Bundesliga-Aufsteiger Braunschweig: Einträchtige Ernüchterung

Aus Braunschweig berichtet

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Eintracht-Coach Lieberknecht (Mitte): "Das war doch absolut in Ordnung"

Eintracht Braunschweigs Auftakt-Pleite gegen Bremen taugt zum Stimmungskiller. Trainer Torsten Lieberknecht will von Zweifeln an der Bundesliga-Tauglichkeit trotzdem nichts wissen. Bei Werder hingegen herrscht grenzenlose Erleichterung.

Für einen kurzen Moment regierte die Fassungslosigkeit: Torwart Marjan Petkovic blieb im Strafraum stehen und starrte Löcher in die Luft, Verteidiger Ermin Bicakcic kauerte an der Mittellinie, während Mirko Boland an der Außenlinie die Hände in die Hüfte stemmte. Drei Protagonisten von Eintracht Braunschweig, drei Sinnbilder der Ernüchterung.

"Für die meisten ist es besonders bitter, wenn das erste Bundesligaspiel so endet", sagte Ken Reichel. Dann stapfte der Verteidiger in die neuen Umkleideräume unter der modernisierten Haupttribüne an der Hamburger Straße. Die 0:1-Heimniederlage gegen einen keineswegs überzeugenden SV Werder Bremen hatte das Zeug zum Stimmungskiller, doch das ließen weder die Zuschauer noch der Trainer zu.

Während die Fans Applaus spendeten, sammelte Torsten Lieberknecht seine Profis in einem Kreis zusammen. Und eine Lobrede des 40-Jährigen erklang dann auch bei der Pressekonferenz. "Das war doch absolut in Ordnung. Mal stand die Latte im Weg, dann lag ein Bremer auf der Linie herum. Ich wüsste nicht, warum wir uns nicht der Herausforderung weiter stellen sollten."

"Ich kann niemandem einen Vorwurf machen"

Ungeachtet des nächsten Auswärtsspiels bei Borussia Dortmund soll die Stimmungslage nicht umschwenken. "Wir setzen noch den ein oder anderen Farbtupfer", versprach der Sportliche Leiter Marc Arnold, "wir können auf dieser Leistung aufbauen." Nach seinem ersten Erlebnis als Erstliga-Coach urteilte Lieberknecht: "Ich kann niemand einen Vorwurf machen. Ich habe viele Gründe festgestellt, warum sich die Bundesliga auf Braunschweig freuen kann." Eine treue Fangemeinde zählt fraglos dazu. Lieberknecht hatte zur Einstimmung auf die Partie noch einen Zusammenschnitt von historischen Bildern gezeigt, in denen sogar die Deutsche Meisterschaft von 1967 vorkam.

Die Botschaft half nicht, die grundsätzlichen Bedenken erscheinen mehr denn je berechtigt. Eine Einschätzung, die auch Mittelfeldmann Boland bestätigte: "So ein Ergebnis nagt an uns. Wie wir das Gegentor bekommen haben, das ist dann wohl erste Bundesliga." Tatsächlich hatte ein eher als Befreiungsschlag gedachter Ball von Sebastian Prödl seinen österreichischen Landsmann Zlatko Junuzovic erreicht, der für die in dieser Phase wenig konstanten Werder-Elf den Siegtreffer erzielte (82. Minute).

Siegtor gegen die Kritiker

"Ich habe den Turbo eingeschaltet und den Ball reingehauen", sagte der Profi, der Werder nach 14 sieglosen Pflichtspielen wieder ein Erfolgserlebnis beschwerte - das erste seit fast einem halben Jahr (4:1 am 9. Februar beim VfB Stuttgart). Junuzovic gab zu, dass sein exaltierter Jubel dem angestauten Frust ("Ich habe deswegen den Urlaub nicht genießen können") geschuldet war. Zudem sei es eine Antwort auf Aussagen wie jene von Franz Beckenbauer gewesen, der Bremen neben Braunschweig als Absteiger einstuft.

Trainer Robin Dutt wollte auf solche Kategorisierungen gar nicht eingehen. "Wir haben in einem Hexenkessel bestanden: Das wollen unsere Fans sehen, das war wichtig fürs Stimmungsbarometer." Der spürbar erleichterte Nachfolger von Thomas Schaaf räumte ein, "dass wir etwas Glück hatten - das kann ich nicht abstreiten." Und Dutt bemerkte erneut, dass er eine "schwierige Saison" erwarte: "Wir werden um jeden Punkt fighten müssen."

Tatsächlich verbreiteten die Grün-Weißen nie wirklich Glanz, aber vielleicht darf das von den in der Erneuerung begriffenen Bremern auch gar nicht mehr erwartet werden. Manager Thomas Eichin, der seinen ersten Sieg seit Amtsantritt erlebte, waren die spielerischen Mängel herzlich egal: "Wir haben verhindert, dass noch mehr negative Stimmung aufkommt."

Werders Geschäftsführer Sport räumte am Samstagabend überdies ein, dass sich Werder mit der Verpflichtung von John Arne Riise für die linke Abwehrseite beschäftigt. Der 32-jährige Norweger, derzeit beim FC Fulham unter Vertrag, ist offenbar zu haben. "Wir haben Gespräche geführt", so Eichin, "das ist kein Geheimnis mehr." Dutt würde den ehemaligen Leistungsträger des FC Liverpool mit offenen Armen begrüßen. Sein Kommentar: "Wenn Werder sich Riise leisten kann, wäre ich positiv überrascht."

Eintracht Braunschweig - Werder Bremen 0:1 (0:0)
0:1 Junuzovic (82.)
Eintracht Braunschweig:
Petkovic - Elabdellaoui, Bicakcic, Dogan (46. Correia), Reichel - Kratz (84. Oehrl), Caligiuri (56. Boland), Theuerkauf - Kruppke, Jackson, Hochscheidt
Werder Bremen: Mielitz - Fritz, Prödl, Caldirola, Gebre Selassie - Kroos (81. Yildirim), Makiadi (85. Lukimya), Junuzovic - Petersen, Hunt, Ekici (62. Elia)
Schiedsrichter: Aytekin
Zuschauer: 23.000
Gelbe Karten: Theuerkauf

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Die sind nur peinlich
konservativ24 11.08.2013
Als Kölner muss ich in dieser Stadt arbeiten und empfinde Sie als total potenziell. Das hätte seinen Charme, wäre da nicht das seltsame Selbstbild. Da hilft nur 3 Liga. Man hat ja gedacht "jetzt sind wir wieder wer". Janz locker, das wird nichts.
2. Wer nicht einmal gegen die Looser aus Bremen gewinnt
haltetdendieb 11.08.2013
ja der hat nur sehr schlechte Chancen, die Klasse zu halten. Wer gegen den Abstiegskandidaten Nummero eins - Wärdär Brämen - nur defensiv taktiert, der hat wohl den Schuss nicht gehört. Hallo Eintracht Braunschweig, hier noch einmal zum Mitschreiben: Wärdär ist Abstiegskandidat Nummero eins, da hilft nur bedingungsloser Angriff. Wann wenn nicht jetzt. Zu spät. Dann nach Dortmund, die nächste 0:5-Klatsche abholen. Und die zweite SpVg Kreuzer Fürth ist geboren! Eintracht, ich hatte mir von Dir mehr erhofft, dass Du der erste Sargnagel für Bremens Abstieg wärest. Schade, so kann man sich täuschen. Vielleicht erreicht Wärdär doch noch den Relegationsplatz, wär weiß!
3. Man sollte...
qwertz001 11.08.2013
... einfach mal abwarten und nicht nach dem 1. Spieltag schon vorverurteilen. Was den vorherigen Kommentar angeht: Was haben Sie für ein Problem? Das sich eine Stadt, ein Verein und seine Fans freuen, nach zig Jahren Abstinenz wieder in der Königsklasse zu spielen? Warum wollen Sie das den Braunschweigern nicht gönnen? Keine Frage, Eintracht ist ein Abstiegskandidat. Aber lassen Sie der Stadt und den Fans doch die Euphorie. Hier ist niemand unrealistisch. Vielmehr freuen sich alle auf die großen Namen und natürlich die Derbys, die es in den nächsten Monaten hier zu sehen gibt. Und wenn mit diesem Kader die Relegation erreicht werden würde, so wäre dies bereits ein Riesenerfolg.
4. total potentiell?
dirk.foeste 11.08.2013
.. also wenn ich in Versuchung geraten sollte Fremdwörter nutzen zu wollen, dann würde ich mich doch vorher über den Unterschied zwischen ‚potentiell‘ und ‚provinziell‘ schlau machen. Na ja, was will man von den Kölnern auch anderes erwarten. Grosse Schnauze, schaffen’s aber nicht aus den Niederungen der zweiten Liga raus. Hauptsache über andere Meckern, Millionenstadt vorhanden, aber der Verein... mwahahaha.... Das war wohl nix, Konservativ. Fahr doch wieder nach Hause und such‘ Dir da einen Job. Aber da wollten se dich wohl nich. Janz böse, dat war nüscht...
5. FC Köln?
sirius08/15 11.08.2013
Zitat von konservativ24Als Kölner muss ich in dieser Stadt arbeiten und empfinde Sie als total potenziell. Das hätte seinen Charme, wäre da nicht das seltsame Selbstbild. Da hilft nur 3 Liga. Man hat ja gedacht "jetzt sind wir wieder wer". Janz locker, das wird nichts.
Wo spielt denn der große Verein aus Ihrer Stadt? War es nicht so das dieser Verein über Jahre sehr provinziell (entschuldigung natürlich "potenziell") geführt wurde. Nun haben Sie als Kölner wohl probleme mit der 2. Liga klarzukommen. Also muss über andere gelästert werden. Ach ja, nochmal: Warum arbeiten Sie in dieser Stadt? Gibt es im tollen Köln keinen Job für Sie? "Ein nicht Braunschweiger"
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