Von Peter Ahrens
Trikotsponsor des 1. FC Kaiserslautern ist ein Pflegemittelhersteller, der sich rühmt, in Deutschland "die Nummer eins im Fuß- und Beinpflegemarkt" zu sein. Seine Produkte wirkten demnach "wohltuend bei Verspannungen" und seien hilfreich bei "müden und schweren Beinen".
Bei den Lauterern hat dieser Hersteller seine Bestimmung gefunden.
Verspannter als beim FCK kann die Lage nicht sein, schwerere Beine als die der Lauterer Profis gibt es in der Bundesliga derzeit nicht. Nach der 0:1-Heimpleite im Abstiegsduell mit dem Hamburger SV ist die Situation am Betzenberg nahezu aussichtslos. Der erste Absteiger in die zweite Liga steht seit diesem Wochenende so gut wie fest.
Der neue Trainer Krassimir Balakow verdient alles Mitleid dieser Welt. Mit diesem Personal die Klasse zu halten, bei einem Rückstand von nunmehr acht Punkten auf den Relegationsrang 16 - das wäre ein Meisterstück, gegen das der Nicht-Abstieg von Borussia Mönchengladbach aus der Vorsaison ein Kinderspiel gewesen ist.
Der Trainerwechsel konnte nichts ändern
Zwar waren auch die Gladbacher zu diesem Zeitpunkt der Saison in einer ähnlich verzweifelten Tabellensituation, aber der Kader wies zumindest individuelle Klasse auf. Marco Reus, Dante oder Juan Arango: Spieler dieser Qualität, wie sie beim Fast-Absteiger der Vorsaison vorhanden war, hat der FCK weit und breit nicht zu bieten. Das Lauterer Team, maßgeblich zusammengestellt vom Vereinsboss Stefan Kuntz, ist eine Ansammlung biederer Ballschieber, der die Erstligareife abgeht. Und daran ändert auch ein Trainerwechsel, wie ihn der FCK vor zwei Wochen vorgenommen hat, nichts. Die Partie gegen den HSV war ein spielerischer Offenbarungseid.
Nach so einem Spiel ein Durchhalte-Statement abgeben zu müssen, gehört denn auch zur Maximalstrafe für einen Coach. Balakow nahm sie tapfer an. "Theoretisch haben wir noch Chancen", "ob realistisch oder nicht - wir müssen an uns glauben", "unsere Schwäche ist, dass wir keine Tore machen - und wer keine Tore macht, kann auch nicht punkten" - es sind all die hilflosen Sätze, die in solchen Situationen eben gesagt werden. Es fehlte lediglich: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."
Drei von 28 Spielen hat der Tabellenletzte in dieser Saison bisher gewonnen, der letzte Erfolg datiert vom 22. Oktober des Vorjahres, als der FCK den SC Freiburg 1:0 besiegt hatte. Das ist mittlerweile 18 Spieltage her, danach ging es nur noch abwärts mit der Mannschaft, die im Vorjahr unter Trainer Marco Kurz noch Siebter geworden war. Und danach die Aktivposten in der Offensive Sdrjan Lakic und Ivo Ilicevic abgegeben hat.
Auch der HSV ist erschreckend schwach
Ilicevic spielt mittlerweile beim Hamburger SV, und man kann nicht behaupten, dass er sich damit übermäßig verbessert hat. Der HSV hat das Spiel im Fritz-Walter-Stadion zwar gewonnen und sich etwas Abstand auf die Abstiegsränge verschafft. Aber gegen jedes andere Ligateam hätte die Mannschaft von Thorsten Fink den Platz wohl nicht als Sieger verlassen. Im Grunde hatten die Gäste nur zwei zwingende Torgelegenheiten. Die erste in der 28. Minute nutzte Marcell Jansen bereits zum Siegtreffer. Dass diese Mannschaft noch vor zwei Monaten dem FC Bayern ein Unentschieden abgetrotzt hat, ist in der Rückschau nur noch schwer zu glauben.
Beide Teams offenbarten erschreckende Mängel in allen Bereichen: in der Ballbehandlung, im Zusammenspiel, in der Durchschlagskraft vor dem Tor. Wer behauptet, diese Partie sei Abstiegskampf pur gewesen, der verneint alles, was Abstiegskampf ausmacht: Dramatik, Kampf, Leidenschaft. Stattdessen nichts als Krampf.
Eine Szene in der 87. Minute spiegelte die gesamte nervliche Situation bei beiden Mannschaften. FCK-Keeper Tobias Sippel nahm einen Rückpass des eigenen Verteidigers völlig unbedrängt in die Hand und wurde dafür mit einem indirekten Freistoß für den HSV im Lauterer 16-Meter-Raum bestraft. Die Hamburger bolzten den Ball aus elf Meter Torentfernung in die Mauer.
Ab sofort darf sich der 1. FC Kaiserslautern mit den Planungen für die Zweitklassigkeit beschäftigen. Dabei sollte man einen längeren Aufenthalt im Liga-Unterhaus einkalkulieren. Wie die Mannschaft sich derart präsentiert, ist sie kein Team für den schnellen Wiederaufstieg. Geld ist auch nicht da, sich entsprechend zu verstärken. Der Traditionsverein läuft Gefahr, das Schicksal von Clubs wie Energie Cottbus, 1860 München oder MSV Duisburg zu teilen. Mannschaften, die im Mittelmaß versunken sind.
Auf den ruhmreichen 1. FC Kaiserslautern warten die Niederungen des Fußballs.
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