Bayern-Sieg gegen Wolfsburg: Gegen die Wand
Gewonnen, aber nicht geglänzt - der FC Bayern ist vom Hurrafußball der vergangenen Saison noch weit entfernt. Das Spiel gegen Wolfsburg zeigt erneut: Teams mit gut organisierten Defensivreihen bereiten dem Triple-Sieger Schwierigkeiten.
Bayern-Sportdirektor Matthias Sammer lief schweigend durch die Katakomben der Münchner Arena, er hat sich offenbar nach der "Lethargie-Debatte" eine Redepause verordnet. Dabei hätte der 46-Jährige nach dem mühsamen 1:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg einige Argumente gehabt, um seine Mannschaft zu kritisieren. Sie stand zwar in der Defensive sicher gegen recht harmlose Wolfsburger, doch das Spiel nach vorne sieht nicht wirklich frisch aus in diesen Wochen.
Immer wieder liefen sich die Bayern fest, ihre Zweikampfwerte waren bemerkenswerterweise schlechter als jene von Wolfsburg. Nur vier Schüsse kamen auf das Tor von Diego Benaglio, bei einer Ballbesitzquote von 71 Prozent ist das nicht besonders viel. Das zeigt, dass die Bayern zurzeit Probleme haben, ihr laufintensives Offensivspiel in Tore umzumünzen. Vor allem dann, wenn sie auf gut organisierte Defensivreihen treffen. Das war beim knappen 1:0-Sieg in Frankfurt so, bei den 2:0-Erfolgen gegen Nürnberg und Hannover, als es zur Pause jeweils 0:0 stand, in Freiburg (1:1) und nun gegen Wolfsburg.
Der Gegner habe "fast auf dem ganzen Platz Mann gegen Mann gespielt", sagte Bayerns Torschütze Thomas Müller, und fügte hinzu, dass das zwar nicht der modernste Stil, aber effektiv gewesen sei. Auch Bayern-Keeper Manuel Neuer argumentierte in diese Richtung: "Bei den Eins-gegen-Eins-Situationen war jeder Wolfsburger konkret eingeteilt. Die Gegner verteidigen halt zu 90 Prozent gegen uns."
"Aus diesem Spiel können wir auch lernen"
Klaus Allofs wollte das nicht ganz so stehen lassen: "Ich habe gehört, dass die Bayern sich beschwert hätten, dass wir Manndeckung gespielt haben", sagte Wolfsburgs Manager: "Das war keine Manndeckung. Wir sind sehr viel gelaufen, haben uns nach Ballverlust sofort zurückgezogen." Sie machten also genau das, was die Bayern, die das Offensivpressing vorziehen, verteufeln.
VfL-Trainer Dieter Hecking gab dann noch einen etwas genaueren Einblick in die Wolfsburger Taktik: "Wir haben die Schaltzentralen ausgemacht und sehr gut im Raum verteidigt." Hecking erklärte, dass Diego und Olic den Auftrag bekommen hatten, das Aufbauspiel um Bayern-Sechser Philipp Lahm zu stören, dort die Räume zuzustellen. "Boateng haben wir ein bisschen freigelassen, weil wir dachten, dass er uns im Spielaufbau am wenigsten wehtut."
Die wichtigen Verbindungswege der Bayern kappen, die Räume um das eigene Tor herum extrem verdichten, Eins-gegen-Eins-Situationen heraufbeschwören, das ist offenbar ein gutes Mittel gegen die Bayern. So können sie auch nicht jenen Hurrafußball spielen, den sie vergangene Saison unter Jupp Heynckes phasenweise zelebriert hatten.
Strittige Entscheidungen des Schiedsrichters
Nur hat Wolfsburg am Samstag eben vergessen, in der Offensive entscheidende Akzente zu setzen. Der Münchner Sieg durch das erste Saisontor von Müller (63.) war deshalb auch nicht unverdient. "Es war nicht der glanzvolle Sieg, aber aus diesem Spiel, bei dem der Gegner tief stand, können wir auch lernen", sagte Bayern-Verteidiger Jérôme Boateng.
Allerdings haderten die Wolfsburger auch mit zwei Entscheidungen des Schiedsrichters. Er hatte Bastian Schweinsteiger Mitte der ersten Halbzeit die gelbe Karte gezeigt, der Diego grob auf den Boden gedrückt hatte - für die Wolfsburger eine Tätlichkeit. Außerdem war Marcel Schäfer später nach einem Rempler im Bayern-Strafraum zu Fall gekommen, dies hätte durchaus Elfmeter geben können. Die Bayern mit zehn Mann, Wolfsburg in Führung - der VfL hätte seine Taktik dann noch effizienter einsetzen können.
Am kommenden Mittwoch, wenn sie in der Champions League auswärts gegen Manchester City (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) antreten, werden die Bayern aber auf einen völlig anders ausgerichteten Gegner treffen, der nicht nur eine robuste Defensive hat, sondern auch eine starke Offensive. Der allerdings zurzeit von seiner Bestform ebenfalls weit entfernt ist. "Wir wissen, dass City auch selber den Ball haben und spielen will", sagt Bayern-Torwart Neuer. Den Münchnern dürfte es ganz recht sein, wenn sich ihnen dann endlich wieder mehr Räume öffnen.
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