Tabellenschlusslicht Augsburg: Letzte Hoffnung "Waffenschrank"

Von Nils Lehnebach

Gegen Dortmund hat Augsburg zum siebten Mal in dieser Saison verloren, der Tabellenletzte droht den Anschluss zu verlieren. Dem Team fehlt vor allem ein Torjäger, kein anderer Bundesligist ist im Angriff harmloser. Besserung soll der lange verletzte Sascha Mölders bringen.

Angeschlagener Augsburger Klavan (u.): Tabellenletzter in der Bundesliga Zur Großansicht
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Angeschlagener Augsburger Klavan (u.): Tabellenletzter in der Bundesliga

Jürgen Rollmann hat bis vor kurzem Pressekonferenzen bei Triathlon-Veranstaltungen geleitet, seit Anfang Oktober ist er Sportdirektor beim FC Augsburg. Eine steile Karriere. Doch als die "Frankfurter Rundschau" den 46-Jährige jüngst fragte, wie so ein Aufstieg möglich sei, korrigierte Rollmann. "Umstieg" sei ein passenderer Begriff als "Aufstieg", sagte er.

Nun mag eine gewisse Höflichkeit dem ehemaligen Arbeitgeber gegenüber seine Antwort beeinflusst haben. Doch vielleicht ahnte Rollmann auch bereits, dass die Aufgabe in Augsburg nicht wirklich angenehm werden würde. Am Samstag verlor der FCA zu Hause gegen Dortmund 1:3, es war die siebte Pleite im elften Saisonspiel. Mit nur sechs Punkten ist Augsburg Tabellenschlusslicht, der Abstand zum ersten Nichtabstiegsplatz beträgt schon fünf Punkte. Augsburg droht, in seinem zweiten Bundesliga-Jahr früh den Anschluss zu verlieren. "Wir brauchen Punkte, das ist das Einzige, was zählt", sagt Trainer Markus Weinzierl.

Punkte gibt es für Siege, Siege erreicht man durch Tore. Und genau da beginnt Augsburgs Problem. Erst sechs Tore gelangen der Mannschaft, kein Bundesligist traf seltener. Dabei mangelt es der Mannschaft nicht an guten Möglichkeiten, es mangelt an einem, der diese verwertet.

Jüngstes Beispiel: Gegen Dortmund schoss Augsburg 16-mal aufs Tor. Doch egal, wer sich versucht, ob Tobias Werner (6. Minute), Matthias Ostrzolek (11.), Torsten Oehrl (18./25.), Daniel Baier (44.) oder Knowledge Musona (61.): Sie blieben erfolglos. Erst der eingewechselte Sascha Mölders (81.) beendete mit einem Kopfball Augsburgs seit 369 Minuten anhaltende Torlos-Serie. "Wir belohnen uns nicht für den unheimlich hohen Aufwand, den wir betreiben", haderte Weinzierl, erzählte damit aber nichts Neues. Vor zwei Wochen hatte der FCA 0:2 gegen den HSV verloren, Torhüter Simon Jentzsch hatte anschließend gesagt: "Am Ende hätten wir noch drei Stunden weiterspielen können, wir hätten das Tor nicht gemacht."

"Ari ist nicht glücklich, wenn er auf der Bank sitzt"

Augsburg hat in seinem Kader vier Angreifer, aber offenbar keinen Torjäger. Torsten Oehrl und Stephan Hain agieren zumeist als hängende Spitze, trafen aber jeweils erst einmal in dieser Spielzeit. Dazu kommt der bullige Aristide Bancé. Der ehemalige Mainzer wurde vor der Saison als Hoffnungsträger verpflichtet, enttäuschte bisher aber. Seine Bilanz: zehn Einsätze, sechs Einwechslungen, zwei Auswechslungen - und kein Tor. Sein Mitspieler Knowledge Musona sagte jüngst der "Süddeutschen Zeitung": "Ari ist nicht glücklich, wenn er auf der Bank sitzt. Wenn er dann reinkommt, ist er down." Schlechte Voraussetzungen, um ein Team aus dem Tabellenkeller zu schießen.

Es bleibt im Angriff Sascha Mölders. Der 27-Jährige gab gegen Dortmund nach einem Knöchelbruch sein Saisondebüt - und traf direkt. Mölders war vergangene Saison zusammen mit Ja-Cheol Koo (je fünf Saisontore) der erfolgreichste Augsburger. Auch Koo war zuletzt verletzt. Manager Rollmann sagt: "In unserem Waffenschrank waren mit Mölders und Koo noch zwei Langzeitverletzte. Ich bin weiterhin zuversichtlich."

Während Koo nach seiner Rückkehr noch unauffällig agierte, dürfte Mölders dem Team sofort helfen. Zuletzt sammelte er in der Reservemannschaft Spielpraxis und traf bei drei Regionalliga-Einsätzen viermal, sogar einmal mit einem spektakulären Fallrückzieher gegen Bayern II. Nach dem Spiel gegen Dortmund sagte er: "Jeder hat alles gegeben, aber es hat leider nicht gereicht." Gut möglich, dass er nach der Saison das Gleiche sagt.

FC Augsburg - Borussia Dortmund 1:3 (0:1)
0:1 Reus (9.)
0:2 Lewandowski (51.)
0:3 Lewandowski (70.)
1:3 Mölders (82.)
Augsburg: Jentzsch - Callsen-Bracker, Sebastian Langkamp, Klavan, Ostrzolek - Ottl, Vogt (84. Bance) - Koo, Baier, Werner (60. Musona) - Oehrl (69. Mölders)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Felipe Santana, Hummels, Schmelzer - Sven Bender, Gündogan - Großkreutz, Götze (76. Leitner), Reus (85. Kirch) - Lewandowski (74. Schieber)
Schiedsrichter: Gräfe
Zuschauer: 30.660 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Sebastian Langkamp (2), Vogt (4) - Sven Bender, Weidenfeller

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