Bayern-Sieg in Stuttgart: Deutscher Meister wird nur der FCB

Von Christoph Ruf, Stuttgart

Er spielte eine mäßige erste Hälfte - trotzdem siegte der FC Bayern souverän in Stuttgart. Der Tabellenführer hat elf Zähler Vorsprung auf den ärgsten Verfolger, der Titelkampf ist entschieden. Nur Glückwünsche will man noch nicht entgegen nehmen.

Nach dem Schlusspfiff stimmten die Bayern-Fans einen Evergreen an: "Deutscher Meister wird nur der FCB!" Kein Hochmut, keine Arroganz, sondern die schlichte Beschreibung einer Prognose, die seit dem frühen Sonntagabend kaum noch einer bezweifeln dürfte: Der FC Bayern hat nach dem verdienten 2:0-Sieg in Stuttgart sage und schreibe elf Punkte Vorsprung auf Bayer Leverkusen und deren zwölf auf den amtierenden Meister Borussia Dortmund. Der Titelkampf ist entschieden.

Brav betonten die Bayern-Spieler dennoch, dass das Gegenteil der Fall sei: "Wir müssen weiter nur auf uns schauen und kommende Woche in Mainz gewinnen", forderte Kapitän Philipp Lahm. Auch sein Coach lehnte alle voreiligen Glückwünsche ab. "Es wäre ein Fehler, sich jetzt auszuruhen." Immerhin, Jupp Heynckes sah zumindest keinen Grund, das Licht seines Clubs unter den Scheffel zu stellen: "Wir haben souverän gespielt und eine sehr gute Grundordnung gehabt." Außerdem, und das konnte man durchaus als Eigenlob verstehen, "funktioniert die Umschaltbewegung bei uns viel besser als in der vergangenen Saison."

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Stuttgart gegen Bayern: Molinaro patzt, Mandzukic trifft
Stuttgart Coach Bruno Labbadia betonte, er hätte es bei allem Lob für die "enorme Qualität der Bayern" dann doch "spannend gefunden zu sehen, was passiert wäre, wenn wir länger das 0:0 gehalten hätten."

Und tatsächlich: Wer weiß, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn Stuttgarts Cristian Molinaro kurz nach Wiederanpfiff alle seine Sinne beisammen gehabt hätte und den Ball nicht Bayern-Angreifer Mario Madzukic zur Münchner Führung aufgelegt hätte (49. Minute). VfB-Kollege Vedad Ibisievic wollte allerdings nicht zu streng mit dem Verteidiger sein: "Da sah er sicher unglücklich aus. Wir haben es aber als Mannschaft nicht geschafft, ins Spiel zurückzukommen." Etwas weniger gnädig kommentierte Labbadia die wohl entscheidende Szene des Spiels: Noch in der Halbzeit habe er die Order ausgegeben, "keinen Ball zurückzuspielen." Molinaros Fauxpas sei umso ärgerlicher, als er "zum ersten Schuss auf unser Tor geführt" habe.

Tatsächlich lief danach alles gegen den VfB. Die Bayern setzten ihre 66 Prozent Ballbesitz gewinnbringend um. Und prompt traf Thomas Müller, bei dem man gerne vergisst, dass dieser ausgebuffte Profi erst 23 Jahre alt ist, zum 2:0 (72.). Als Martin Harnik berechtigt mit gelb-rot vom Platz ging (80.), war das Spiel endgültig gelaufen. Die Bayern spielten ruhig und souverän und zeigten, warum sie die Übermannschaft dieser Saison sind. Wer gegen diese Bayern gewinnen will, muss nicht nur einen besonders guten Tag erwischen, er darf vor allem nicht die Sorte Fehler machen, die Molinaro am Sonntag nicht zum ersten Mal unterlaufen sind.

Beim VfB war man nach dem Spiel dennoch nicht bereit, in Sack und Asche zu gehen. Schließlich hatte der VfB zumindest eine Halbzeit lang couragiert gespielt. Mutig war schon die Aufstellung: Mit Antonio Rüdiger hatte Trainer Bruno Labaddia einen Nobody auf die rechte defensive Außenbahn beordert, der es bei seinem sechsten Bundesliga-Einsatz mit Franck Ribéry zu tun bekam - und seine Aufgabe gut löste. Doch nicht nur der 19-jährige Rüdiger verdiente sich ein Lob, die ganze Stuttgarter Hintermannschaft verteidigte fast 50 Minuten lang konzentriert und mit der nötigen Galligkeit - bis zu Molinaros Aussetzer.

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Grafische Analyse: Rüdiger kampfstark, Molinaro kopflos
Für das, was die Bayern im ersten Durchgang boten, gibt es hingegen zwei Auslegungsarten: man kann sagen, dass sie ihren Spielaufbau mit der Gelassenheit aufzogen, die ein Neun-Punkte-Vorsprung auf den Tabellenzweiten verleiht. Wer höhere Maßstäbe an den Rekordmeister anlegt, würde sagen: der FC Bayern spielte ausgesprochen schwach. So sah es offenbar auch Trainer Heynckes, der in der Pause "mehr Aggressivität in und um den gegnerischen Strafraum" anmahnte, und im zweiten Durchgang, der nicht glanzvoll, aber vollauf souverän war, prompt erhört wurde.

Ein Lob verdiente sich an diesem bayerischen Abend im Schwäbischen allerdings auch der Anhang des Rekordmeisters. Die Bayern-Ultras zeigten zum Anpfiff eine Choreographie, mit der sie dem jüdischen Trainer Richard "Dombi" Kohn gedachten, unter dem der FC Bayern 1932 seinen ersten von mittlerweile 22 nationalen Meistertiteln holte. Dass der 23. im Frühsommer 2013 gefeiert wird, steht schon Ende Januar so gut wie fest.

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insgesamt 75 Beiträge
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1.
wqa 28.01.2013
Zitat von sysopDeutscher Meister wird nur der FCB
Wenn man vom Gegner mit solchen Rückpässen bedient wird immer. M.E war der aber gekauft.
2.
loncaros 28.01.2013
na Gott sei Dank noch eine weitere Meisterschaft die nicht im München landet und den Bayern wären die Hälfte der Fans davongelaufen.
3. die
martin-z. 28.01.2013
Zitat von sysopEr spielte eine mäßige erste Hälfte - trotzdem siegte der FC Bayern souverän in Stuttgart. Der Tabellenführer hat elf Zähler Vorsprung auf den ärgsten Verfolger, der Titelkampf ist entschieden. Nur Glückwünsche will man noch nicht entgegen nehmen. Bundesliga: Bayern die Meisterschaft kaum mehr zu nehmen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-bayern-die-meisterschaft-kaum-mehr-zu-nehmen-a-879966.html)
stärkste deutsche mannschaft aller zeiten. dortmund ist abgehängt und wirkt im vergleich wie ein lehrjunge. glückwunsch bayern, eine beeindruckende saison.
4.
PeterPan95 28.01.2013
"Und prompt traf Thomas Müller" - Von der 49sten bis zur 72 Minute ist nicht "prompt". "prompt" ist wenn im Gegenzug oder maximal 2-3 Minuten danach ein Tor fällt.
5. Gäähn
ekel-alfred 28.01.2013
[QUOTE=sysop;11870300]... der Titelkampf ist entschieden. Nur Glückwünsche will man noch nicht entgegen nehmen. QUOTE] Bonjour Tristesse! Hoffentlich ist der wenigstens Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag spannend.
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