Brasiliens Trainer Scolari "Der schlimmste Tag meines Lebens"

Er sollte die brasilianische Auswahl nach 2002 wieder zum WM-Titel führen. Im Heimturnier brachte Luiz Felipe Scolari das Team weit - doch nicht weit genug. Im Augenblick der schlimmsten Niederlage der Seleção übernimmt der Trainer die alleinige Verantwortung.

Brasiliens Trainer Scolari: "Ich bin der Verantwortliche"
AP/dpa

Brasiliens Trainer Scolari: "Ich bin der Verantwortliche"


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Luiz Felipe Scolari wird in diesem Jahr 66 Jahre alt. Der Trainer der brasilianischen Elf hat schon fast alles erlebt. Er war Weltmeister 2002, mit Portugal scheiterte er zwei Jahre später erst im EM-Finale an cleveren Griechen. Nun sollte der Trainer die Brasilianer erneut zum WM-Titel führen. Im eigenen Land. Seine größte Aufgabe. Am Abend des 8. Juli 2014 scheiterte er, krachend. Als er sich mit geröteten Augen der Weltpresse stellte, sagte er: "Es ist der schlimmste Tag meines Lebens."

Wenige Minuten zuvor hatte er seine Mannschaft noch einmal auf dem Rasen versammelt. Gerade eben war dieses WM-Halbfinale abgepfiffen worden. 1:7 - die höchste Niederlage einer brasilianischen Mannschaft überhaupt. Scolari ist verglichen mit Trainern wie Joachim Löw oder Louis van Gaal kein großer Taktiker, aber er versteht es, Teams zu bilden die mehr sind als in die Summe ihrer Teile. Er ist eine Art Jürgen Klopp mit einem Schuss Ottmar Hitzfeld. Die "Zeit" nennt ihn einen "Spielerfänger".

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Nun standen sie wieder um ihn herum. Viele Spieler weinten. Scolari hätte einige Gründe gehabt, sie zu kritisieren. Doch der Trainer stellte sich vor seine Spieler. "Das ist die schlimmste Niederlage der Geschichte. Das Ergebnis fällt auf mich zurück, ich bin der Verantwortliche", sagte der Mann, der unter größtem Druck mit viel Leidenschaft und Willen einen Titelkandidaten geformt hatte: "Dem brasilianischen Volk möchte ich sagen: Bitte entschuldigt diese Niederlage!"

Scolari hatte während dieser WM schon manchmal seine Fassung verloren. Er schimpfte über Kritik an der Elfmeterentscheidung im Eröffnungsspiel gegen Kroatien (3:1), Kritiker wünschte er auch mal "zur Hölle". Nun blieb Scolari ruhig, trotz der aufwühlenden Niederlage. "Das Leben geht weiter, auch mein Leben geht weiter."

Es ist nur zu vermuten, wie groß der Druck war, der sich im Augenblick der Niederlage auf ihm und seiner Mannschaft entlud. Es passt zu Scolari, dass er dennoch auch in diesem Moment ein Anwalt seiner Spieler blieb. Auch das Fehlen des verletzten Neymar und des gelbgesperrten Kapitäns Thiago Silva erwähnte er nicht als Entschuldigung.

Stattdessen sagte er: "Vielleicht wird es in die Geschichte eingehen, dass ich die schlimmste Niederlage für Brasilien zu verantworten habe." Scolari kennt nun die Extreme eines Trainerlebens wie kaum ein anderer. Genug hat er unter Umständen dennoch noch nicht. Zu seiner persönlichen Zukunft wollte er sich am Abend nicht äußern.

Möglicherweise geht es noch weiter. Für so manchen soll das Leben mit 66 Jahren ja erst anfangen.

fpf



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insgesamt 3 Beiträge
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RalfHenrichs 09.07.2014
1. Scolari sollte sich zur Ruhe setzen
Ernsthaft: wer wird ihn nach dieser historischen Niederlage noch einstellen wollen?
Bee1976 09.07.2014
2. Ach
es gab schon oft historische Niederlagen im Weltfussball und die Trainer sind durchaus wieder aufgetaucht. Das Brasilien rausfliegt war mir schon vorher klar (jaja ich weiss hinterher...) das es so deutlich werden würde, allerdings nicht. Neymar und Silva sind nicht zu ersetzen, man hat gemerkt die Brasilianer sind wirklich guten Mutes in die Sache reingegangen, wollten wirklich für ihr Land und Neymar gewinnen. Aber als das zweite Tor fiel sind sie einfach zusammengeklappt wie ein Kartenhaus. Scolaris großer Fehler war, das er das Spiel falsch gelesen hat, und nicht nach dem 2:0 1-2 stabilisierende Wechsel vorgenommen hat.
adubil 09.07.2014
3.
@bee1976 Nach dem 2:0 hatte Scolari schlicht keine Zeit mehr zum Lesen...selbst wenn er da Wechsel vorgehabt hätte, wären die kaum vor'm 5:0 auf dem Platz gewesen.
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