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1:1 bei BVB vs. Bayern: Beginn einer wunderbaren Feindschaft

Aus Dortmund berichtet

Dortmund vs. Bayern: Lewandowski scheitert vom Punkt, Rafinha fliegt Fotos
AP/dpa

Was wie ein Freundschaftsspiel begann, endete in einem hitzigen Warm-up fürs Champions-League-Finale: Borussia Dortmund und Bayern München bekämpften, beschimpften und bespielten sich wie zuletzt in den Neunzigern. Das Match könnte ein Vorgeschmack auf die kommenden Zeiten sein.

Als Neven Subotic in der 54. Spielminute den Ball eroberte, setzte er zu einem Dribbling an. Subotic, der eher grobschlächtige Innenverteidiger, spazierte meterweit bis tief in die gegnerische Hälfte. Kein Spieler des FC Bayern attackierte ihn. Stattdessen bekam Subotic bei schönem Sonnenwetter einen behäbigen Begleitschutz von Luiz Gustavo und David Alaba. Solange, bis er den Ball freiwillig vertändelte.

Fast eine Stunde lang war das Aufeinandertreffen des Tabellenersten mit dem -zweiten (1:1) ein launiger Freundschaftskick, bei dem der BVB nach einer schönen Kombination durch einen Treffer von Kevin Großkreutz in Führung ging (11. Minute). Zwölf Minuten später glich Mario Gomez aus. Man ahnte, dass die beiden Champions-League-Finalisten dieses sportlich belanglose Spiel zwar intensiv, aber keineswegs über Gebühr austragen wollen - schon gar nicht mit überbordendem körperlich Einsatz.

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Dortmund vs. Bayern: Lewandowski scheitert vom Punkt, Rafinha fliegt
Dann kam die 62. Minute.

Ein Foul von Rafinha; hinterhältig, weil er Jakub Blaszczykowski bei vollem Tempo den Ellenbogen ins Gesicht rammte. In einem normalen Spiel hätte es hier etwas Aufregung gegeben, und dann wäre der foulende Spieler mit einer Roten Karte in die Umkleidekabine geschickt worden. Rafinhas Aktion hingegen wirkte im Kontext des anstehenden Finals, der sportlichen Brisanz der vergangenen beiden Spielzeiten und auch der neu aufkommenden Transferangriffe aus München wie ein letzter, winzig kleiner Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Klopp und Sammer schreien sich an

Auf dem Spielfeld kam es zu Rudelbildungen, Spieler schubsten sich. Schiedsrichter Peter Gagelmann, der an diesem Tag nur wenig richtig machte, schaffte es kaum, die aufgebrachten Akteure zu beruhigen. Dies führte so weit, dass Rafinha nach der Gelb-Roten Karte selbst beim Verlassen des Spielfelds noch die Chuzpe besaß, Blaszczykowski mit seinem Finger im Gesicht herumzustochern.

In diesem Moment explodierte das Dortmunder Stadion.

Während die Dortmunder Südtribüne zu einem Pfeifkonzert ansetzte, schienen Matthias Sammer und Jürgen Klopp zu vergessen, dass ihre Spielerzeit schon einige Tage zurückliegt. Die beiden Alphamänner standen eine Handbreit voneinander entfernt und schrien sich gegenseitig an.

Dieses Bild dürfte in den kommenden Wochen, bis zum Finale der "Königsklasse" in London am 25. Mai (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), als Dauerschleife eingesetzt werden, um die neue, extreme Rivalität der beiden stärksten deutschen Clubs zu symbolisieren. Dass sowohl Klopp als auch Sammer die Szene nach dem Spiel recht schmallippig herunterzuspielen versuchten, wird in der Öffentlichkeit kaum eine Bedeutung finden.

"Das Spiel zwischen Bayern und Dortmund wird nie ein Freundschaftsspiel werden. Das sind zu viele Emotionen", sagte Manuel Neuer, der in der 59. Minute einen Elfmeter von Robert Lewandowski hielt und die Bayern so vor einer Niederlage bewahrte. Dortmunds Kapitän Sebastian Kehl ergänzte, dass "das heutige Aufeinandertreffen nicht mit dem Finale" zu vergleichen sei, denn "in London wird noch mehr Feuer drin sein".

Die Giftpfeile fliegen wieder

Sportlich lieferte das Match dagegen keine Hinweise auf das Endspiel im Wembley-Stadion. Dortmunds Führungsriege wird höchstens bemerkt haben, dass sie im Falle eines Wechsels von Robert Lewandowski nach München bereits in diesem Sommer nicht nur einen neuen Stürmer, sondern direkt zwei einkaufen müsste. Denn Julian Schiebers fußballerisches Potential scheint sich nicht so zu entwickeln, wie es sich die BVB-Macher gewünscht haben. In den letzten 30 Minuten hätte der Zugang vom VfB Stuttgart die Dortmunder Überzahl zweimal ausnutzen müssen, stattdessen verstolperte er beste Abschlussmöglichkeiten kläglich.

Deutlich interessanter werden in den kommenden Tagen die Beobachtungen zum Binnenklima der Verantwortlichen der beiden Top-Clubs. Nachdem der BVB dem Bayern-Vorstand das obligatorische Mittagessen vor dem Bundesliga-Knüller verweigerte, Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von einem "etwas erkalteten" Verhältnis zum FC Bayern sprach und nun auch der Transferstreit um Lewandowski kurz vor der Eskalation steht, könnte die Abteilung Attacke bemüht werden.

Einen Vorgeschmack dazu lieferte Sammer nach dem Spiel im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF, als er sich davon freisprach, den Konflikt mit der Borussia weiter anzuheizen. Sammer sah vielmehr "lediglich eine Person, die sich zu den Dingen äußert", und meinte damit Watzke. Ein Affront, auf den die Dortmunder Seite wohl recht zeitnah antworten dürfte.

Diese Rivalität wird ihren vorläufigen Höhepunkt in Wembley erreichen. Dass sie danach abebbt, scheint derzeit hingegen genauso unwahrscheinlich, wie dass das Finale ohne einen Platzverweis endet. Dortmund ist in den vergangenen Jahren wirtschaftlich und sportlich noch mal ein ganzes Stück näher an die Bayern herangerückt. Das 1:1 könnte der Beginn einer neuen Rivalität, mehr sogar, einer ausgewachsenen Feindschaft sein.

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insgesamt 271 Beiträge
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1. Sehr parteiischer Bericht ...
scooby11568 05.05.2013
Klar muss Rafinha runter. Lewandowski und Santana haben sich das Gleiche geleistet ohne eine Karte zu bekommen. Ein alberner Elfer für den BVB, Bayern wurde er verweigert. Das Finale wird nicht so knapp.
2. Tja...
ilsf 05.05.2013
... Fußball ist eben der Sport der Massen. Beleidigung auf dem Platz - oder daneben - und Randale drumrum. Es ist nichts für Menschen mit Niveau, sondern für Proleten. Oder gibt's Hooligans und Rassismus beim Tennis, Golf, Volley, Skispringen, Marathon oder sogar Rugby?
3. Matthias Sammer
jayram 05.05.2013
der Brunnenvergifter, als Spieler noch erfolgreich, ansonsten ein Fußballfunktionär dessen emotionale Grundlage kalte Agression ist, manchmal wirkt es fast wie Hass.
4.
MarkusW77 05.05.2013
Die Bayern haben das finale 2012 in Berlin nicht verkraftet und haben tierischen schiss in Wembley das dritte mal ein Cl finale zu vergeigen. Nach den zwei Jahren Dortmunder Dominanz haben sie außerdem ihre finanzielle eher konservative Schiene verlassen, und mit sammer einen ehemaligen Dortmunder geholt, der es damals unter Meyer und niebaum gelernt hat viel Geld auszugeben . Die Summen, die die jetzt ausgeben bzw. An Gehältern zahlen müssen... bin gespannt wenn Pep im ersten Jahr keinen Erfolg bringen sollte. Das festgeldkonto dürfte dann ratzfatz dünn werden
5. ot
gast100100 05.05.2013
Watzke ist sauer, weil Bayern nicht nur angeblich den Spielstil kopiert sondern auch den Transferstil (Reuss ohne Rücksprache mit Gladbach). Am besten revanchiert sich Dortmund nun, indem man den jüngsten CL-Finalstil der Bayern kopiert und als Verlierer vom Platz geht.
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