Köln verliert gegen Stuttgart Griff ins Nichts

Mit der Niederlage gegen Stuttgart scheint der Kölner Abstieg besiegelt. Der tragische Mann des Spiels: Timo Horn. Der Torwart des FC leistete sich einen schlimmen Fehler. Ging damit aber bemerkenswert um.

Timo Horn
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Timo Horn

Aus Köln berichtet


Ron-Robert Zieler wusste ganz genau, dass es unter den gut 50.000 Menschen im trauernden Fußballstadion des 1. FC Köln keinen Menschen geben würde, der Timo Horn besser trösten konnte als Zieler selbst.

Zieler, der Torhüter des VfB Stuttgart kennt die Bitterkeit des Abstiegskampfes aus seiner Zeit mit Hannover 96. Er weiß, wie es ist, ein Team durch eigene Fehler um den verdienten Erfolg zu bringen. Und er weiß, wie schmerzlich das ist, wenn dieses Team um die Existenz kämpft.

Genau ein solcher Fehler war dem Kölner Keeper Horn zuvor unterlaufen. Gerade hatten die unterlegenen Stuttgarter den Ausgleich erzielt (45. Minute). In der Nachspielzeit der ersten Hälfte brachte Mario Gomez dann nochmal einen missratenen Schuss aufs Kölner Tor. Horn ließ den Ball durch die Finger und über die Linie rutschen, Stuttgart hatte das Spiel gedreht.

Ein Moment des Schocks für den Torhüter, er vergrub sein Gesicht in den Händen. Marcel Risse bezeichnete die Szene nach dem Abpfiff als "Knackpunkt" der Partie, der VfB gewann am Ende 3:2 (2:1). Auch das Stuttgarter Tor zum 3:1 hätte Horn an einem guten Tag sicher verhindert.

Nach dem Abpfiff ging Zieler umgehend zu seinem Torwartkollegen und versuchte, ihn aufzumuntern. Auch die Kölner Südkurve skandierte Horns Namen. Sie alle wussten, dass der 24-Jährige maßgeblich zur Niederlage beigetragen hatte - und damit vielleicht zum bitteren Ende einer katastrophalen Saison. Der Rückstand des FC auf den Relegationsplatz ist wieder gewachsen und beträgt nun acht Punkte.

Dabei hatten die Kölner 44 Minuten lang sehr gut gespielt, schon Gomez' Ausgleich war überraschend und unverdient gefallen. "Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Tabellen-Achtzehnter so einen Ballbesitzfußball spielt, wie wir heute", sagte Kölns Trainer Stefan Ruthenbeck.

Claudio Pizarro
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Claudio Pizarro

Der trickreiche Vincent Koziello machte im Mittelfeld das Spiel, Jonas Hector strukturierte viele Angriffe durch seine Ruhe am Ball. Die FC-Defensive spielte kluge, präzise Bälle nach vorn und Claudio Pizarro, der überraschend in der Startelf stand, traf früh zum 1:0. "Das war die beste Halbzeit, die wir in dieser Saison gespielt haben", sagte Horn.

Auch auf den anderen Plätzen der Bundesliga gab es kaum ein Team, das an diesem Wochenende fußballerisch ein derart hohes Niveau erreichte wie die Kölner in Hälfte eins. Und den Ausgleich kurz vor der Pause hätten sie vermutlich sogar verkraftet.

"Es ist brutal, ein Wahnsinn"

Dass dann aber Horn, dieser eigentlich so verlässliche Rückhalt, den schwachen Stuttgartern einen zweiten Treffer ermöglichte, machte viele Kölner fassungslos - und so auch den Torwart selbst: "Es ist brutal, ein Wahnsinn, gerade, wenn man so eine Halbzeit gespielt hat", sagte Horn und weigerte sich, den schlechten Rasen als Mitverursacher seines Unglücks zu akzeptieren: "Ich suche bei solchen Dingern keine Ausreden, es tut mir Leid für die Fans, für die Mannschaft und das ganze Umfeld", sagte er.

Der Fehler ist nicht nur wegen der verlorenen Punkte fatal: Dass nun der Stabilisator Horn anfängt, Punkte herzuschenken, beschädigt den letzten Glauben an das Wunder Klassenerhalt. Gerade in der aktuellen Phase, in der die Mannschaft immer stärker wird und teilweise besseren Fußball spielt als manches Team aus der oberen Tabellenhälfte. Doch es zeugt auch von großer Reife, wie Horn mit seinem Fehler umging - und damit auch mit dem Gedanken, dass in den kommenden Tagen Tausende Anhänger diesen Schlüsselmoment der Saison immer wieder vor ihrem inneren Auge sehen würden.

Timo Horn
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Timo Horn

Als Tabellenletzter inmitten einer Aufholjagd "dürfen solche Fehler eigentlich nicht passieren", warf Horn sich selbst vor. Er bedankte sich für den leidenschaftlichen Trost, den die Fans spendeten. Tatsächlich konnte man am Ende dieses Sonntags das Gefühl haben, als sei Horn nicht nur der Verlierer des Tages, sondern zugleich auch ein Gewinner.

Denn natürlich werden Bundestrainer Joachim Löw und sein fürs Torwartspiel zuständiger Assistent Andreas Köpke neben den Fehlern auch registriert haben, dass es für Horn keinen Spott gab, keine Kritik, nur Trost und Aufmunterung. Niemand konnte ihm böse sein.

Diese menschliche Komponente ist für die Besetzung der vakanten Position des dritten WM-Torwarts, für die Horn ein Kandidat ist, wichtig. Der Eindruck von einem reifen, selbstkritischen und stabilen Menschen war am Ende dieses Tages sogar stärker als das Bild vom fatalen Griff ins Leere. Vielleicht ist das ein kleiner Trost.

Nur: Für die Tabelle ist das natürlich bedeutungslos.

1. FC Köln - VfB Stuttgart 2:3 (1:2)
1:0 Pizarro (7.)
1:1 Gomez (45.)
1:2 Gomez (45.+2)
1:3 Beck (57.)
2:3 Jojic (86.)
Köln: Horn - Sörensen (69. Cordoba), Mere, Heintz, Hector - Koziello (83. Jojic), Höger - Risse, Osako - Terodde, Pizarro (60. Bittencourt)
Stuttgart: Zieler - Beck, Baumgartl, Pavard, Insua - Ascacibar, Badstuber - Gentner, Thommy (77. Akolo) - Gomez, Ginczek (90.+2 Kaminski)
Gelbe Karten: Badstuber, Baumgartl, Gomez - Sörensen
Schiedsrichter: Storks
Zuschauer: 50.000



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Phil41 05.03.2018
1. ...
ich weiss ja nicht wo und ob der Autor das Spiel gesehen hat, aber da man bei Syk das komplette spiel diesen ekelhaften capo der kölner gehört hat, darf dass NICHT in dem spielbericht fehlen, insbesondere nicht wenn es sich um Anzeige-würdige verfehlungen wie: - Zieler, deine Mutter is mit Enke verwandt, du Bastard - Zieler deine Mutter fic** jeden - Zieler mach den Enke - du hurensohn usw. handelt.
troy_mcclure 05.03.2018
2.
Das war echt tragisch für die Kölner gestern, sie haben super gespielt und gezeigt, dass Stuttgart trotz der guten Resultate nach dem Trainerwechsel sehr fragil ist. Insbesondere Badstuber war völlig neben der Spur. Es ist wirklich schade, als HSV-Fan habe ich wenigstens den Kölnern den Klassenerhalt gewünscht, aber das wird jetzt wohl auch nichts mehr.
oli1893 05.03.2018
3. Nach dem Spiel
Ich halte es hier mit Mario Gomez: ein derartiges Überspiel, wie beschrieben, haben die Kölner gestern in der ersten Halbzeit sicher nicht abgeliefert. Für einen abgeschlagenen Tabellen-Achtzehnten war es bemerkenswert - und der VfB war schwach. Mehr aber auch nicht. Geht es mit einem 1:1 in die Pause, ist alles offen. So war es natürlich ein Nackenschlag. Respekt an Timo Horn für seine Reaktion.
SchadeFCBayern 05.03.2018
4. Gute erste Halbzeit hin oder her
...aber manchmal läuft es eben gegen einen! Der VfB hat unter Wolf sehr gute Spiele abgeliefert und diese trotzdem verloren. Köln hat die erste Halbzeit dominiert - keine Frage - aber wir haben die Tore geschossen. Nur das zählt! Der VfB wird sich weiter stabilisieren und dann auch irgendwann wieder besseren - konstanten - Fußball spielen.
tmhamacher1 05.03.2018
5. Von wegen abgeschlagen!
Das wäre noch zu schaffen, wenn alle Spieler anstatt wie bisher an ihrem unteren Limit an ihrem oberen Limit spielen würden. Aber auch in der Rückrunde gab es wieder individuelle Fehler und die übliche Mischung aus Pleiten, Pech und Pannen. Wenn das nicht aufhört, dann ist es aus, und die Mannschaft wird sich in alle Winde zerstreuen. Für die Zukunft sollten nur noch Verträge ohne Ausstiegsoption und mit Gültigkeit in der 2.Liga abgeschlossen werden, und es sollte auf die Erfüllung der Verträge bestanden werden. Vorstand raus!
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