Bundesliga-Abstiegskampf Die Unruhestifter

Der Abstiegskampf geht in seine entscheidende Phase - und ausgerechnet jetzt leisten sich betroffene Clubs hausgemachte Trainerdebatten. Während Frankfurt und Wolfsburg dabei unter dem Ego ihrer Star-Coachs leiden, hoffen St. Pauli und Köln auf einen Wachrüttel-Effekt.

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dpa

Als Kölns Trainer Frank Schaefer in dieser Woche seinen Abschied zum Saisonende angekündigt hat, hat er zur Begründung den ungewöhnlichen Satz gesagt: "Teile des Geschäfts widern mich an." Es hatte zuvor in dem Verein Indiskretionen gegeben, der Trainer fühlte sich von Leuten aus dem internen Umfeld demontiert. Schaefer, der sich im Scheinwerferlicht nie besonders wohl gefühlt hat, hat seine Konsequenzen daraus gezogen.

Der Fall Schaefer mag vom Kölner Binnenmilieu her ein Sonderfall sein, er fügt sich dennoch ins Bild: Der 1. FC Köln ist nur einer der Clubs, die sich mitten im Abstiegskampf eine Trainerdebatte erlauben. Aufregung in einer Saisonphase, in der an sich nichts dringender gebraucht würde als Ruhe im Verein.

Am Wochenende muss Köln beim VfL Wolfsburg antreten (Sonntag 15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Das Team von Felix Magath ist noch stärker von der Zweitklassigkeit bedroht als der FC, geführt von einem Coach, der sich über seine Zukunft im Fall eines Abstiegs lediglich vage äußert. Mitten im Kampf um den Klassenerhalt steckt auch der FC St. Pauli, dessen Coach Holger Stanislawski in der Vorwoche seinen Abgang verkündete. Und nur knapp über dem Strich liegt Eintracht Frankfurt, wo der gerade erst installierte Christoph Daum im "Kicker" schon einmal vorsichtshalber klargemacht hat, dass er sich im Abstiegsfall sofort wieder verabschieden werde.

Nervosität in den Vereinen steigt

Köln, Wolfsburg, St. Pauli, Frankfurt - dass sportlicher Misserfolg immer ein Nährboden für Unruhe ist, liegt nahe. Aber normalerweise werden dann im Laufe einer Spielzeit die handelsüblichen Schritte vollzogen, der Trainer wird gewechselt, und danach kehrt Ruhe ein. Keine Spur davon bei den Abstiegskandidaten dieser Tage. Stanislawski stand in Hamburg nie zur Debatte, Schaefer hatte das Team auf Kurs geführt und konnte auf eine beeindruckende Serie von sieben Heimsiegen in Folge verweisen, Daum hat sein Image als Heilsbringer nach Frankfurt mitgebracht, und Magath umgibt in Wolfsburg die Aura des Meistertrainers von 2009.

Dennoch hat sich die Nervosität in den Vereinen und ihrem Umfeld nicht gelegt. Im Gegenteil: Je näher das Saisonende kommt, desto emotionaler, man kann auch sagen, hektischer geht es in den Clubs zu. Mit allerdings durchaus unterschiedlichen Effekten: Während Wolfsburg und Frankfurt immer noch auf die Erweckungserlebnisse hoffen, die sie mit der Verpflichtung der Trainer-Charismatiker Daum und Magath verbunden hatten, wirkte der FC St. Pauli zuletzt durchaus wachgerüttelt von den vereinsinternen Turbulenzen.

Nachdem Stanislawski seinen Abgang mitteilte und zeitgleich das Hickhack um die Geisterspiel-Strafe am Millerntor stattfand, bot die Mannschaft beim 2:2 in Wolfsburg die beste Leistung seit langem. Das Team wirkte wie aus einer wochenlangen Lethargie befreit, in der Pleite auf Pleite folgte. St. Pauli war als sicherer Absteiger bei vielen Fußballexperten schon gesetzt, jetzt regt sich wieder Leben in Hamburg.

Wolfsburg könnte Leidtragender einer Kölner Trotzreaktion sein

Wenn der 1. FC Köln an diesem Wochenende eine ähnliche Reaktion zeigt, wäre wieder der VfL Wolfsburg der Leidtragende. Schaefer, der es in Sachen Vereinstreue locker mit Stanislawski aufzunehmen vermag, hat es in der Mannschaft innerhalb von sieben Monaten geschafft, ähnlich populär zu sein wie der St. Pauli-Coach in Hamburg. Beide ähneln sich als Trainertypen und als Menschen. Man traut sich im Zusammenhang mit beiden gar, Worte wie Anstand aufzuschreiben. In Köln und Hamburg könnte die Motivation der Spieler, ihren Trainern einen guten Abschied zu verschaffen, die entscheidende Triebfeder sein, den Abstieg zu verhindern.

Auf so etwas wird man in Frankfurt und Wolfsburg nicht vertrauen können. Magath und Daum: Das sind so etwas wie die Anti-Stanislawskis und die Gegen-Schaefers. Trainer-Stars, die den selbstverständlichen Anspruch haben, dass sich der entsprechende Verein nach ihnen auszurichten hat und auch mal ganz schnell wieder weg sind, wenn sie merken, dass der Erfolg sie im Stich lässt.

Daum hat dem "Kicker" in einem Interview am Donnerstag gesagt: "Der Profi-Fußball ist keine One-Man-Show mehr" - ein Satz, der wie das genaue Gegenteil von allem klingt, was man mit Daum verbindet. Man muss den gegenwärtigen Eintracht-Coach nur auf Pressekonferenzen der vergangenen Wochen erlebt haben, wo er teilweise minutenlang über das Wesen des Fußballs dozierte. Man muss den Medienauflauf gesehen haben, den der Trainer in Frankfurt provoziert. Mehr One-Man-Show war nie.

Frankfurt ist mittlerweile Daums zehnte Trainerstation. Schaefer, der früher mal Amateur- und Assistenztrainer unter Daum war, ist dem 1. FC Köln seit nunmehr 1982 zu Diensten und war zwischendurch nur einmal in Leverkusen tätig - auch damals unter dem Chefcoach Daum. In zwei Wochen treffen Eintracht Frankfurt und der 1. FC Köln zum möglicherweise entscheidenden Abstiegsduell aufeinander. Dann wird sich zeigen, was obsiegt: das Prinzip Daum oder das Prinzip Schaefer.

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handworx 23.04.2011
1. jaja
Auweia spieler die ihrem trainer zu liebe den abstieg zu verhindern suchen... Allerhöchstens ist es so,dass die mannschaft dann gut spielt,wenn sie sich vom trainer gut geführt fühlen. Das dies aber bei Daum sich anders verhalten soll ist erstmal eine ziemlich schräge annahme. Gerade er schafft es doch über kurze zeit feuer zu entfachen. Eben jenes könnte den kölnern fehlen,ob ihres scheinbar sicheren tabellenplatzes und erneut anstehenden unsicherheit bezüglich ihres noch nicht gefundenen neuen übungsleiters
derlabbecker 23.04.2011
2. auch wenn es mir als FC Fan...
... weh tut dass Frank Schaefer geht, so hat er doch meinen vollsten Respekt. In Zeiten in denen es um immer mehr geht, mehr Erfolg, mehr Geld, noch mehr Geld, noch einen Bonus mehr abgreifen, double digits grow (zweistellige Wachstumsraten) gibt es wenige solcher Idealisten, die Privatleben, Glauben und ihr eigenes, selbstbestimmtes Leben über alles andere stellen. Wohltuend ein solcher Mann, der nicht als Söldner (Daum, Magath...) durch die Lande zieht und sich beim geringsten Problem wieder verpisst (Daum und Magath gehen wenn die Vereine absteigen sollten.... das hätte Frank Schaefer nie gemacht). Dazu kommen die Söldnerspieler, die man besonders bei Wolfsburg sieht, denen ist es doch egal ob der VfL in die 2. Liga geht. Dann gehen die halt woanders hin wo sie erstklassig spielen. Kämpfen für den Klassenerhalt tun die nicht, da sie dafür auch keine Prämie bekommen.. die hätte es für Meisterschaft, CL Quali, EL Quali oder sowas gegeben.... da sie auch in der kommenden Saison nicht international spielen werden haben die Spieler doch kein Interesse die Klasse zu halten. Erst bei Abstieg können die meisten ohne Ablöse gehen, da sie nur Verträge für Liga 1 haben....
tomkey 23.04.2011
3. Ruhige Art kommt an
Wir werden sehen, wie es die Mannschaft des FC am Sonntag umsetzen wird. Schaefer hat gezeigt, dass er die Mannschaft erreicht und der Mannschaft die Seele zurückgebracht. Erreicht hat das durch seine ruhige und sachliche Art, die einem Verein wie dem FC gut tut. Ich hoffe auch, dass die Manschaft ohne Seele, der VfL Wolfsburg, nicht gewinnen und dem Abstieg einen weiteren Schritt näher kommen wird. Wenn es ein Verein verdient hat abzusteigen, dann der VfL. Eine Mannschaft, zusammengesetzt mit der weit geöffnetten Geldbörse des VW-Konzerns und dem Unverstand eines Gerne-Groß-Managers, die aus lauter Egomanen und Söldnern besteht, hat mit ihrem derzeitigen "Projektleiter" Magath in Liga 1 nichts verloren. Magath traue ich allerdings auch zu, in Liga 2 mit Wolfsburg einen Neuanfang zu starten. Wenn er seine Machtfülle und Arbeitsbedingungen so bekommen würde, wie er sie für notwendig hält, spricht wohl nichts dagegen.
herr schnitzelmann 23.04.2011
4. n ganz schwacher Artikel...
...der Autor macht sichs hier schon sehr sehr leicht es wird einfach wieder jedes Cliche über Trainer u. Abstiegsmyten in einen Topf geworfen u. dann mal kräfti eigener Dünnmist drübergesteuselt u. fertig ist der "Nur die echten u. guten schaffen den Klassenerhalt-Neuaufguss"... genause dünn wie das ganze "das sind doch eh alles nur noch Söldner gefassel"...Jungs geht einfach mal von euch aus, wenn euch einer für die selbe Arbeit einfach mal so beim Überweisungscheck ne Null hinten dranhängt, dann sagt ihr: "Nö, meinen Arbeitgeber lass ich nicht im Stich, ich bleibe, ich bin kein Söldner" ... ja is klar...
uli67 23.04.2011
5. ...
Zitat von derlabbecker... weh tut dass Frank Schaefer geht, so hat er doch meinen vollsten Respekt. In Zeiten in denen es um immer mehr geht, mehr Erfolg, mehr Geld, noch mehr Geld, noch einen Bonus mehr abgreifen, double digits grow (zweistellige Wachstumsraten) gibt es wenige solcher Idealisten, die Privatleben, Glauben und ihr eigenes, selbstbestimmtes Leben über alles andere stellen. Wohltuend ein solcher Mann, der nicht als Söldner (Daum, Magath...) durch die Lande zieht und sich beim geringsten Problem wieder verpisst (Daum und Magath gehen wenn die Vereine absteigen sollten.... das hätte Frank Schaefer nie gemacht). Dazu kommen die Söldnerspieler, die man besonders bei Wolfsburg sieht, denen ist es doch egal ob der VfL in die 2. Liga geht. Dann gehen die halt woanders hin wo sie erstklassig spielen. Kämpfen für den Klassenerhalt tun die nicht, da sie dafür auch keine Prämie bekommen.. die hätte es für Meisterschaft, CL Quali, EL Quali oder sowas gegeben.... da sie auch in der kommenden Saison nicht international spielen werden haben die Spieler doch kein Interesse die Klasse zu halten. Erst bei Abstieg können die meisten ohne Ablöse gehen, da sie nur Verträge für Liga 1 haben....
Oh je, da quillt ja sie Sozialromantik aus jeder Zeile. Ich sehe es völlig anders: Herr Schäfer hat offensichtlich nicht das Zeug dazu, eine Bundesliga-Mannschaft als Trainer zu führen. Ihm fehlen Professionalität und Charakterstärke, um sich in einem schwierigen Umfeld durchzusetzen. Es reicht wahrscheinlich nur für die Betreuung von Jugendmannschaften, wo sich noch alle lieb haben und bei denen er ein seine "11 Freunde müsst ihr sein"-Philosophie anwenden kann.
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