Bayern-Fehler gegen Gladbach: Mit den Gedanken schon in Wembley

Aus Mönchengladbach berichtet Andreas Morbach

Bayern-Keeper Manuel Neuer: Drei Gegentreffer in zehn Minuten Zur Großansicht
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Bayern-Keeper Manuel Neuer: Drei Gegentreffer in zehn Minuten

Haarsträubende Fehler, drei Gegentore in zehn Minuten: Wann gab's das zuletzt beim FC Bayern? Der Rekorde-Meister nimmt die durchwachsene Generalprobe für das Champions-League-Finale in Gladbach gelassen. Denn: "Das waren nicht die richtigen Bayern."

Auf die Frage hin, ob dies nun eine gelungene Generalprobe für das große Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund gewesen sei, drückte Bayerns Sportchef Matthias Sammer kurz den Rücken durch und presste ein einziges Wort hervor: "Uninteressant." Uninteressant, dass der FC Bayern, der zuvor in 16 Auswärtsspielen nur vier Gegentore kassiert hatte, beim Ligafinale in Mönchengladbach nach zehn Minuten 1:3 zurücklag? Uninteressant, dass der Meister sieben Tage vor dem Showdown in London (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) die Partie letztlich noch souverän gedreht und 4:3 (2:3) gewonnen hatte? Ja, Sammer blieb bei seiner These.

Vor dem Mannschaftsbus der Münchner blinzelte der ansonsten gern kritische Sportdirektor in die Sonne und sagte: "Das hat alles nichts damit zu tun, was nächste Woche passiert."

Er führte die Meisterschaftsfeierlichkeiten nach dem 33. Spieltag und diverse Verabschiedungen als Gründe für die anfänglichen Aussetzer in der Bayern-Abwehr an - klar, nicht umsonst ist das ausschweifende Feiern in München verpönt. Tatsächlich gab es beim 0:1 ungewohnte Abstimmungsprobleme zwischen Torwart Manuel Neuer und den Innenverteidigern Dante und Jérôme Boateng. Vor dem 0:2 leistete sich Dante einen Fehlpass beim Spielaufbau. Und beim 1:3 ließen sich die Bayern klassisch auskontern.

Heynckes mit emotionalem Abschied

"Wir waren nicht konzentriert, aber das kann man entschuldigen", sagte Sammer, verteilte für die verbleibenden Tage bis zum Finale von Wembley aber doch einige Hausaufgaben. "Wir müssen ein paar Dinge vermeiden und zu dem zurückkommen, was uns stark gemacht hat", sagte er: "Spiel gegen den Ball, Kompaktheit, Umkehrspiel." Ansonsten sei bis zum Gipfel gegen den BVB das höchste Gut: "Normalität."

Überhaupt nicht normal war dieser Spieltag indes für Jupp Heynckes. In Mönchengladbach, wo er vor 68 Jahren zur Welt gekommen war und 1963 seine aktive Karriere begonnen hatte, schloss sich für den Bayern-Trainer nach 1011 Bundesliga-Auftritten als Spieler und Trainer nun der Kreis. Mit einem Strauß roter und weißer Rosen, einer Tafel mit Erinnerungsfotos an seine Bundesliga-Zeit und mit Applaus von den Rängen wurde dem Rekord-Trainer gehuldigt. Und mit einem letzten Ligasieg, den er sich bei der Spielbesprechung von seiner Mannschaft extra erbeten hatte.

"Ich muss mich herzlich bedanken bei den Zuschauern und den Borussia-Fans", sagte Heynckes nach dem Spiel. Dann stockte ihm die Stimme, er drückte sich Daumen und Zeigefinger gegen die Augen und ließ seinen Tränen freien Lauf. Es vergingen einige Sekunden, dann hatte er sich wieder gefangen - und erklärte seinen Gefühlsausbruch: "Das zeigt, dass das meine Heimat ist." Da stand der Gladbacher Kollege Lucien Favre auf, klopfte Heynckes kumpelhaft auf die Schultern - und alle im Presseraum Anwesenden applaudierten.

Bayern-Spieler ohne Sorgen vor Finale in Wembley

Ein emotionales Highlight, dem Heynckes nun den sportlichen Höhepunkt im Duell mit dem BVB folgen lassen will. Für den erhofften Triumph in Wembley - nach zwei Finalniederlagen 2010 und 2012 - müssen Defensivkapriolen wie im Borussia-Park allerdings dringend ausgeschlossen werden. Die Akteure selbst sehen in ihren Fauxpas gegen Gladbach keine Gefahr, im Gegenteil: "Das waren in den ersten zehn Minuten nicht die richtigen Bayern", beschwichtigte Abwehrchef Dante. Bastian Schweinsteiger sagte: "Es war ein ungewöhnlicher Auftakt, durch den wir noch aufmerksamer geworden sind." Die Moral sei wegen der mehrfach bloßgestellten Verteidigung jedenfalls nicht angeknackst, glauben die Bayern. "Wir haben sehr gut reagiert, das war gut für unser Selbstbewusstsein", sagte Doppeltorschütze Franck Ribéry.

Auch Heynckes wollte mit seiner Mannschaft nicht hart ins Gericht gehen: "Ich kann nicht ausschließen, dass sich meine Spieler mit der Champions League beschäftigt und sich deshalb gewisse Nachlässigkeiten eingeschlichen haben", sagte er, als seine Tränen getrocknet waren - und beschrieb den weiten Schatten, den das Duell in Wembley zuletzt bis hin an die Säbener Straße geworfen hatte. "Wir haben", betonte Heynckes, "gut trainiert. Aber trotzdem kreist alles schon um dieses Finale."

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insgesamt 33 Beiträge
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1. Ok...
elferkiller1234 19.05.2013
und dass der BVB nach 75 Minuten gegen einen - vermeintlichen - Absteiger einfach mal das Fußballspielen eingestellt hat, vergessen wir mal, oder? Wer hat sich gestern wohl mehr blamiert? Was die Bayern dieses Jahr so stark macht, ist das "Immer an sich glauben", noch in der letzten Saison hätten sie das 1:3 im Leben nicht umgebogen, dieses Jahr bleibt die Mannschaft ruhig und glaubt an sich und ihre Chancen. Das macht mir viel Hoffnung für nächsten Samstag :-).
2. Bayern und Dortmund
derbochumerjunge 19.05.2013
"Mit den Gedanken schon in Wembley" Wer will denen - und auch Dortmund - das verdenken? Ein CL-Finale ist schließlich etwas wichtiger als ein letzter BL-Spieltag, an dem es für beide Mannschaften um nichts mehr geht.
3.
röstigraben 19.05.2013
Naja. Wenn ein 4:3-Sieg trotz ein paar Abwehrfehlern ein "durchwachsenes" Ergebnis ist, wie müsste man dann die Generalprobe der Dortmunder werten? Niederlage im eigenen Stadion gegen einen Abstiegskandidaten, zwei Elfmeter verschuldet und einen Platzverweis kassiert - die haben wahrlich mehr Grund, vor Wembley nochmal in sich zu gehen.
4. Sammer hat recht
Stelzi 19.05.2013
Drei Gegentore? Egal. Keiner wollte in der Abwehr eine Verletzung riskieren, also liess man die Gladbacher Gewähren. Wieso auch nicht, wenn man vorne locker flockig vier Tore schiesst? Das Ganze sollte eher Dortmund zu denken geben. Die murksten sich zu einer Niederlage und vergaben reihenweise gute Cancen. Der Unterschied zu den Bayern ist nicht nur, dass die Bayern normalerweise weniger Gegentore kassieren, die Bayern machen ihre Tore - Dortmund nicht. Und jetzt fehlt wahrscheinlich auch noch Hummels. Das kann in einem Debakel für Dortmund enden, wenn die bayerische Tormaschine am nächsten Samstag richtig in Fahrt kommt!
5. ..nicht die richtigen Bayern
clemensbarono 19.05.2013
Da wage ich eine positive Prognose und drücke beim Champions-League-Finale den BVB-Spielern die Daumen !
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FC Bayern - Rekorde 2012/2013
Rekorde, die der FCB aufgestellt hat

Meister I: Der früheste Herbstmeister (am 14. Spieltag)

Meister II: Der früheste Meister (am 28. Spieltag)

Punkte I: Die meisten Punkte (91)

Punkte II: Die meisten Auswärts-Punkte (47)

Punkte III: Die beste Rückrunde nach Punkten (49)

Punkte IV: Der größte Vorsprung auf den Zweiten (25)

Siege I: Die meisten Saisonsiege (29)

Siege II: Die meisten Auswärts-Siege (15)

Siege III: Längste Siegesserie ab dem Saisonstart (8 Siege)

Siege IV: Längste Siegesserie innerhalb einer Saison (14 Siege)

Siege V: Längste Auswärts-Siegesserie (9 Siege)

Siege VI: Die meisten Siege mit mindestens zwei Tore Differenz (23)

Gegentore I: Die meisten Spiele ohne Gegentor (20)

Gegentore II: Die meisten Siege ohne Gegentor (20)

Gegentore III: Die meisten Auswärtsspiele ohne Gegentor (12)

Gegentore IV: Die ersten fünf Auswärtsspiele einer Saison ohne Gegentor

Gegentore V: Die wenigsten Auswärts-Gegentore einer Hinrunde (1)

Gegentore VI: Die wenigsten Gegentore (18)

Gegentore VII: Die wenigsten Auswärts-Gegentore (7)

Tordifferenz I: Die beste Tordifferenz nach einer Hinrunde (+37)

Tordifferenz II: Die beste Tordifferenz (+80)

Rückrunde: Der beste Start in eine Rückrunde (14 Siege)
Rekorde, die der FCB eingestellt hat

Spitzenreiter: An allen 34 Spieltagen Tabellenführer (wie der FC Bayern 1968/1969, 1972/1973, 1984/1985 und 2007/2008)

Tore I: Ein Tor in jedem Spiel (wie der 1. FC Köln 1963/1964)

Gegentore I: Die wenigsten Gegentore in einer Hinrunde (7 - wie der VfB Stuttgart 2003/2004)

Gegentore II: Sechs Auswärtsspiele in Folge ohne Gegentor (wie der 1. FC Köln 2009/2010)

Niederlagen: Die wenigsten Niederlagen (1, wie der FC Bayern 1986/1987)

Niederlagen II: Eine komplette Saison ohne Auswärts-Niederlage (wie der FC Bayern 1986/1987)

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