Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Zerstückelung der Bundesliga: Als ein Spieltag mal vier Monate dauerte

Von und

Bundesliga: Spieltage in kleinen Dosen Fotos
imago

Alle Bundesligaspiele am Samstag um 15.30 Uhr? Schön wär's: Die DFL treibt die Zerstückelung der Spieltage voran. In der Geschichte der Liga gab es schon kuriose Anstoßzeiten - allerdings aus anderen Gründen.

Vier Bundesligapartien am vergangenen Sonntag zu drei unterschiedlichen Anstoßzeiten, davon erstmals ein Spiel um 19.30 Uhr zwischen "Lindenstraße" und "Anne Will" zur heiligen "Tatort"-Zeit, dafür nur vier Partien zur Kernzeit am Samstag um 15.30 Uhr.

Am heutigen Dienstag nun folgen in der englischen Woche erst zwei und am Mittwoch sieben Spiele: Der Terminplan der Fußballbundesliga gleicht dieser Tage noch ein wenig mehr einem Flickenteppich, als man es ohnehin schon gewohnt ist. Die Traditionalisten unter den Fans klagen über die nächste Stufe der Zerstückelung.

Wie viel besser war es doch früher, oder? Schauen wir uns doch einfach mal den 19. Spieltag der Saison 1978/1979 an.

Er wurde am Samstag, den 20. Januar, um 15.30 Uhr mit den beiden Spielen Nürnberg gegen Stuttgart und Düsseldorf gegen Bochum eröffnet. Vier Wochen später, am 17. Februar, wieder einem Samstag, spielten um 14.30 Uhr dann Darmstadt 98 gegen Köln, um 15.30 Uhr folgte Kaiserslautern gegen Hertha. Wiederum vier Wochen später, am Dienstag, den 13. März, trat dann um 20 Uhr Braunschweig gegen Frankfurt an. Schon am Tag darauf spielten der HSV und Werder Bremen ihr Nordderby um 20 Uhr aus.

Wieder zwei Wochen später trafen sich am 31. März um 15.30 Uhr die beiden Borussia aus Mönchengladbach und Dortmund zu ihrem 1:1. Dann vergingen wieder fünf Wochen bis zur Partie des MSV Duisburg gegen Bayern München am 8. Mai, dienstags, 20 Uhr (3:1 für Duisburg, Tore durch Bernhard Dietz, Herbert Büssers und Kurt Jara, was für Zeiten waren das). Und als Abschluss absolvierten Schalke und Arminia Bielefeld das letzte Duell am 26. Mai - vier Monate nach dem ersten Anpfiff des 19. Spieltags. Zwei Wochen später war die Saison beendet.

Der Jahrhundertwinter schlug zu

Geplant war das alles nicht. Schuld an dem Termin-Tohuwabohu war nicht das Schielen auf internationale Märkte, auf üppige Fernsehgelder, das Einbeziehen der Europacup-Wettbewerbe - also die Motive, die heutzutage den Spielplan entzerren. Es war das Wetter.

1978/1979 gab es den sogenannten Jahrhundertwinter, der die Spieltage durcheinanderwirbelte. Ohnehin war es meistens die Witterung, die dafür sorgte, dass es in der Bundesliga schon immer eine üble Zerstückelung von Spieltagen gab. Solch chaotische Terminplanungen waren in den Wintermonaten der Siebziger- und Achtzigerjahre fast Alltag, die Tabelle war in jener Zeit wenig aussagekräftig. In besagter Saison 1978/1979 fielen insgesamt 46 Partien aus und mussten umgeplant werden. Das ist bis heute ein Rekord.

Alle neun Partien schön brav am Samstagnachmittag um 15.30 Uhr - das gab es natürlich auch, jahrelang. Aber es gab auch früh schon Ausnahmen. Das erste Sonntagsspiel der Bundesliga fand bereits am 2. November 1969 mit der Partie Rot-Weiß Oberhausen gegen den 1. FC Köln statt. Auch in der Folgezeit wurde immer wieder sonntags angepfiffen, lange bevor die DFL dies aus Vermarktungsgründen zur Regel machte.

Englische Wochen schon in den Sechzigerjahren

Englische Wochen mit Anstoßzeiten am Dienstag, Mittwoch - und teilweise auch am Donnerstag - gab es schon fast seit Gründung der Liga. Den ersten Spieltag unter der Woche gab es in der Saison 1965/1966, alle Partien am Mittwoch, allerdings drei am Nachmittag, drei um 19 Uhr, drei um 20 Uhr. Der dritte Spieltag der Saison 1982/1983 setzte neue Maßstäbe: zwei Partien am Dienstag, drei am Mittwoch um 19.30 Uhr, zwei am Mittwoch um 20 Uhr, eine Partie am folgenden Dienstag um 20 Uhr und das letzte Duell drei Monate später im November.

Der Donnerstag war zudem ein beliebter Nachholtermin, wenn Spiele wegen der Winterwitterung ausgefallen waren. 1972 wurde sogar der allerletzte Spieltag, für den gemeinhin der Samstagstermin heilig und gesetzt ist, komplett am Mittwochabend ausgetragen.

Sieben verschiedene Anstoßtermine pro Spieltag - auch das gab es immer wieder einmal. Unter anderem am 19. Spieltag der Saison 1995/1996 oder am 16. Spieltag der Saison 1998/1999.

Auch skurril: In der Saison 1989/1990 hatte der Terminplaner vor der WM 1990 in Italien vier Rückrundenspieltage in den Dezember vorverlegt, die anschließende Winterpause dauerte dadurch zwei Monate, bevor Ende Februar mit dem 22. Spieltag wieder begonnen wurde.

Aber wenigstens der Montagabend, jener Spieltag, der die Fans am meisten erzürnt, weil der Montag der fußballfernste Tag der Woche und für Auswärtsfahrer der denkbar unfreundlichste Termin ist, jener Tag, an dem die zweite Liga allein deswegen spielt, weil ein Fernsehsender die Übertragungsrechte hält - wenigstens er ist doch noch das letzte Tabu der ersten Liga. Sollte man meinen. Ist aber auch nicht so.

Am 30. März 1970, dem 29. Spieltag der damaligen Saison, besiegte Eintracht Frankfurt Alemannia Aachen 6:2. Es war ein Montag. Und in der Saison 1999/2000 mussten Arminia Bielefeld und der SSV Ulm als Erstligisten montags um 20 Uhr antreten, weil es am Freitag zuvor, an dem das Spiel angesetzt war, noch zu stark geregnet hatte. Abgestiegen sind sie in dieser Spielzeit anschließend beide. Das hatten sie nun davon.

Bundesliga-Noten

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. .
pb-sonntag 01.03.2016
Da wird die Rechnung ohne Bayern München gemacht, denn deren Handlanger beim DFB achten penibel darauf, dass es mit denen keine Abstimmungsprobleme gibt.
2.
Draco Silvano 01.03.2016
Bei diesem Thema sollte jedenfalls zwischen sportlichen und wirtschaftlichen Interessen unterschieden werden. Hierbei sollten die sportlichen weiterhin im Vordergrund stehen. Denn die "Zerstückelung" in dieser Saison lag oftmals an der EL-Teilnahme der zuletzt noch 4 Mannschaften. Wenn diese am Donnerstag EL gespielt haben, dann machte es auch Sinn das sie aus Regenerationsgründen erst am Sonntag ihr Liga-Spiel betreiten. Gleiches gilt im Folgendem bei dieser englischen Woche. 8 Mannschaften spielten am Sonntag. Und um nun die 2 Tage Pause einzuhalten, bleiben nicht mehr viele mögliche Paarungen über, die nun heute am Dienstag spielen können. Zudem dürfte es für viele auch keine all zu großen Unterschiede machen um wie viel Uhr am Samstag die Spielen beginnen, sofern es nicht zu spät ist. Familienfreundlich sind daher schon die aktuellen Zeiten am Nachmittag. Ob nun aber zwischen 12 und 18 Uhr alle 2 Stunden ein Spiel angepfiffen wird, damit möglichst viel und lange übertragen werden kann, wäre rein ungewohnt ohne wirkliche Nachteile. Gleichzeitig aber wirtschaftliche Vorteile. Anders ist es natürlich bei anderen Wochentagen. Denn dort spielt das Kriterium, dass die Fans ja auch in der Regel alle arbeiten gehen müssen eine wesentliche Rolle.
3. schön...
db661 01.03.2016
...wenn manch Negatives auch eine positive Seite hat, z.B. ein Spiel am Sonntag Abend als Alternative zu den unerträglichen und schon immer überflüssigen Tatorten. Ui, das erzeugt jetzt bestimmt Schnappatmung :-)
4.
becks101 01.03.2016
Montag, 26.04.1993, Werder Bremen -Bayern München 4:1.
5. ich finds gut
Nonvaio01 01.03.2016
mehr fussball ist doch toll.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Themenseiten Fußball
Tabellen


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: