Analyse zu Auf- und Absteigern Bundesliga als geschlossene Gesellschaft

Aufsteiger Ingolstadt: Bereit, sich in der Bundesliga zu etablieren
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Aufsteiger Ingolstadt: Bereit, sich in der Bundesliga zu etablieren

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"Geld schießt doch Tore", heißt es bei Fußballfans, denen der Kommerz auf die Nerven geht. Wegen des finanziellen Gefälles hätten Aufsteiger immer weniger Chancen, sich in der Bundesliga zu etablieren. Stimmt das?

Das Kräfteverhältnis zwischen erster und zweiter Liga ist eindeutig, jedenfalls finanziell: In der Saison 2013/14 setzte die Bundesliga 2,5 Milliarden Euro um. Die Zweite Liga, aus der sich die Aufsteiger ja hochkämpfen müssen, kassierte nicht mal ein Fünftel davon.

Bedeutet das auch, dass Aufstiege immer schwieriger werden? Kritiker vermuten schon lange, dass hoher Umsatz mittlerweile die Voraussetzung für dauerhaften Erfolg in der Liga ist. Die alten Ideale von der Leidenschaft zum Sport und vom Mannschaftsgeist gingen verloren, glauben sie. Der Klassenerhalt des HSV könnte ihnen ein weiteres Argument liefern. Die Relegation mache alles noch schlimmer.

Tatsächlich konnten sich seit dem Jahr 2000 weniger als die Hälfte der Aufsteiger in der ersten Liga festsetzen. Aber: Das war schon immer so. Seit dem Ligastart 1963 schafften das im Durchschnitt nur 38 Prozent. Und es wird auch nicht immer schwieriger, vielmehr steigt der Anteil der Aufsteiger mit langem Atem seit den Achtzigerjahren sogar ein wenig.

Als etabliert und erfolgreich gelten in dieser Auswertung Vereine, die mindestens vier Jahre nicht absteigen. Zugegeben, darin steckt ein Stück Willkür.

Betrachten wir also einen anderen Aspekt: Viele Mannschaften krebsen nach dem Aufstieg die ganze Saison am Tabellenende, demoralisieren ihre Fans und steigen dann gleich wieder ab. Ist das häufiger geworden? Nein, im Gegenteil: Im zweiten und dritten Jahrzehnt der Liga sind sogar mehr Aufsteiger gleich wieder rausgeflogen als danach.

Sind die Kritiker also widerlegt? Nicht unbedingt, wenn man betrachtet, wer da eigentlich aufsteigt. Es sind oft alte Bekannte, also Vereine mit Bundesligaerfahrung. Im Vergleich der fünf Jahrzehnte Bundesliga hat der Anteil der Wiederaufsteiger zunächst stark zugenommen, seit den Neunzigerjahren liegt er über 80 Prozent.

Wahrscheinlich ist die Ursache in erster Linie schlicht mathematische Notwendigkeit. Denn in den Sechzigerjahren gab es ja noch kaum Absteiger. Es konnte deshalb nur wenige Wiederaufsteiger geben.

Reservoir der Veteranen

Mit der Zeit kamen mehr Absteiger in die zweite Liga, also wurden mehr Wiederaufstiege möglich. Auf diesen Effekt deutet zudem die von den Achtzigerjahren an abgeflachte Kurve: Wenn das Reservoir der Veteranen langsamer wächst, wächst auch die Quote der Wiederaufsteiger langsamer.

Betrachtet man die drei Entwicklungen zusammen, dann könnte man schließen: Mit Bundesligaerfahrung steigt die Chance, erneut in die Liga aufzusteigen. Wegen dieser Erfahrung können sich diese Aufsteiger dort außerdem häufiger etablieren, sodass weniger sofort wieder absteigen.

Liegt dieser Trend am zunehmenden Kommerz? Das lässt sich mit dieser Analyse nicht beweisen. Aber sie liefert ein Indiz dafür, dass die Bundesliga langsam zur geschlossenen Gesellschaft wird. Die besteht allerdings nicht aus den 18 derzeit dort vertretenen Vereinen, sondern den etwa 30, die dort längere Zeit gespielt haben. Von 2000 bis 2015 waren von 44 Aufsteigern 36 Bundesliga-Veteranen.

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14 Leserkommentare
dasistdasende 03.06.2015
ruehldinho 03.06.2015
peeka(neu) 03.06.2015
erst nachdenken 03.06.2015
Peter Eckes 03.06.2015
charlybird 03.06.2015
uselessdm 03.06.2015
spon-facebook-1567854740 03.06.2015
derwahredemokrat 03.06.2015
b.reimers 03.06.2015
Svenner80 03.06.2015
schensu 03.06.2015
andromeda793624 03.06.2015
raihower 03.06.2015

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