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Nürnberg vs. Bayern: Angriffswirbel verwirrt Münchner Stars

Von Sebastian Winter, Nürnberg

Fußball-Bundesliga: Arbeitssieg der Unschlagbaren Fotos
DPA

Das 2:0 des FC Bayern beim 1. FC Nürnberg hört sich nach einem lockeren Sieg an. Tatsächlich aber waren die Münchner in der Anfangsphase überrumpelt von der Nürnberger Aggressivität. Bis zum Schluss fanden sie nicht in ihr gewohntes Kurzpassspiel.

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Am Ende wirkte nur Gertjan Verbeek richtig zufrieden: "Stolz" sei er auf seine Mannschaft, sagte Nürnbergs Trainer bei der Pressekonferenz, und: "Ich trinke erst mal ein Bier heute Abend. Ich habe Durst."

Der Gegner schimpfte währenddessen in der Interview-Zone in mannschaftlicher Geschlossenheit lieber über den Rasen. "Unverantwortlich. Der sieht von weitem besser aus als er ist", echauffierte sich Bayern Münchens Sportdirektor Matthias Sammer. Thomas Müller sprach ironisch von einem "gut präparierten Boden", Arjen Robben nannte das Grün einen "Acker". Spätestens als Kapitän Philipp Lahm, eigentlich Münchner Chefdiplomat, kritisierte, der Platz sei "nicht optimal, wenn nicht sogar schlecht" gewesen, war klar: Es musste etwas dran sein an dieser Graskritik.

Andererseits machten es sich die Bayern zu einfach damit, die bescheidenen Platzverhältnisse in der mit 50.000 Zuschauern ausverkauften Nürnberger Arena für ihre Mühen beim 2:0 (1:0)-Auswärtssieg, vor allem in der ersten Halbzeit, mitverantwortlich zu machen. Es waren schließlich die Nürnberger gewesen, die Timothy Chandler und Daniel Ginczek früh und ohne Fremdeinwirkung verloren hatten - mit einem Kreuzbandriss und einer Meniskusverletzung.

Die Mannschaft von Josep Guardiola war schlicht überrascht worden von dem aggressiven Angriffswirbel der Gastgeber in der hitzigen, stimmungsvollen Anfangsviertelstunde des Spiels.

Bayern schienen mit Nürnberger Spiel nicht gerechnet zu haben

Lahms Aussage nach der Partie ("Wir wussten, was auf uns zukommt") erstaunt in diesem Zusammenhang sehr. Denn es sah überhaupt nicht danach aus, als hätten die Bayern mit dem schnellen, überfallartigen Gegenpressing und Umschaltspiel der Nürnberger gerechnet. Vielmehr dürften die ersten 15 Spielminuten gegnerischen Trainern künftig als hervorragendes Lehrmaterial dafür dienen, mit welchen Mitteln dieser übermächtige FC Bayern zu überlisten ist. Ein solches Offensivfeuerwerk in so kurzer Zeit hat in dieser Saison bislang kaum eine Mannschaft gegen die Bayern gezeigt.

Man kann es auch so formulieren: Noch nie in dieser Spielzeit waren die Bayern derart in Bedrängnis wie in den ersten Minuten des Nürnberg-Spiels.

Bereits nach drei Minuten prüfte Ginczek Bayern-Keeper Manuel Neuer, eine Minute später lenkte der starke Neuer einen Seitfallzieher von Hiroshi Kiyotake an die Latte. Markus Feulners Flugkopfball in der 12. Spielminute segelte über das Tor, zwei weitere Chancen folgten. "Ich habe selten eine Mannschaft gesehen, die so gepowert und so schnell umgeschaltet hat", sagte Sammer und vollendete sein Lob an den Gegner: "Kompliment, so werden sie mit dem Abstieg nichts zu tun haben."

Thiago mit halb so vielen Ballkontakten wie zuletzt

Nürnberg schaffte es, die Statistikwerte des Gegners über die gesamte Spielzeit hinweg unterdurchschnittlich zu halten. 82 Prozent angekommener Pässe bedeuten einen Negativrekord für die Bayern in dieser Saison, 64 Prozent Ballbesitz und 53 Prozent gewonnener Zweikämpfe sind ebenfalls mau. Thiago, der Spieler mit den meisten Ballkontakten auf dem Feld, kam nach seinem Liga-Rekord aus der Vorwoche gegen Frankfurt (185 Ballkontakte) nur noch auf gut die Hälfte, nämlich 94.

Das lag vor allem an der ungewohnten Manndeckung, die die Bayern besonders im Spielaufbau vor ein Rätsel stellte, das sie zunächst nicht lösen konnten. Bayern-Kapitän Lahm hob im Anschluss entsprechend die Taktik Nürnbergs hervor, "sie haben über den ganzen Platz eins gegen eins gespielt. Und dann ist es natürlich nicht so einfach, Ballkontakte zu haben. Wir haben unser Spiel heute umstellen müssen." Sammer formulierte es so: "Wir haben einen Spielstil kreiert, der vielleicht nicht für uns steht, aber unsere Anpassungsfähigkeit zeigt."

Vom gewohnten schnellen Kurzpassspiel war also nicht viel zu sehen, die Bayern versuchten es eher auf die rustikale Art, mit Einzelaktionen, langen Bällen, Flanken. Und sie hatten Erfolg. Zunächst verwertete Stürmer Mario Mandzukic eine Alaba-Flanke per Direktabnahme nach Nürnbergs Sturmphase eiskalt (18.), kurz nach der Pause erhöhte Lahm.

Effizienter geht es kaum, das kann Nürnberg noch von den Bayern lernen. Ansonsten haben die abstiegsbedrohten Franken sehr viel richtig gemacht gegen die nun seit 45 Spielen ungeschlagenen Münchner. Verbeek hat sich das Bier verdient.

1. FC Nürnberg - Bayern München 0:2 (0:1)
0:1 Mandzukic (18.)
0:2 Lahm (49.)
Nürnberg: Raphael Schäfer - Chandler (10. Angha), Petrak, Pinola, Plattenhardt - Frantz - Drmic, Feulner, Kiyotake, Hlousek (76. Gebhart) - Ginczek (22. Pekhart)
München: Neuer - Rafinha, Jerome Boateng, Dante, Alaba - Lahm - Thomas Müller (72. Martínez), Thiago, Götze, Robben (81. Shaqiri) - Mandzukic (86. Pizarro)
Schiedsrichter: Welz (Wiesbaden)
Zuschauer: 50.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Hlousek (3), Pinola (2) - Lahm (2), Mandzukic (5), Thomas Müller
Passquote: 82 Prozent Bayern, 18 Prozent Nürnberg

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insgesamt 56 Beiträge
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1. Sie haben gewonnen
studibaas 09.02.2014
Das zählt erst mal. Ansonsten: Die Wiese ist für beide seiten gleich schlecht... . Ansonsten zitiere ich Mike Krüger in einer anderen Sprtart, Tennis: Was war ich heute spitze, was war ich heut in Form, der Aufschlag der kam locker, die Rückhand ganz enorm. Ich will auch gar nicht schwelgen von dem Tiebreak erster Satz, das einzige was störte war der Platz. Denn: Der Platz ist schief der Wind zu stark, mein Schläger hat ein Loch, der Ball ist alt der fliegt nicht geradeaus. Der Schiedsrichter ist kurzsichtig das Netz ist viel zu hoch, darum gehen gerade meine Bälle immer aus... .
2. Prost
77fun 09.02.2014
Herr Verbeek. Es ist schon beachtlich, was der Trainer beim Club bewirkt hat. Immerhin fehlten - das wird in dem Artikel nicht erwähnt - dem Club mit Pogatetz, Nilsson und Hasebe drei Nationalspieler wegen Knieverletzungen. Und nach den Ausfällen von Ginczek und Chandler war die hälfte der Stammspieler im Krankenstand. Das kann Teams mit schmalem Etat sehr leicht das Genick brechen. Schade, dass der Mut, offensiv zu spielen nicht wenigstens mit einem Punkt belohnt wurde.
3.
elferkiller1234 09.02.2014
Auch Stuttgart hat vor 2 Wochen gezeigt, wies geht. Viel wichtiger ist für mich derzeit, dass die Mannschaft auch unter Druck ruhig bleibt und dann halt doch irgendwann die Kontrolle und das Spiel gewinnt. Ja mei, und irgendwann wird der erste kommen, der die "unbesiegbaren" Bayern halt doch schlägt. Wird auch für die Mannschaft und für uns Fans kein Weltuntergang sein, solange es nicht gegen den BVB ist ;-))).
4. bin verwirrt,
Dr.Schwantz 09.02.2014
3 Punkte? Ah, ok!
5. Traurig für
nemesis_01 09.02.2014
die Bundesliga, jetzt werden schon Niederlagen gegen die Bayern als Erfolg verkauft.
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