt die Titelchance im DFB-Pokal.

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gibmichdiekirsche 17.03.2017
1.
Vor genau 20 Jahren duselten sich die Gelsenkirchener schon einmal ins Finale des UEFA-Cups/der EL gegen Inter. Und hatten ein Mordsschwein, dass Ivan Zamorano und Aron Winter ihre Elfer im Final-Rückspiel vergaben. Vielleicht ein gutes Omen für den BVB, denn in eben diesem Jahr gewann der die CL und den Weltpokal, und das Ruhrgebiet war einen Sommer lang von Herne-West bis Lüdenscheid-Nord so was wie der Nabel der Fußballwelt. Hätte nix dagegen, wenn sich das anno 2017 wiederholte, obwohl es mir für Gladbach leid tut, denn die waren in meinen Augen die aufs Ganze gesehen bessere Mannschaft.
joke61 17.03.2017
2. Leider konnte man in den letzten 3 Spielen sehen,
dass MG wieder auf den Weg in die Lethargie ist. Beim 1:1 in Schalke, beim 2:1 für Hamburg und leider auch gestern bis auf die letzten 15 Minuten fehlt einfach der Wille, der Kampfgeist. Ja, das Schalker Tor war kurios, der Elfer ungerecht. Aber die Schalker haben im MG Stadion das Spiel gemacht und letztendlich auch verdient gewonnen. Nach meiner Einschätzung wird MG jetzt in den Abstiegs Strudel gezogen. Sind ja nur 6 Punkte bis zum Relegation Platz. Nach dem nächsten Spiel gegen Bayern könnten es nur noch 3 sein. Danach nach Frankfurt. Die nächsten Jahre wird MG wohl nicht mehr international Spielen! Schade!
erwin_koslowski 17.03.2017
3. Oh man
Junge da fällt dich nix mehr ein...Verdient ist anders. Freue mich natürlich trotzdem für die Knappen! Glück Auf!
roithamer 17.03.2017
4. Schalke-Dusel
Da fällt mir nichts mehr zu ein. Außer, dass Schalke absteigen und sich für die CL qualifizieren könnte...
dhanz 17.03.2017
5.
Über beide Spiele gesehen ist das Weiterkommen von S04 sicherlich verdient, obwohl der Elfmeterpfiff eine Fehlentscheidung war. Schon das Hinspiel hätte Schalke mit zwei Toren Unterschied gewinnen müssen.
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