Von Christoph Ruf, Freiburg
Frank Schaefer immerhin, scheint zu wissen, was die Stunde geschlagen hat. Von seiner Mannschaft konnte man das bei der 1:4 (0:1)-Niederlage in Freiburg nicht behaupten: "Es wird jetzt viel kritisiert werden", sagte der Kölner Trainer deshalb, "meine Aufgabe ist es, die Nerven zu behalten." Genau die wird er brauchen, denn was seine Mannschaft zuvor über 90 Minuten bot, spottete jeder Beschreibung.
Eigentlich hätte man bei einem Team, dem vor der Partie nur 180 Minuten Zeit bleiben, um den Abstieg abzuwenden, ein wenig Zug zum gegnerischen Tor erwarten können. Eigentlich. Doch die Kölner Fans haben ihre Ansprüche längst heruntergeschraubt. Erst irgendwann in der zweiten Hälfte forderten sie zaghaft ein wenig Willen ein - als sie den Eindruck hatten, dass sich da ein Team ohne jeden Widerstand in die nächste Niederlage fügt.
"Wir woll'n euch kämpfen seh'n" - das hört man aus Fankurven immer dann, wenn es auf dem Platz nicht läuft. Selbst wenn eine Mannschaft ackert, aber fußballerisch nicht mehr drauf hat. Am Samstag, in Freiburg, war es in jedem Fall der passende Slogan: Da spielte mit dem FC eine Mannschaft, die eindeutig nicht konnte. Und wenn sie gewollt hat, wie Verteidiger Christian Eichner behauptete ("Das heute hatte nichts mit fehlendem Willen zu tun"), dann hat sie es nicht zeigen können. Vielleicht, weil ihr schlicht die körperlichen Grundlagen fehlen.
Freiburg seit zehn Spielen ungeschlagen
Phasenweise grenzte es deshalb an Überheblichkeit, wie die Freiburger im zweiten Durchgang, in dem der FC endgültig "auseinanderbrach" (Eichner), den Ball schon beim Stand von 2:1 minutenlang laufen ließen, ohne dass ein gegnerischer Spieler in die Nähe gekommen wäre. Am Schluss machte man noch einmal kurz Ernst: Karim Guédé und Sebastian Freis sorgten für das dritte und vierte Tor (84./90.). "Gegen Freiburg kann man mal verlier'n" skandierten die SC-Fans - keine unberechtigte Feststellung angesichts der Tatsache, dass die Streich-Elf jetzt schon seit zehn Spielen ungeschlagen ist.
Doch schon lange hat in Freiburg keine Mannschaft mehr verloren, die sich so bereitwillig in ihr Schicksal fügte wie der 1. FC Köln. Und das hatte nicht viel mit dem noblen Erklärungsansatz zu tun, den Freiburgs Coach Christian Streich anbot. "Die Temperaturen" - vor dem Anpfiff wurden auf dem Rasen 34 Grad Celsius gemessen - "sind wir hier natürlich auch eher gewohnt als ihr in Köln."
Wenn das stimmt - und der FC spielt seit Wochen wie eine Mannschaft, die schlichtweg körperlich nicht mithalten kann - bedeutet das für die kommenden Wochen nichts Gutes: Schaefer, dessen Arbeit viele Spieler glaubhaft loben, der rhetorisch einen guten Eindruck hinterlässt und sich heldenhaft vor sein Team stellt, kann in der kurzen Zeit vielleicht am defensiven Gerüst feilen. Er kann durch seine Ansprache versuchen, neue Kräfte zu mobilisieren. Aber er hat nicht mehr die Zeit, dafür zu sorgen, dass auch für die FC-Spieler ein Spiel 90 Minuten dauern darf.
Zum Positiven: Trotz der Niederlage bleiben die Rheinländer auf dem Relegationsrang 16 und liegen zwei Punkte vor Hertha BSC Berlin, das sich zeitgleich in Gelsenkirchen ebenfalls als nicht bundesligatauglich präsentierte. Wenn der FC am kommenden Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) einen Punkt gegen die Bayern holt und Hertha parallel nicht gegen Hoffenheim gewinnt, würde der FC also immerhin noch zwei Relegationsspiele gegen den Dritten der 2. Liga bestreiten dürfen.
Zum Negativen: In dieser Form hätte er gegen die in Frage kommenden Zweitligisten Düsseldorf, Paderborn oder St. Pauli keine Chance.
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